PR-Texte in der Unternehmensberatung: Wenn geschlechterneutrale Formulierungen den Lesefluss torpedieren

PR und Marketing

PR-Beraterin Manuela Nikui über das Gendern in Pressemitteilungen und wie ein Lesefluss trotz Gendersternchen und Partizip dennoch gesichert werden kann. Lesen Sie ihre sechs Tipps und Tricks, die Ihnen bei der Formulierung von Pressetexten helfen können.

Straßenschild mit Gendersternchen (Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Anita Bugge/Geisler-Fotopress)

Gendern kann ganz schön anstrengend sein – müssen Sie bei Ihren Texten doch ständig auf der Hut sein, niemandem auf die Füße zu treten. Das blockiert und stoppt den nötigen Flow beim Formulieren. (Bild: picture alliance / Anita Bugge/Geisler-Fotopress)

Da studieren Sie gerade diesen interessanten Bericht in der Wirtschaftszeitung und dann sehen Sie plötzlich Sterne. Keine Sorge, Ihre Augen sind in Ordnung, hier wird lediglich gegendert.

Also liest man dann zum Beispiel nicht „die Teilnehmer“, sondern Teilnehmer*innen, Teilnehmer:innen, Teilnehmer_innen oder Teilnehmer und Teilnehmerinnen, je nachdem, welche Variante bevorzugt wird. Oder es kommt, um alle ins Boot zu holen, eine andere grammatikalische Variante zum Einsatz: Aus Studenten werden im Sinne der Neutralität Studierende, aus Mitarbeitern Mitarbeitende und so weiter.

Die Crux von gender-gesättigten Texten ist jedoch: Es holpert und ruckelt, der Lesefluss ist oft erkennbar gestört. Irgendwann macht es dann keinen Spaß mehr, immer wieder an merkwürdigen Wortgebilden und Zeichen hängenzubleiben. Und manche Konstrukte kommen so technokratisch daher, dass selbst, was als lebendige Beschreibung der Philosophie in der Unternehmensberatung gedacht war, sich plötzlich liest wie ihr Jahresgeschäftsbericht.

Gendern kann also ganz schön anstrengend sein – Müssen Sie bei Ihren Texten doch ständig auf der Hut sein, damit Sie niemandem auf die Füße treten. Das blockiert und stoppt den nötigen Flow beim Formulieren.

Gleichberechtigt: Respekt ist ein starkes Pfund

Sie vermuten es wahrscheinlich schon: Ich mag das Gendern in Texten nicht so sehr – auch wenn gleichberechtigt und auf Augenhöhe grundsätzlich ja eine gute Idee ist. Gendern alleine aber sorgt sicher nicht dafür, dass wir uns in aller Verschiedenheit wieder mit mehr Respekt begegnen. Der nämlich ist meiner Meinung nach eine Frage der inneren Haltung und nicht abhängig von Sternchen oder Doppelpunkten. Und so lange Ungerechtigkeiten wie die geringere Entlohnung von Frauen im Vergleich zum männlichen Pendant im Raum stehen, bleibt das Gendern in Texten ohnehin ein schwaches Werkzeug.

Gut lesbar trotz Sternchen & Co.

Wie dem auch sei: Wenn Sie selbst in der Beratung Pressemitteilungen oder andere PR-Texte schreiben und dabei mit in der Sternchen, Doppelpunkt und Strichen agieren möchten oder müssen: Hier sind ein paar Tipps, damit Ihr Text im Fluss bleibt:   

  1. Formulieren Sie von der ersten Zeile an geschlechterneutral. Damit ersparen Sie sich eine mühsame abschließende Bearbeitung mit diversen Korrekturen und Nach-nach-nach-Korrekturen.  
  2. Werden Sie kreativ und denken Sie über alternative Begriffe nach. Statt Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können Sie auch vom Team sprechen. Lehrkräfte stehen für Lehrer und Lehrerinnen.
  3. Manchmal hilft auch das Partizip, zum Beispiel Studierende statt Studentinnen und Studenten. Je nach Text – sachlich oder eher locker – sollten Sie diese grammatikalische Form aber nicht zu oft verwenden, da sie geballt etwas „steif“ daherkommt und die Sprachmelodie ins Stocken bringen kann.
  4. Es kann auch zum Lesefluss beitragen, wenn Sie nicht durchgängig gendern oder mal die weibliche und ein anderes Mal die männliche Form wählen. So zeigen Sie ein grundsätzliches Gender-Bewusstsein, ohne dass der Text darunter leidet.
  5. Lesen Sie den Text abschließend laut – so lassen sich holprige Stellen oder ein zu viel des Guten in punkto Gendern schnell herausfinden.
  6. Sie kommen trotzdem ins Straucheln? Unter www.geschicktgendern.de finden Sie weitere Tipps und Tricks sowie, alphabetisch geordnet, eine ganze Reihe von Begriffen mit geschlechterneutraler Übersetzung. Auch der Duden weiß auf Rat.

Über Manuela Nikui

Manuela Nikui (Bild: Nikui Kommunikation)
Manuela Nikui, Inhaberin von Nikui Kommunikation. Sie ist spezialisiert auf Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung mit Schwerpunkt auf Unternehmensberatungen. Sie hat über 25 Jahre Erfahrung in der PR und unter anderem für Bain & Company und goetzpartners gearbeitet. www.nikui-kommunikation.de

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