YouTube + Consulting? Wie passt das zusammen?

Kolumne von Moritz Neuhaus

YouTube ist eine Weltmacht, wenn es um Inhalte geht. Doch wie taucht die Consultingbranche darin bislang auf? Moritz Neuhaus erklärt, was Beratungen wissen müssen und wie unabhängige Consulting-Influencer bereits dabei sind, die nächste Generation an Talenten zu erziehen.

kevin_jon_youtube_neuhaus_beitragsbild (Bild: YouTube)

Jeder unter 30 kennt die typischen YouTube-Formate: One day in my life, Musikvideos, Let’s Play’s oder auch verrückte Lifestyle Videos sind charakteristisch für das 2005 gegründete Online-Videoportal aus den USA. Weltweit reißt YouTube jeden Monat sagenhafte 2,3 Milliarden Menschen in seinen Bann. Laut Statista nutzen etwa 80 Prozent aller Deutschen die Plattform und verbringen dort 12 Minuten im Tagesdurchschnitt. Aber welche Bedeutung hat YouTube für Unternehmensberatungen?

Drei YouTube-Kanäle mit Consulting-Fokus liefern Antworten für Hunderttausende

Ende 2018 habe ich IN. UP! OUT? initiiert. Ein Video- und Podcast-Format, das jungen Menschen Unternehmensberatung näher bringt. Mein Ziel dahinter? Ich möchte Unternehmensberatungen mit Interviews eine möglichst objektive Bühne bieten, um für den Beruf zu werben. Im Gegenzug erhalten Beratungsinteressierte (meist zwischen 18-30 Jahre alt) einen authentischen Einblick in die Welt der Beratung. Gleichzeitig ist dieses Format Teil meiner “Personal Brand” und ermöglicht uns bei Insight Consulting einen enormen Zulauf an fähigen Talenten. In den letzten drei Jahren habe ich fast 200 Folgen veröffentlicht. Darunter waren Aufsichtsratsvorsitzende, Vorstände, Senior Partner, HR-Verantwortliche, Alumni, Consulting-Kunden und Startup-Gründer mit Consulting-Historie. Heute ist es das größte, übergreifende Format zum Thema Consulting in der DACH-Region. Auf meiner medialen YouTube-Reise sind mir immer wieder neue Charaktere und Geschichten begegnet. Für diese Kolumne habe ich zwei weitere “Consulting-Influencer” einbezogen, die wissen, wie YouTube funktioniert.

YouTube-Neuhaus-1 (Bild: YouTube)

IN. UP! OUT? - Der Youtube-Kanal von Moritz Neuhaus

Heinrich Rusche ist mit seinem YouTube Kanal, namens Firm Learning erst Anfang 2020 gestartet und bringt es bereits auf knapp 120.000 Abonnenten. Nach sechs Jahren beim Branchenprimus McKinsey teilt der ehemalige Junior Engagement Manager sein Wissen zu Bewerbungsgesprächen, Foliendesign, Gesprächsführung und allem, was die Community sonst noch wissen möchte. Mit deutlich mehr als vier Millionen Aufrufen ist der englischsprachige Kanal eine YouTube-Erfolgsgeschichte, die Heinrich nebenbei betreibt. 

Der ehemalige Roland Berger Berater Kevin Johannes Worner startete bereits 2016 damit, seine Zeit im Consulting zu dokumentieren. Mittlerweile zählt sein Kanal Kevin Jon über zwei Millionen Aufrufe. Mittlerweile hat es den Ex-Berater in den Bereich Venture Building verschlagen. Er hilft deutschen Firmen, sich im chinesischen Markt zu etablieren. 

Wir drei stecken viel Energie und Zeit in unsere Online-Präsenz. Unser Return? Erkenntnisvorsprung! Ich habe diese beiden deutschen Ex-Berater gefragt, welchen Stellenwert YouTube für Beratungshäuser hat und welche Themen bei jungen Talenten am meisten Resonanz erhalten. 

Unternehmensberatung auf YouTube: Was kommt dir spontan in den Kopf? 

“Da prallen zwei Welten aufeinander.” sagt Kevin spontan. Er meint damit, dass hier unterschiedliche Generationen und Wertvorstellungen aufeinander treffen: YouTube ist jung, laut und verspielt. Beratung dagegen tradiert, dezent und stets um Professionalität bemüht. 

Heinrich ist der Meinung, dass Beratungen um das Potenzial von YouTube wissen. Gleichzeitig nehmen sie soziale Medien noch nicht richtig ernst. Einzelne Unternehmen haben zwar einen YouTube Kanal, kranken allerdings daran, eine richtige Community aufzubauen. Meist fehlt eine zuständige Person, die als Moderator für die Beratung agiert und durch die Kultur führt. Die Followerzahlen sind - wenig überraschend - überschaubar. 

“Bain oder BCG?”: Welche Rolle spielt YouTube bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitern? 

Je sichtbarer eine Firma ist, desto gefüllter ist die Recruiting-Pipeline. Auch YouTube kann dabei behilflich sein. Laut Heinrich verstehen viele Unternehmensberatungen die Wichtigkeit von Social Media Kanälen, wenn es um die Anwerbung neuer Mitarbeiter geht. Viele Firmen sind aktiv und haben schon einen Kanal, aber das Maximum ist auch dort noch lange nicht erreicht. Was aber spürbar sei, ist das Interesse von Berufsanfängern, die gerade in die Arbeitswelt starten. Sie informieren sich auf YouTube und kontaktieren die Kanalbetreiber für Tipps. 

So ist es bei Heinrich, Kevin und mir keine Seltenheit, dass uns täglich junge Nachwuchstalente anschreiben, um zu fragen, an welcher Uni sie am besten studieren sollten oder welcher Job sinnvoller wäre. “Soll ich eher zu Bain oder doch BCG?” wollen Follower konkret wissen. Es herrscht ein großer Wunsch nach mehr Informationen. Das Interesse ist also da. Es müssten nur noch die Firmen aktiver werden. 

YouTube-Neuhaus-2 (Bild: YouTube)

Firm Learning heißt der Kanal von Ex-McK-Berater Heinrich Rusche

YouTube ist ein wertvolles Tool, wenn es darum geht, was Absolventinnen und Absolventen schon vor dem Erstkontakt über den Arbeitgeber denken. Laut Kevin sind eigentlich alle Social Media Plattformen wirksame Hilfsmittel, um potentielle Mitarbeiter zu informieren. Ob dies letztendlich durch TikToks oder YouTube Videos stattfindet, ist dem Unternehmen überlassen. 

Reinkommen und Geld verdienen: Welche Themen funktionieren auf YouTube am besten? 

YouTube ist eine Social Media Plattform, auf der nahezu alles anzutreffen ist. Von süßen Tiervideos zu informativen Bildungsvideos von simpleclub ist alles dabei. Deswegen ist Heinrich auch der Meinung, dass eigentlich jeder Content auf YouTube funktioniert. Beratungen müssen lernen, ihre Zielgruppe über die Plattform zu erreichen. Gerade in der heutigen Zeit werden vermehrt edukative Inhalte geklickt, wie zum Beispiel das Erstellen einer überzeugenden Powerpointpräsentation, die richtige Kommunikationsart oder auch das effektive Arbeiten mit Excel. Es geht dabei also um ganz praktisch angehauchte Themen, die oft erst beim Einstieg auf junge Beraterinnen und Berater warten. Ansonsten funktionieren auf der Plattform immer wieder die Grundsatzfragen: 

  • Wie viel verdiene ich?
  • Wie läuft ein typischer Tag?
  • Was muss ich vor dem Einstieg beachten?
  • Wie bewerbe ich mich optimal?
  • Was spricht eigentlich für und gegen einen Einstieg in die Beratung?

YouTube-Neuhaus-3 (Bild: YouTube)

Kevin Jon steht für Kevin Johannes Wormer, früher Berater bei Roland Berger

“So what?”: Wie sollten Beratungshäuser den Einfluss von Social Media Plattformen optimalerweise nutzen? 

Beratungen wissen um die Fragen von jungen Talenten. Es mangelt daran, aufrichtige Antworten zu geben. Es ist vor allem wichtig, dass nicht jedes YouTube Video von etablierten Beratungsfirmen wie ein Marketing- oder Werbevideo aussieht. Laut Heinrich braucht es vielmehr einen authentischen Einblick hinter die Kulissen. 

Beratungen sind häufig gesichtslos. Der Erfolg unserer YouTube-Kanäle beruht vor allem darauf, dass wir uns trauen auszusprechen, was wir auch außerhalb der Online-Videoplattform denken. Bei Beratungen herrscht hier häufig ein Mangel-Mindset. “Was passiert, wenn jemand unser großartiges Wissen zu unserem Kernthema für seine Zwecke nutzt?”. Das ist doch genau der Grund, warum es Beratung gibt. Selbst ein stundenlanges Video befähigt Bewerber oder Kunden nicht automatisch dazu, ein Problem zu lösen. Es kommen Fragen auf. Und genau diese Fragen sind es, die Bewerber und Beratungen auch in Zukunft zusammenbringen. Die Erkenntnis: Nur wer sein bestes Wissen herausgibt, gewinnt in der Online-Welt an Relevanz. Jede Beratung sollte darüber nachdenken, ein bis drei Sprecher für Einblicke in die Kultur des Unternehmens auszuwählen und mehr Zeit für die Produktion von Inhalten auf sozialen Medien aufzubringen. Es reicht nicht, externe Agenturen mit immer mehr belanglosen Clips zu beauftragen. Es braucht ein echtes Commitment von der Unternehmensleitung, die eigene Arbeitsweise nach Außen zu tragen und Wissen weiterzugeben. Dies schafft Vertrauen und gibt Beratungen die Chance, sich abzugrenzen. 

Über den Autor:

Moritz Neuhaus und sein Team von Insight Consulting sind auf C-Level-Personal-Branding über LinkedIn spezialisiert. Sie ermöglichen Partnerinnen sowie Partnern respektive CEOs aus der ganzen Welt online, Meinungsführerschaft aufzubauen – ohne egozentrisch und unnahbar zu wirken oder ihre mühsam erarbeitete Reputation mit Experimenten zu gefährden. Wichtig ist Moritz Neuhaus neben Branding auch das Thema Bildung im Consulting. In den sozialen Medien baut er mit IN. UP! OUT? seit 2018 die größte deutschsprachige Consulting Community auf.

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