Over the top – Was steht auf der Agenda von Beratungskunden?

Deep Dive Consulting: Kolumne von Jörg Hossenfelder, Lünendonk

Welche Themen sind aktuell Türöffner bei Kunden? Wo ist derzeit der Beratungsbedarf am höchsten? Spannende Erkenntnisse zu diesen und weiteren Fragen liefert Jörg Hossenfelder in seiner Kolumne als exklusive Vorabauswertung im Rahmen der Lünendonk®-Studie 2022: Managementberatung in Deutschland. Zudem erläutert er, in welchen Bereichen Consulting-Häuser für sich die größten Potenziale für Performance-Steigerungen sehen.

Hossenfelder Kolumne April 2022

Nicht jedem vermeintlichen Hype müssen Manager folgen. Sorgfältig abzuwägen und zu entscheiden, was für das Unternehmen von Relevanz ist und sein wird, gehört zu den verantwortungsvollen, strategischen Aufgaben. Bei wenigen Entwicklungen ist die Notwendigkeit zu handeln aber so offenkundig wie den beiden Megatrends Digitalisierung und ESG.

Spiegelt sich dieser Zugzwang auch im kommunizierten Beratungsbedarf wider? Bei welchen Fragestellungen wenden sich Kundenunternehmen derzeit am häufigsten an die Consultants? Mit diesen und weiteren Themen setzt sich die Lünendonk®-Studie 2022 „Managementberatung in Deutschland“ auseinander. Für die heutige Ausgabe meiner Kolumne werfen wir einen exklusiven Vorab-Blick auf die bisherigen Umfrageergebnisse der noch laufenden Studie.*

Digitalisierung und ESG – what else?

Es mag kaum verwundern, dass über die Hälfte der Consulting-Häuser (52 Prozent) die Themen Digitalisierung und Transformation als Türöffner bei ihren Kunden betrachten. Beides sind „Langläufer“ im Leistungsangebot der Consultants, wenngleich Cyber Security einen hohen Stellenwert einnimmt. In einem Atemzug werden Cloud-Lösungen sowie Big Data und AI genannt (jeweils 6 Prozent). Diese Entwicklung lässt sich im weitesten Sinne auch am Leistungsspektrum der Managementberatungen ablesen: Lag der Anteil von IT-Beratung im Geschäftsjahr 2014 noch bei 6,7 Prozent**, so stieg er bis 2020 sukzessive an auf 13,2 Prozent – eine knappe Verdopplung!

Türöffner-Themen bei Beratungskunden (Grafik: Exklusive Vorabauswertung im Rahmen der Lünendonk®-Studie 2022: Managementberatung in Deutschland.***)

Türöffner-Themen bei Beratungskunden (Grafik: Exklusive Vorabauswertung im Rahmen der Lünendonk®-Studie 2022: Managementberatung in Deutschland.***)

Prozesse generell effizienter zu gestalten und Projekte agil aufzustellen sind Anfragen, die an knapp ein Drittel der Beratungshäuser (32 Prozent) herangetragen werden. Damit rangiert das Thema auf Platz zwei der Kundenagenda.

In der vergangenen Kolumne haben wir uns damit befasst, dass durchschnittlich 13 Prozent aller Consulting-Projekte, die Managementberatungen für ihre Kunden umsetzen, einen ESG-Bezug aufweisen. Über alle Umsatzgrößen hinweg jedoch wird ein höherer Beratungsbedarf verzeichnet: 23 Prozent der Consulting-Häuser treffen mit diesem Thema auf offene Ohren bei ihren Klienten – auch wenn eine signifikante Umsatzsteigerung hier derzeit noch ausbleibt.

Bedarfe im Beratungsfeld Business Recovery und Business Continuity werden von 23 Prozent der Studienteilnehmenden registriert. Dass gerade dem Thema Resilienz an dieser Stelle eine solche Bedeutung zugemessen wird, darf sicherlich auf die andauernde Corona-Krise zurückgeführt werden, die etliche Branchen massiv getroffen hat. Es ist auch denkbar, dass bereits erste Unternehmen die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sowie entsprechender Embargos zu spüren bekommen.

Vor dem Hintergrund der generellen Rohstoffknappheit und wirtschaftspolitischer Sanktionen sowie neuer Regularien gewinnt die Frage von stabilen Lieferketten eine neue Bedeutung.

13 Prozent der Consulting-Häuser setzen sich im Rahmen von Kundenprojekten mit dem Themenkomplex auseinander.

Wo ansetzen? – Die drei Unternehmensbereiche mit dem größten Potenzial

Angesicht dieser Priorisierung wundert es denn auch nicht, dass analog hierzu gerade in den IT-Abteilungen die derzeit größten Möglichkeiten für eine Wert- und Performance-Steigerung gesehen werden. Insgesamt 87 Prozent der Consultants prognostizieren sehr große (45 Prozent) bis große (42 Prozent) Chancen. Neuen Projekten in Produktion und Fertigung wird mit Zustimmung von rund drei Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (17 Prozent sehr große Potenziale; 60 Prozent große Potenziale) die zweitgrößte Bedeutung beigemessen. Logistik und Supply Chain schließlich rangieren auf Platz drei. 70 Prozent der Beratungshäuser sehen hier Möglichkeiten einer Ertragssteigerung (37 Prozent sehr große Potenziale; 33 Prozent große Potenziale).

Unternehmensbereiche mit den größten Potenzialen für Wert- und Performance-Steigerung (Grafik: Exklusive Vorabauswertung im Rahmen der Lünendonk®-Studie 2022: Managementberatung in Deutschland.***)

Unternehmensbereiche mit den größten Potenzialen für Wert- und Performance-Steigerung (Grafik: Exklusive Vorabauswertung im Rahmen der Lünendonk®-Studie 2022: Managementberatung in Deutschland.***)

Was Kunden und Beratungshäuser aus diesen vorhandenen Bedarfen machen, bleibt abzuwarten.

Die Herausforderungen werden sicherlich immer vielfältiger, die Taktung unvorhersehbarer Ereignisse auf weltpolitischer und globalökonomischer Ebene nimmt zu. Für die Berater selbst eine Chance: Ihre Unterstützung wird derzeit so dringend benötigt wie nie.

Anmerkungen:
* Es handelt sich eine Vorab-Auswertung auf Basis eingereichter Teilnehmerdaten im Zeitraum 24.01. bis 12.04.2022. Die hier genannten Werte können daher von den finalen Auswertungsdaten abweichen, die in der offiziellen Lünendonk®-Studie 2022 veröffentlich werden.
** Vgl. Lünendonk®-Studie 2016: Managementberatung in Deutschland.
*** Bitte beachten Sie, dass die hier dargestellten Werte keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben. Es sollen lediglich Tendenzen aufgezeigt und exemplarisch einzelne Aspekte dargestellt werden.

Über Jörg Hossenfelder

Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer - Lünendonk & Hossenfelder
Jörg Hossenfelder ist Kommunikations- sowie Politikwissenschaftler und studierte bis 2000 an den Universitäten Mainz und Bologna. Nach seinem Studium beriet er als Kommunikations-Berater Business-to-Business-Unternehmen. 2004 übernahm er die Leitung der Research-Abteilung bei Lünendonk & Hossenfelder. Seit Juli 2005 ist Hossenfelder Geschäftsführer, seit 2009 Geschäftsführender Gesellschafter. Jörg Hossenfelder verantwortet die Marktsegmente Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Advisory und Business Consulting.

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