Darf Facebook Selbstmörder retten?

Netzalarm – Die Digitalkolumne über moralische Grenzen

05.03.2018 von: Prof. Rolf Schwartmann

Es gibt Menschen, die wollen den Zeitpunkt des eigenen Todes selber wählen. Das sind wenige und in den meisten Fällen ist das Äußern von Selbsttötungsabsichten ein Hilferuf. Deshalb setzt man zu Recht alles daran, jemanden am Selbstmord zu hindern. Der Tod ist aber auch ein sehr intimer Vorgang. Nun kümmert sich Facebook um Menschen mit Selbsttötungsabsichten.

Facebook-App (Bild: LoboStudioHamburg - pixabay)

Facebook-App (Bild: LoboStudioHamburg - pixabay)

Jeder ist für Facebook im Zeitpunkt der Anmeldung ein potentieller Selbstmörder und wird überwacht. Wer sich dann irgendwann auffällig schwermütig äußert oder gar von Selbsttötung spricht, wird, ohne nach seinem Einverständnis gefragt zu werden, herausgefiltert und angesprochen. Facebook möchte einerseits helfen, andererseits aber seinen Dienst auch vor unschönen Selbstmordvideos bei Facebook-Live schützen. In Europa ist es rechtlich unzulässig, ungefragt die intimsten Gedanken von Menschen zu sammeln und auszuwerten. Deshalb wird der Algorithmus hier nicht eingesetzt. Die moralische Frage stellt sich weltweit. Soziale Netzwerke beobachten uns und sie werten aus, wie wir leben. Natürlich ist es geboten einen potentiellen Selbstmörder in einer konkreten Situation von seinem Vorhaben abzubringen. Aber ungefragt und ohne Anlass den Kern der Intimsphäre gesunder Menschen mit dem Ziel zu überwachen, den Zeitpunkt ihrer möglichen Selbsttötung abzupassen ist würdelos. Erlaubt ist ein so intimer Eingriff nur, wenn man ihn Facebook ausdrücklich gestattet. Das ist moralisch so, vor allem aber unserer Rechtslage entsprechend. 

Dieser Beitrag wurde zuerst im Kölner Stadt-Anzeiger und EXPRESS veröffentlicht.

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