Sind berufliche soziale Netzwerke ein gutes Geschäft? Ein Blick in die Bilanz von Xing

Blick in die Bilanz: CONSULTING.de-Kolumne von Bert Erlen

In der CONSULTING.de-Kolumne "Blick in die Bilanz" nimmt sich Bert Erlen Unternehmen unterschiedlicher Branchen vor. In dieser Ausgabe das berufliche Netzwerk Xing: Wie viele Nutzer haben sie? Sind sie profitabel? Und wie ist es um ihr Wachstum bestellt?

Berufliche soziale Netzwerke (Bild: GDJ - pixabay)

Sind Sie bei Xing? Oder LinkedIn? Oder beiden? Das ist gar nicht unwahrscheinlich, denn die Nutzerzahlen sind enorm, und als Instrument zum beruflichen Eigenmarketing sind diese beiden sozialen Netzwerke unverzichtbar.

Aber verdienen die Netzwerke auch Geld? Wie erfolgreich sind sie, und vor allem: wachsen sie? Wir schauen in die Bilanzen, heute in den Jahresabschluss der New Work SE, der Betreiberin der Plattformen Xing und des Expatriates-Netzwerks InterNations.

Die Hauptwährung: Nutzerzahlen

Xing ist ein Zwerg im Gegensatz zu LinkedIn, aber ein durchaus erfolgreicher. Die Muttergesellschaft New Work SE erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 235,1 Millionen Euro, das waren immerhin 25% mehr als im Vorjahr. Und auch in den Jahren davor ist der Umsatz jedes Jahr um mindestens 20% gestiegen. Das korreliert mit den Nutzerzahlen: Ende 2018 waren 16,4 Millionen Menschen mit ihrem beruflichen Profil bei Xing registriert, nach einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 18% in den Jahren davor. Und da Nutzerwachstum die Hauptwährung für eines sozialen Netzwerks ist, scheint es gut zu laufen.

Xing hat sich vor einigen Jahren bewusst dafür entschieden, seine Dienste nur im deutschsprachigen Raum anzubieten, weil LinkedIn international zu dominant geworden war. Die finanzielle Ausstattung auf dem Venture Capital-Markt hätte nicht gereicht, ebenso aggressiv zu wachsen. Und das Nutzerwachstum zeigt, dass man international nicht der Größte sein muss, um trotzdem neue Kunden anzusprechen. Vielleicht ist die deutschsprachige Nische ja gar nicht schlecht.

LinkedIn wächst ebenfalls zweistellig, so dass mittlerweile 675(!) Millionen Nutzer ein Profil dort haben. Also andere Dimensionen als Xing, aber eben auch ein globaler Fokus. In den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz sind es tatsächlich etwas weniger als bei Xing, 14 Millionen Profile. In dem Wettbewerbsumfeld bleibt es daher spannend, ob Xing sein Geschäftsmodell aufrechterhalten und weiterwachsen kann. Denn das Geschäft mit den Sozialen Medien ist ein flüchtiges, es kann sehr schnell von einem neuen Netzwerk überholt werden. Wir erinnern uns noch schemenhaft an StudiVZ oder MySpace, wir werden also sehen ...

Ist Xing profitabel?

Xings großer Schatz sind die über 16 Millionen Nutzer. Sie zu Geld zu machen, ist Zweck und Ziel der Plattform-Strategie. Dabei verdient die New Work SE ihr Geld mit Privatkunden und Firmenkunden. Die Privatkunden sind die zahlenden Premium-Mitglieder, die operative Gewinnmarge vor dem Abzug von Abschreibungen, Zinsen und Steuern EBITDA scheint hier mit 39 Prozent und im Vorjahr sogar 48 Prozent sehr auskömmlich. Und auch die beiden anderen Segmente sind sehr profitabel. Im sogenannten B2B E-Recruiting, dort zahlen Unternehmen für den Bewerberzugang und das Bewerbermanagement, liegt die EBITDA-Marge gar bei 65 Prozent und in dem kleineren Segment Marketing Solutions and Events (Werbeerlöse und Ticketverkäufe) bei immerhin 32Prozent.

Die Abschreibungen, die Zinsen und die Steuern sind zwar noch nicht in diesem operativen Ergebnis enthalten und allein die Abschreibungen sind mit 29 Mio. Euro hoch, kein Wunder bei dem hard- und softwareintensiven Geschäft. Als EBIT-Marge vor Zinsen und Steuern bleiben aber immer noch 19,6 Prozent übrig und das ist einiges mehr, als man mit Autos (idealerweise 6-12 Prozent) oder im Einzelhandel (meist unter 4 Prozent) verdienen kann.

Konzern-Gesamtergebnisrechnung Xing

Damit verdient die New Work SE nicht schlecht in ihrer deutschsprachigen Nische. Als Vergleichsgröße ist die LinkedIn-Gewinnmarge leider nicht bekannt, da Microsoft die Zahlen nicht separat ausweist. Im letzten unabhängigen Jahr 2015 war sie mit -5 Prozent aber negativ, und man kann sicher davon ausgehen, dass die internationale Expansion auch weiterhin eine Menge Geld kostet.

Weitaus besser verdienen übrigens Facebook mit Instagram und WhatsApp und die Google-Mutter Alphabet. Beide hatten 2017 eine unglaubliche Gewinnmarge von 50 Prozent und mehr. Wahnsinn!

Und was sagt der Aktienkurs von Xing?

Xing braucht sich als regionales Netzwerk aber mit seiner Profitabilität vor den Großen nicht zu verstecken. Und für die Eigentümer das Wichtigste: In den letzten Jahren gab es eine stetig steigende Dividende von zuletzt 2,14 Euro pro Aktie. 2019 werden nochmal zusätzlich 3,56 Euro als Sonderdividende draufgelegt.

Entwicklung der Xing-Aktie von 02/2019 bis 02/2020; Screenshot von www.onvista.de [abgerufen am: 17.02.2020]

Die hohe Dividende wird übrigens erklärbar, wenn man sich den Aktienkurs anschaut: Im Jahresvergleich ist die Aktie so gut wie nicht gestiegen. Da muss das Management für die Anleger etwas Rendite drauflegen, was dank des auskömmlichen Free Cashflows kein Problem war.

Auf zu neuen Ufern

New Work macht mit diesen Zahlen den Eindruck eines sehr gut geführten und finanziell solide aufgestellten Unternehmens. Einziges Fragezeichen: Wie lange noch? Denn das Nutzerwachstum kommt mittlerweile an sein Ende und Xing muss neue Geschäftsfelder auftun. Es bleibt also spannend.

Xing wurde 2003 als soziales Netzwerk für berufliche Kontakte von Lars Hinrichs gegründet. Das mittlerweile als New Work SE firmierende Unternehmen ist heute im SDAX börsennotiert und hat eine Marktkapitalisierung von 1,968 Mrd. Euro. Etwas über 50% der Anteile gehören zum Burda Medienkonzern.

Quellen:

Weiterführende Links:

Bert Erlen, Unternehmercoach, Managementtrainer und Blogger
 Bert Erlen begeistert Führungskräfte für unternehmerisches Denken und Handeln und erleichtert die Kommunikation zwischen Controllern und Führungskräften in Unternehmen. Er ist zertifizierter Unternehmercoach, langjähriger Managementtrainer für Finanzielle Führung und Blogger zum Thema Kennzahlenanalyse. Sein Fokus ist die nachhaltige Unternehmensführung als Kombination aus konsequenter Renditeorientierung, fundierter Kundenorientierung und ausgewogener Mitarbeiterorientierung.

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