PwC berät PwC beim Kauf einer halben Hochschule

#1Blick vom Consulting-Prof.

Das ist ungewöhnlich: Eine große Unternehmensberatung kauft eine Hochschule. Was ist da passiert und warum ist das bemerkenswert? Prof. Deelmann mit einer kurzen Einordnung.

Thomas Deelmann

Die Beteiligten und der Deal

Die Titel der Pressemitteilungen sind mit Schlüsselbegriffen gespickt. Der Berater schreibt: „Digitaler geht nicht: PwC und DBU setzen auf praxisnahe Lerninhalte in Sachen Digitalkompetenz.“ Die Digital Business University of Applied Sciences sekundiert als Hochschule: „Gemeinsam mit neuem Investor: DBU baut mit PwC die digitalen Bildungsangebote der Zukunft aus.“

Beiden geht es also um Digitalkompetenz, Lernen, ein digitales Bildungsangebot, die Zukunft und Investitionen. Das Vehikel dafür ist der Erwerb von 49,9 Prozent der Geschäftsanteile der DBU durch PwC.

Die Hochschule bietet aktuell verschiedene Bachelor-Studiengänge an zum Beispiel Digital Business Management, Digital Marketing & Communication Management, Data Science & Business Analytics. Das scheinen die ganz typischen Angebote einer Wirtschaftshochschule mit einem Schlag Digitalisierung zu sein. Durch PwC soll nun Expertise in den Bereichen Cyber Security, Digital Ethics und Finance Transformation hinzukommen.

Wechselseitiger Nutzen

Die DBU möchte nach Eigenangaben die Expertise der Berater nutzen, um die Lerninhalte besser auf die Bedürfnisse zukünftiger Arbeitgeber der Studierenden auszurichten. PwC selber sagt, dass von den Weiterbildungsangeboten der DBU auch die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren werden. Ihnen sollen so genannte Microlearnings zur Verfügung stehen, also kleinere Lernhappen, für die eine Berufstätigkeit nicht längerfristig unterbrochen werden muss. Außerdem möchte PwC an der DBU die „digitalen Pioniere von morgen ausbilden“.

Das eine Hochschule Investoren sucht, ist kaum eine Nachricht wert. Gerade der Markt der privaten Wirtschaftshochschulen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hart umkämpft. Die Information, dass Beratungs- und Prüfungshäuser intensiv in Personalentwicklung investieren, lockt ebenfalls niemanden hinter dem Ofen hervor – teilweise große, eigene Schulungszentren und ausgeklügelte Curricula, die auf unterschiedliche Karrierelevel ausgerichtet und angepasst sind, zeugen von der vorhandenen Professionalität.

Hinter der Partnerschaft: Verschiedene Erklärungsversuche

Interessant ist die Beteiligung aber, da sie in dieser Konstellation ein Novum darstellt und sich verschiedene Fragen zur Motivation aufdrängen:

  • Braucht die Hochschule PwC tatsächlich als verlängerten Marktforschungsarm, um zu erkennen, welche Skills benötigt und nachgefragt werden?
  • Sieht der Beratungs- und Prüfungsriese die DBU als lohnendes (Finanz-) Investitionsobjekt?
  • Ist PwC vielleicht ein versteckter Vertriebsarm, um an neue Studierendengruppen, die sich aus den PwC-Kunden rekrutieren, herantreten zu können?
  • Dient die Hochschule als Nebentätigkeitsspielplatz (oder gar Ruhesitz) für erfahrene und verdiente Seniorberater und Partner?
  • Steigt PwC selber in den tertiären Ausbildungsmarkt ein, um den Eigen- oder gar Fremdbedarf an Berufseinsteigern zu decken?
  • Probiert die Beratung neue Wege aus, um die circa 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inhaltlich passgenau und dabei orts- und zeitunabhängig fortgebilden zu können?

Fairerweise: Die mit den ersten fünf Fragen aufgeworfenen Szenarien klingen nicht sehr plausibel. Das letzte Szenario hingegen schon etwas mehr und es stellt zudem einen mutigen Schritt dar. Denn die Chance ist hier gegeben, mit neuen Lernformaten zu experimentieren und sie dann im Erfolgsfall auch intern und im großen Stil zu nutzen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Kauf einer Hochschule durch ein Beratungs- und Prüfungshaus nicht mehr ganz so weit hergeholt. Dieses Vorgehen kann zwar nicht allen Beratungen zur Nachahmung empfohlen werden – jedoch zur Beobachtung, um dann eventuell von den Erfahrungen zu profitieren und die eigene Personalentwicklungsstrategie anzupassen!

Nachsatz

Und bevor es untergeht: Ja, der Titel ist korrekt – PwC hat PwC beim Kauf der Anteile beraten. Konkret war es die PricewaterhouseCoopers Legal AG Rechtsanwaltsgesellschaft, welche die PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei der Due Dilligence und den Vertragsverhandlungen unterstützt hat. Ersteren war es eine Meldung wert.

Über den Autor

Professor Thomas Deelmann arbeitet seit über 20 Jahren als, mit, für und über Berater. In seiner CONSULTING.de-Kolumne kommentiert er Marktentwicklungen aus der Vogelperspektive und schaut hinter die Kulissen der Arbeit von Beratern und ihren Kunden. Er lehrt an der HSPV NRW, twittert @Ueber_Beratung, berät bei strategischen Fragen und ist unter anderem Herausgeber des Handbuchs der Unternehmensberatung.

Veröffentlicht am: 02.07.2020

 

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