Was denn nun? Maske auf oder Maske ab?

Kniggewissen für Consultants

Gelten die AHA Regeln nicht mehr? Ist die Corona-Pandemie vorbei? Jetzt wo an vielen Stellen Lockerungen vorgenommen werden, stellt sich Kniggecoach Sabine Lansing die Frage, wie man in der Übergangszeit zwischen Pandemie und New Normal mit der neuen Freiheit im Business umgehen sollte.

Maske bei Telekom Hauptversammlung (Bild: picture alliance / SVEN SIMON | Anke Waelischmiller/Sven Simon)

Noch mit oder schon wieder ohne Maske? Auch bei der Hauptversammlung der Telekom stellte sich diese Frage bei Dominique Leroy, Prof. Dr. Ulrich Lehner und Timotheus Höttges. (Bild: picture alliance / SVEN SIMON | Anke Waelischmiller/Sven Simon)

Wie einfach war es, als wir die AHA Regeln hatten. Jeder wusste mehr oder weniger, wie die Regeln zum Maske tragen und zum Abstand waren. Und nun, am Wochenende dachte ich: Ok, es gibt kein Corona mehr: Menschenansammlungen im Fußballstadion, beim Stadtfest, Menschen, die sich umarmten, beieinanderstanden ohne Maske … Ist das jetzt gut oder nicht? Die Frage kann und will ich hier und heute gar nicht beantworten, denn die Antwort ist nicht eindeutig zu beantworten.

Bedeutet es Freiheit oder Unwohlsein?

Manche Menschen haben die Abschaffung der Regeln herbeigesehnt und fühlen sich nun wieder frei und wohl. Die Anderen fürchten den Anstieg der Infektionszahlen und bekommen beim Anblick Unmaskierter ein ungutes Gefühl. Sicherlich haben beide Gruppen gute Gründe und genau darum geht es in dieser Kolumne.

Wir können die neue Situation mit Regeln klären, um so zu entscheiden, wie es „richtig“ ist, oder wir können dem Grundgedanken von zeitgemäßen Umgangsformen folgen, um einen Umgang mit dieser Situation zu finden.

Können wir es mit Regeln regeln?

Wenn wir uns nach Regeln richten, dann entscheidet z. B. der Gastgeber über das Hausrecht. Ein Unternehmen kann auf das Tragen von Masken bestehen. Mit dieser Regel ist die Situation geklärt.

Und Klarheit ist genau das, was uns Menschen ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

Doch wie gehe ich damit um, wenn in einem Unternehmen keine klare Regelung getroffen wurde. Ich als Dienstleister keine Maske mehr tragen muss. Kein Problem, wenn ich darauf sowieso gerne verzichten möchte, aber was ist, wenn ich genau mit „Maske muss nicht getragen werden“ Probleme habe?

Was mache ich in gemischten Teams, in denen es keine einhellige Meinung zu diesem Thema gibt? Maske auf oder ab?

Jetzt könnte man sagen: Der Ranghöhere entscheidet. Das könnte man mit gutem Willen als Knigge-konform ansehen. Kann man das wirklich?

Nein, denn dieses ist ein sensibler Bereich, es geht um das Wohlfühlen und die eigene Gesundheit. Hier steht die persönliche Entscheidung über der vorgegebenen, aber nur in eine Richtung: Ich kann als Einzelner nicht sagen: Ich verzichte auf das Tragen einer Maske, wenn es eine Vorgabe zum Tragen gibt. Aber ich kann Maske tragen, wenn keine Trage-Pflicht besteht.

Was auch hier zählt, ist Kommunikation

Bin ich in einem Umfeld, in dem auf das Maske-Tragen verzichtet wird, ich mich ohne aber unwohl fühle, so sollte ich es ansprechen. Zum Beispiel: „Ich kann verstehen, dass nicht jeder gerne Maske getragen hat und froh ist, sie ablegen zu können, aber ich möchte bis auf Weiteres nicht darauf verzichten.“

Sie sind froh, die Maske nicht mehr tragen zu müssen? Dann freuen Sie sich über die neue Regelung, aber bitte akzeptieren Sie den Wunsch Ihres Gegenübers, wenn dieser seine Maske aufbehält.

Kommentare wie: „Stell Dich nicht so an.“, sind nicht nur unhöflich, sondern helfen nicht dabei, die Unsicherheit, die diese Ausnahmesituation geschaffen hat, aufzulösen.

Können wir endlich wieder Nähe zulassen?

Es verwundert Sie jetzt sicher nicht, dass es zum Abstand ein Äquivalent gibt, oder?

In Zeiten der AHA-Regeln gab es in meinem Umfeld mehrheitlich die Meinung: Den Abstand von 1,5 Meter könne man gerne beibehalten.

Geht es Ihnen auch so? Es gab immer schon ein Nord-/Südgefälle beim Abstand: Je weiter man ich in den Norden kam, umso mehr schätzt man den Abstand. Doch seit der Pandemie ist auch im Süden eine deutliche Zunahme von „Abstandshaltern“ zu spüren.

Gehen Sie auch in Zukunft aufmerksam mit Ihrem Gegenüber um, um zu vermeiden, dass dieser sich von Ihrer Gegenwart auf die „Pelle“ gerückt fühlt.

Auch der Handschlag wird bei den meisten Menschen noch nicht wieder üblich sein. Hier kommt allerdings eine alte Regel zum Tragen:

„Der Ranghöhere entscheidet, ob er Ihnen die Hand reicht.“

Hier können Sie sich entspannt zurücklehnen und warten, wie Ihr Kunde oder Vorgesetzte reagiert.

Sie möchten den Handschlag vermeiden?

Ihr Kunde freut sich, Sie endlich wiederzusehen und reicht Ihnen die Hand? Sie möchten dieses Ritual vermeiden? Überlegen Sie im Vorfeld, wie Sie mit so einer Situation umgehen wollen. Eine angebotene Hand abzulehnen gilt als grobe Unhöflichkeit.

Eine Möglichkeit ist es, gleich beim Aufeinander zugehen genau dieses anzusprechen: „Ich würde Ihnen jetzt so gerne die Hand reichen, aber aus bekannten Gründen halte ich mich noch zurück. Vielleicht ist das ja beim nächsten Mal wieder möglich.“

Fazit

Mehr denn je ist hier und heute Verständnis und Selbstverantwortung gefragt und ein großes Maß an Sensibilität.

Ich wünsche uns allen, dass wir die Einschränkungen hinter uns lassen können und wieder unbeschwert im Umgang miteinander sein können.

Ihre Sabine Lansing

Über Sabine Lansing

Sabine Lansing
Sabine Lansing ist die Gründerin von ‚Knigge-Wissen‘ und ‚Knigge-Heute‘  und das hat sie im Grunde einer Diebes­bande zu verdanken. 2002 war sie als Schmuckvertreterin in Belgien unterwegs. Im Koffer war Schmuck im Wert von über einer Million Euro – ein lohnendes Ziel. Ausspioniert und nach einer filmreichen Flucht ins sichere Zuhause tat sie das, was sie gut kann: sich neu erfinden. Diesmal allerdings mit etwas weniger Gefahr im Alltag. Sie wurde Karriereberaterin und arbeitet für namhafte Firmen wie Siemens, Thyssen, Vodafone, Adobe und etliche KMUs. Da häufig nicht Fachwissen, sondern der Umgang miteinander Probleme in Unternehmen bereitet, sind zeitgemäße Umgangsformen seit 2004 ihr Schwerpunkt. Sie hilft Menschen dabei, ihre Wirkung und Auftreten zu verbessern. Gepflegtes Benehmen hinterlässt beim Kunden einen guten Eindruck, hilft dabei, Konflikte zu vermeiden und sorgt für persönlichen und unternehmerischen Erfolg. Denn was Sabine Lansing in ihren Jahren im Vertrieb gelernt hat, sind insbesondere zwei Dinge: Mit leichtem Gepäck lebt es sich ungefährlicher. Und zweitens: Knigge-Wissen ist keine olle Kamelle, sondern aktueller denn je. 

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