Ist Restrukturierung das Beratungsgeschäft der Stunde?

Deep Dive Consulting: Kolumne von Jörg Hossenfelder, Lünendonk

Covid-19 hinterlässt seine Spuren. Auch im Beratungsmarkt. Wo investieren die Kunden der Consultants 2020 und 2021? Welche Themen stehen aus Sicht der Beratungsunternehmen im Vordergrund? Diese Frage stellt das Marktforschungsunternehmen Lünendonk jedes Jahr den Teilnehmern der renommierten Beratungsstudie. Zwar sind die Antworten in der Regel nicht ganz überraschend, allerdings zeigen sich immer wieder interessante Verschiebungen in den Prioritäten – vor allem beim Blick auf 2020 und 2021.

Jörg Hossenfelder Restrukturierung Beitrag (Bild: Autor)

In den zurückliegenden Jahren dominierte als Top-Thema die Effizienzsteigerung. Dieses wurde indes 2016 vom generalistischen Thema Digitalisierung abgelöst. Durch die Corona-Krise rücken Effizienz- und Kostenthemen wieder deutlich stärker in den Vordergrund. Das zeigt unsere aktuelle Consulting-Studie, bei der die Effizienzsteigerung einen deutlichen Sprung nach vorne macht und wieder auf Platz eins liegt. Zwei Drittel der Beratungsunternehmen glauben, dass in dieses Feld voraussichtlich verstärkt investiert wird, und weitere 30 Prozent, dass dies eher wahrscheinlich ist. 

Viele Kunden müssen sparen

Lünendonk-Studie 2020 Effizienz (Bild: Lünendonk-Studie 2020 "Managementberatung in Deutschland")
Investitionsthemen gewinnen an Bedeutung (Bild: Lünendonk-Studie 2020)

Ausgelöst durch die Corona-Krise sowie die damit verbundenen Kosten müssen viele Kundenunternehmen nun zwangsläufig sparen. Themen rund um die Digitalisierung und Automatisierung von Sekundärprozessen und dem Back-Office werden in den kommenden Jahren daher noch stärker in den Fokus rücken. Zwar begleitet das Thema RPA (Robotic Process Automation) die Branche schon einige Jahre, allerdings ließ der große Durchbruch noch auf sich warten. Vielleicht ist die Corona-Krise hier ein Treiber. 

Auf dem dritten Platz der Investitionsschwerpunkte finden sich Projekte, die im Zusammenhang mit Big Data/Business Analytics stehen. Interessant ist dabei, dass "nur" 28 Prozent der Studienteilnehmer hier sehr wahrscheinliche Investitionen erwarten und weitere 63 Prozent eher wahrscheinliche Investitionen. Was bedeutet das? Grundsätzlich wird dieses Thema von fast allen Unternehmen gesehen, aber restlos überzeugt davon ist weniger als ein Drittel der Teilnehmer. 

Eine höhere Investitionsneigung auf Kundenseite attestieren die Beratungen dagegen neuen Geschäftsmodellen. Hier erwartet jede dritte Beratung, dass sehr wahrscheinlich Investitionen stattfinden werden, und weitere 41 Prozent sehen dies als eher wahrscheinlich an. 

Themen mit Bedeutungsgewinn

Lünendonk-Studie 2020 Investition (Bild: Lünendonk-Studie 2020 "Managementberatung in Deutschland")
Das sind die Investitionsschwerpunkte (Bild: Lünendonk-Studie 2020)

Wenig überraschend ist die Bewertung der Investitionsneigung bei fast allen 14 abgefragten Themen rückläufig. Lediglich Effizienzsteigerung und Restrukturierung/ Sanierung machen in der Bewertung deutliche Sprünge nach vorne. Waren im Jahr 2018 nur acht Prozent der Studienteilnehmer überzeugt, dass hier sehr wahrscheinlich Investitionen stattfinden werden, sind es aktuell 30 Prozent. Die Gespräche mit Consultants, aber auch die Aussagen des BDU deuten darauf hin, dass die Beratungen hier zu Recht ein hohes Potenzial sehen. 

Haben in den ersten Auswirkungen der Pandemie die Liquiditätshilfen von Bund und Ländern den Kundenunternehmen noch geholfen, die schwerste Phase zu überbrücken, so zeigt sich nun, wer wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt und wer nicht. Wie sich die Lage weiterentwickelt und ob die Cash-Reserven der Unternehmen für ein langsames Hochfahren ausreichen, wird erst die Zukunft zeigen. Fakt ist: In Summe wird der Beratungsbedarf an Restrukturierung und Sanierung im Vergleich zum Vorjahr 2020 ansteigen.

Jörg Hossenfelder (Bild: Lünendonk & Hossenfelder)
Jörg Hossenfelder (Bild: Lünendonk & Hossenfelder)
Jörg Hossenfelder ist Kommunikations- sowie Politikwissenschaftler und studierte bis 2000 an den Universitäten Mainz und Bologna. Nach seinem Studium beriet er als Kommunikations-Berater Business-to-Business-Unternehmen. 2004 übernahm er die Leitung der Research-Abteilung bei Lünendonk & Hossenfelder. Seit Juli 2005 ist Hossenfelder Geschäftsführer, seit 2009 Geschäftsführender Gesellschafter. Jörg Hossenfelder verantwortet die Marktsegmente Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Advisory und Business Consulting.

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