Tesla – ein einzig großer Business Case

Blick in die Bilanz: CONSULTING.de-Kolumne von Bert Erlen

In der CONSULTING.de-Kolumne "Blick in die Bilanz" nimmt sich Bert Erlen Unternehmen unterschiedlicher Branchen vor. In dieser Ausgabe der US-amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla: Welche Strategie fährt Elon Musk? Alles leere Versprechen oder steckt da was dahinter?

Tesla - ein eniziger großer Business Case (Bild: Blomst - pixabay)

Tesla! Mit vielen Führungskräften spreche ich darüber und wirklich alle haben eine Meinung dazu. Meist heißt es (in Deutschland): Na ja, das geht auch vorbei! Gegen die geballte Ingenieurskompetenz der deutschen Autobauer werden die langfristig nicht ankommen. Außerdem sind Batterien höchst umweltschädlich!

Und was denken Sie? Irgendwie dreht sich gerade der Wind, oder? Ich finde es auf jeden Fall sehr beeindruckend, mit welcher Konsequenz Elon Musk das Wachstum forciert und schon über Jahre die etablierten Autobauer vor sich hertreibt. Lassen Sie uns auf die Zahlen schauen.

Tesla ist eine Wette auf die Zukunft

Denn Tesla ist ein einziger großer Business Case. Wie bei jedem Business Case wird zunächst viel Geld investiert und die Geldgeber hoffen, dass sich die Investitionen irgendwann auszahlen und das Geld mit ordentlicher Rendite zurückgezahlt wird. Bei Tesla ist es aber noch ein weiter Weg.

Free Cashflow in Milliarden US Dollar

In den letzten zehn Jahren wurden 13 Milliarden Doller investiert, das ist die Summe der veröffentlichten Investitions-Cashflows. Bis auf die letzten beiden Jahre waren die operativen Cashflows negativ, so dass von den 13 bisher nur drei Milliarden zurückgeflossen sind. Erst im letzten Jahr war der Free Cashflow zum ersten Mal positiv, viele Investoren werden also noch lange auf ihr Geld warten.

Und sie haben Geduld. Der strategische Weg von Tesla entspricht genau dem, was Elon Musk seinerzeit angekündigt hat: Mit dem Roadster wollte Tesla zeigen, dass die Firma überhaupt Autos entwickeln kann. Das Model S war und ist ein Statement an den Markt, es soll die Kunden begeistern und die Konkurrenten das Fürchten lehren – was ja beides funktioniert. Mit dem Model 3 will man nun ein ernstzunehmender Automobilhersteller werden, der durch Skaleneffekte konkurrenzfähige Preise bieten kann. 

Damit erobert Tesla hoffentlich den Massenmarkt und wird profitabel. Dieser Weg ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und konsequent. Er dauert halt nur länger als geplant. Damit die Investoren die Lust nicht verlieren, werden zwischendurch immer mal wieder neue Business Cases wie der Cybertruck oder der Elektro-LKW oder ein neues Werk im Autoland Deutschland mit großem Brimborium an den Start gebracht.

Wie performt Tesla an der Börse?

Mit dem Kauf einer Aktie kauft ein Aktienanleger die Hoffnung auf steigende Kurse, insbesondere auch bei Tesla. Diese Kurssteigerungen basieren auf Zukunftsversprechen, die in Form von Business Cases in Zahlen gegossen werden und mit viel Hoffnung aufgeladen sind. Hier sehen Sie den Kursverlauf der Tesla-Aktie seit ihrem Börsengang 2010. Man erkennt gut: Jedes neue Versprechen hat den Kurs nach oben getrieben, jeder Rückschlag nach unten.

Kursverlauf der Tesla-Aktie seit dem Börsengang 2010; Screenshot von www.onvista.de [abgerufen am: 25.02.2020]

Oder man kann auch sagen: Das Management hat es gut verstanden, auf dieser Klaviatur zu spielen, um den Börsenkurs immer im Gespräch zu halten.

In 2018 gab es eine Phase, in der Investoren das Management offenbar zunehmend mit der Frage konfrontierten, wann sich die Investitionen auszahlen werden. Diese Unsicherheit ist an dem schwankenden Börsenkurs gut erkennbar. In dieser Phase hat Tesla sehr mit der Entwicklung der Massenproduktion in seinen Giga-Factorys zu kämpfen gehabt. Aber die Rückschläge scheinen ausgeräumt und nun haben die Fans wieder die Oberhand. 

Dass der Kurs allerdings in den letzten Wochen so nach oben schießt, deutet zwar stark auf Spekulanten ihn. Aber gleichzeitig scheint im Moment auch der Business Case wieder zu funktionieren, die nächste strategische Stufe der Serienproduktion scheint erreicht.

Aus dem Vergleich des Aktienkurses mit der Business Case-Performance in Form der Free Cashflows kann man erkennen, dass es nicht nötig ist, das Investitionsversprechen auch tatsächlich einzulösen. Tesla muss es nur aufrechterhalten und immer wieder anheizen, dann geht der Kurs nach oben. Schließlich gibt es für jeden Käufer auch einen Verkäufer, der vielleicht schon seinen Schnitt gemacht hat. Die Rally kann also weitergehen, wenn es weiterhin gute Zukunftsversprechen gibt.

Die Zukunft von Tesla

Tesla ist noch immer ein Zwerg im Automobilgeschäft. Volkswagen verkauft 30 mal mehr Fahrzeuge. Aber Teslas Umsatz und damit der Absatz steigt: seit 2010 verdoppeln sich die Dollar-Umsätze jedes Jahr. Es ist daher verständlich, dass Tesla neue Fabriken und auch immer mehr gut ausgebildete Fachkräfte braucht – die es im Autoland Deutschland gibt.

Anzahl verkaufter Autos von VW und Tesla

Tesla schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle. Die Verkaufszahlen steigen, die Produktion läuft offenbar verlässlich und verspricht zunehmende Effizienzgewinne. Und es gibt einen wichtigeren weiteren Aspekt: Tesla speichert seit Beginn alle Fahrdaten in seinen Fahrzeugen, so dass die Firma über einen riesigen Datenschatz zum Verhalten von Autofahrern, anderen Verkehrsteilnehmern und der Straßeninfrastruktur verfügt. Diese Daten sind für das Zeitalter des autonomen Fahrens Gold wert.

Es bleibt eine offene Wette!

Tesla wurde 2003 von Elon Musk mitgegründet und beschäftigt heute 48000 Mitarbeiter. Tesla fertigt Autos und Batterien in vier „Gigafactory“ genannten Herstellungswerken. In den letzten Wochen ist der Aktienkurs förmlich in die Höhe geschossen, was man allerdings auch auf Notkäufe von Aktienspekulanten zurückführt, die Marktkapitalisierung beträgt 147 Milliarden US-Dollar. Der von 2008 bis 2012 gebaute Roadster war das weltweit erste elektrisch betriebene Serienfahrzeug. Im Bereich der reinen Elektrofahrzeuge führt Tesla die Verkaufslisten weltweit an.

Quellen:

Weiterführende Links:

Bert Erlen (Bild: Bert Erlen)
Bert Erlen, Unternehmercoach, Managementtrainer und Blogger
 Bert Erlen begeistert Führungskräfte für unternehmerisches Denken und Handeln und erleichtert die Kommunikation zwischen Controllern und Führungskräften in Unternehmen. Er ist zertifizierter Unternehmercoach, langjähriger Managementtrainer für Finanzielle Führung und Blogger zum Thema Kennzahlenanalyse. Sein Fokus ist die nachhaltige Unternehmensführung als Kombination aus konsequenter Renditeorientierung, fundierter Kundenorientierung und ausgewogener Mitarbeiterorientierung.

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