Recruiting für eine mittelständische Unternehmensberatung – Mission Impossible?

Recruiting

Zunehmend häufig kommt das Recruiting in der Beratung einer Mission Impossible gleich. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmensberatungen stellt sich die Frage, wie man sich im Wettkampf um die besten Beratungstalente mit den großen Beratungen behaupten kann. Doch wie sagte schon Ethan Hunt im sechsten Teil von Mission Impossible: „Es ist erst vorbei, wenn wir sagen, dass es vorbei ist.“ „Challenge accepted!“ – Norbert Kauer, Geschäftsführer von acterience management partners, beschreibt in seinem Beitrag, mit welcher Strategie er die Herausforderung meistern will.

Norbert Kauer, Geschäftsführer von acterience management partners

Frei nach der Filmreihe von und mit Tom Cruise bin ich eines morgens auf meine für Recruiting verantwortliche Mitarbeiterin zugegangen: Joana, deine Mission in diesem Geschäftsjahr – solltest du sie annehmen – lautet:

"Finde im laufenden Jahr zehn neue Berater und Beraterinnen, mindestens vier davon sollten bereits Beratungserfahrung in unseren Branchen haben, und wenn möglich, auch noch von einer renommierten Beratung kommen."

So ähnlich hört sich die Mission eigentlich fast jedes Jahr an. Bisher konnten wir diese auch immer annähernd erfüllen, aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger.

Warum wird das Recruiting in der Beratung immer schwieriger?

Warum es immer schwieriger wird, verdeutlicht folgendes Beispiel:

Zu Beginn des Jahres habe ich spaßeshalber bei einer bekannten Jobplattform die Suchbegriffe „Consulting“ und „München“ eingegeben und nahezu 4.000 Treffer erhalten. Die Suche kann man in zeitlichen Abständen wiederholen – die Trefferanzahl bleibt in einer ähnlichen Größenordnung.

Was wurde mir dabei bewusst? Wenn wir von acterience unsere Anzeigen von zwei auf vier verdoppeln, bringt das wenig. Die großen Unternehmensberatungen haben dutzende Annoncen online oder nutzen Flatrates und unsere Sichtbarkeit sinkt gen null. Budget spielt eben manchmal doch eine Rolle.

Recruiting in der Unternehmensberatung ist Chefsache

Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar – Recruiting ist Chefsache!

Das heißt aber nicht, dass ich die Anzeigen jetzt selbst konzipiere oder aufgebe, sondern dass wir andere, ja neue und zusätzliche Wege gehen müssen. Die Anzeigen werden bleiben, wir werden uns jedoch noch stärker um unser Branding kümmern.

Was können wir tun?

  • Employer Branding machen wir – die anderen auch.
  • Wir haben Podcasts – die anderen auch.
  • Active Sourcing machen wir – die anderen auch.
  • Videos drehen wir – die anderen auch.
  • Also doch eine Mission Impossible?

Was beim Duschgel funktioniert, könnte auch beim Recruiting im Consulting funktionieren

So komisch das im ersten Moment klingen mag, aber auf die eigentliche Idee, den differenzierenden Faktor, sind wir nicht durch einen Workshop gekommen, sondern über meine damals 12-jährige Tochter – ohne, dass sie das weiß.

Hintergrund der Geschichte ist folgender: Ich stand bei uns zuhause im Bad und habe mich mal wieder über die Unordnung geärgert, die drei Kinder so hinterlassen können. Doch mir viel auch etwas anderes auf: am Badewannenrand stand eine Reihe an Duschgelen in unterschiedlichen Variationen, jedoch alle von ein und derselben Marke, die mir völlig unbekannt war.

Beim gemeinsamen Abendessen habe ich das Thema Duschgelsammlung direkt angeschnitten und meine Tochter berichtete freudestrahlend, dass sie erst heute wieder drei neue Sorten gekauft hatte. Als Schwabe habe ich natürlich sofort nach dem Preis gefragt und war nach der Antwort schockiert. Wow, dachte ich – meine Tochter bekommt zu viel Taschengeld.

Ich fragte, woher sie diese Duschgelmarke kennen würde.

Die Antwort: Über eine Influencerin.

Wo ist der differenzierende Faktor, der berühmte USP?

Kurze Zeit später habe ich in einem Workshop bei acterience diese Geschichte erzählt. Natürlich haben auch wir den einen oder anderen Social Media affinen Mitarbeiter, der die Posts von acterience liked und kommentiert. Aber mir war klar, dass das allein nicht reichen würde und wir unsere Social Media Aktivitäten weiter ausbauen müssen, um mögliche Bewerber und Bewerberinnen schon vor der Anzeige auf uns aufmerksam zu machen.

Doch wie funktioniert das?  

Unternehmensberater sind ja typischerweise diejenigen, die sich am wenigsten externe Hilfe von Profis holen – ich gebe zu, dass wir da nicht anders sind.

Aber mit Mitte 50 in den Social Media Bereich abtauchen … schwierig.

Nach einigen Recherchen wussten wir, was wir wollten.

Menschen vertrauen und kaufen von Menschen, nicht von Organisationen oder Unternehmen. Auf acterience gemünzt heißt dies, dass ich als Gründer meine Geschichte, die Geschichte unserer Firma, meine Gedanken und Ansichten nach außen tragen muss, um wahrgenommen zu werden.

Die Menschen sollen mich „kennenlernen“ und damit auch einen authentischen Einblick hinter die Kulissen von acterience erhalten. Die Idee des Personal Brandings war geboren.

Aber ist das tatsächlich ein USP?

Ich meine ja. Natürlich können auch die großen Unternehmensberatungen ein Personal Branding etablieren, aber bei acterience werden zukünftige Mitarbeiter sicher auf mich treffen – bei den großen Beratungen eher ungewiss, wenn ein Partner von vielen seine Personal Brand etabliert.

„Desperate times, desperate measures.“

sagte Ethan Hunt in Rogue Nation.

Wir haben uns Profis an Bord geholt, eine Marke entwickelt und sind im November 2021 gestartet. Wichtig ist für mich, dass ich die Posts selbst schreibe, um authentische Einblicke zu gewähren. Anfangs ist das Schreiben ein größerer Aufwand und auch etwas holprig, weil Berater ja alles immer zu 100% machen wollen. Aber ich lerne ständig dazu und werde besser.

Erste Reaktionen und Ergebnisse sind vielversprechend. Ich habe mein Netzwerk stark erweitert und viele interessante Kontakte geknüpft. Auch das ein oder andere persönliche Gespräch war dabei. Letztlich bringt mich jeder Austausch nach vorn.  

Und ich bin überzeugt, dass es auch einen Effekt auf unser Recruiting haben wird. Wie stark dieser sein wird, wird sich zeigen. Wichtig sind Kontinuität und Geduld.

Es ist eben ein weiterer zusätzlicher Baustein, um die Mission Impossible auch in den kommenden Jahren erfolgreich zu erfüllen.

Hoffentlich kann Joana am Ende des Jahres 2022 sagen: Mission accomplished.

 

Wenn du acterience bei der Mission unterstützen möchtest, findest du hier nähere Informationen zu den Einstiegsmöglichkeiten.

 

Über Norbert Kauer

Norbert Kauer studierte BWL in Würzburg und UK. Danach ging es für ihn in die Beratung, angefangen bei Accenture, gefolgt von Q_PERIOR. In den 15 Jahren beriet er überwiegend Kunden aus dem Insurance Bereich. 2012 gründete Norbert Kauer gemeinsam mit Markus Barnet und Markus Pollinger acterience management partners. Er verantwortet den Insurance Bereich und ist nach wie vor selbst als Berater und Projektleiter im Einsatz. Intern ist er für Recruiting und die Aus- und Weiterbildung der Consultants zuständig.

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