Agilität ist kein Allheilmittel

Edgar Ehlers

Dass Unternehmen aufgrund steigender Komplexität und hoher Veränderungsgeschwindigkeit der Märkte zur Steigerung ihrer Reaktionsfähigkeit immer öfter auf agile Methoden zurückgreifen, ist kein neues Phänomen. Verantwortliche entdecken zunehmend neue Chancen und wollen sie mit agiler Energie sofort nutzen. Dennoch ist Vorsicht geboten: Als zweckdienliches Mittel hilft der Ansatz vielen Firmen. Agilität als Heilsbringer zu betrachten, funktioniert dagegen nicht. Größte Wichtigkeit bekommt das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.

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Agile Methoden = agiles Unternehmen?

Die Verwendung agiler Methoden kreiert noch lange kein agiles Unternehmen. Changement zeichnet sich vor allem durch teamorientiertes Arbeiten und nicht durch Befehl erteilen von ganz oben aus. Oder anders formuliert: Ein Unternehmen zu agilisieren bedeutet, Mannschaftssport zu betreiben und nicht, in Einzeldisziplin zu starten.

Emergenz als Schlüsselfaktor

Hier tritt der in diesem Zusammenhang wichtige Begriff der Emergenz auf den Plan. Aus dem Lateinischen übersetzt Auftauchen oder Herauskommen, bezeichnet der Ausdruck die Möglichkeit der Herausbildung neuer Eigenschaften eines autonomen Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Ein einfaches Beispiel aus der Biologie macht den Mechanismus deutlich: Einzelne Wassermoleküle ergeben zusammen Wasser und haben nach dieser Fusion eine neue Eigenschaft, die sie vorher einzeln nicht besaßen: Sie sind nass. Auf die Agilität bezogen bedeutet das: Werden Unternehmen und Teams umstrukturiert, ergibt sich daraus mehr als die Summe neu organisierter Menschen. Das heißt aber auch, Agilität kann nur dann wirken, wenn sich nicht nur einzelne daran beteiligen. Nur wenn alle Betroffenen an der Umstellung mitarbeiten, zeigen die agilen Methoden ihre Wirkung und es bilden sich neue Strukturen und Synergien.

Potenziale Nutzen

Agil erfolgreiche Unternehmen setzen auf hohe Vernetzung sowie Partizipation und Interaktion der Mitarbeiter. In diesem Zuge verändern sich Strukturen in der Zusammenarbeit, Rollen und Verantwortungsbereiche. Agilität reduziert Hierarchien, verändert Führungsprinzipien und bringt die Unternehmensleitung auf Augenhöhe. Entscheider suchen Verantwortliche dort, wo sich aktuell Fachwissen befindet. Stetige Veränderung ist deshalb Teil des Prozesses. Große Wichtigkeit kommt daher der Identifikation und Einsetzung von versteckten Potentialen und Fähigkeiten zu. Viele Unternehmen nutzen nur einen Bruchteil des vorhandenen Potentials, weil es keine Bestrebungen gibt, unentdecktes Leistungsvermögen aufzuspüren.

Agile Organisationen = emergente Systeme

Dabei schreibt Emergenz grundlegende Struktur vor. Agile Entscheider betrachten Organisationen immer aus systemischer Sicht. Systeme bestehen aus Elementen, die in einem ganzheitlichen Zusammenhang zueinander stehen und sich gegenseitig durch Wechselwirkungen bestimmen. Aus der Zusammenarbeit aller Charaktere mit unterschiedlichen Kompetenzen und der zusammengefassten verschiedenen Fähigkeiten der Mitarbeiter entsteht ein Team, das in seiner Gesamtleistung die Summe der Einzelleistungen übertrifft. So entstehen erfolgreich neue Energien, die dem gesamten Unternehmen zugutekommen. Die agilen Methoden beschleunigen Firmenprozesse und tragen maßgeblich zum Wachstum bei. Allerdings nur, wenn alle an einem Strang ziehen.

Zum Autor

Edgar Ehlers hat jahrelange Erfahrung im Umgang mit Agilem Coaching. Ein Master in systemischer Beratung und über 100 zertifizierte Aus- und Weiterbildungen im Bereich Systemische Beratung, Scrum, Agile Kompetenz, gewaltfreie Kommunikation, Psychologie, NLP und Personalentwicklung bilden ein ungewöhnlich vielfältiges Fundament für ein von Klarheit und Respekt geprägtes Coaching und Training nah am Menschen. Vor allem systemisch-konstruktivistische Ansätze prägen die Arbeit des gelernten Profilers und Versicherungsfachwirts. In Unternehmen wie Telekom und Porsche Digital implementiert er agile Werte und sorgt dafür, dass Firmen nicht von der Digitalisierung abgehängt werden. Neben seiner Coachingtätigkeit bildet er auch selbst Nachwuchs aus und schult Scrum Master.

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