Datenschutz in der Consultingbranche

Professor Dr. Rolf Schwartmann im Interview

Datenschutz ist auch für Consultants ein Thema. Warum das so ist und aus welchen Gründen Beratungsunternehmen in diesem Punkt aufrüsten müssen, hat uns Professor Rolf Schwartmann, Experte für Medienrecht, im Interview verraten. In seinem LL.M.-Studiengang Medienrecht und Medienwirtschaft behandelt Schwartmann medienrechtliche, medienwirtschaftliche und informationstechnische Inhalte. Der Studiengang wird in diesem Jahr zum 10. Mal angeboten.

Datenschutz im Consulting - was Berater wissen müssen. (Bild: Thinkstock)
Datenschutz im Consulting - was Berater wissen müssen. (Bild: Thinkstock)

CONSULTING.de:
Warum sollten sich Berater für einen Masterstudiengang Medienrecht und Medienwirtschaft interessieren, Herr Professor Schwartmann?

Rolf Schwartmann: Nahezu alle Unternehmen nutzen soziale Netzwerke etwa zur Werbung und für Recruitingzwecke, da sind Consultinghäuser keine Ausnahme. Auch wenn sich im Netz vieles kinderleicht durchführen lässt, gelten dort dieselben rechtlichen Vorgaben wie in der körperlichen Welt. Und der Studiengang befasst sich mit so gut wie allen Themen, die im Internet und den neuen Medien eine Rolle spielen

CONSULTING.de: Welche Vorgaben sind denn besonders wichtig?

Rolf Schwartmann: Wer Inhalte ins Netz stellt, kommt sehr leicht mit dem Urheberrecht, mit Bildrechten und zunehmend mit dem Datenschutzrecht in Kontakt und auch in Konflikt. Gerade Verstöße gegen das Datenschutzrecht werden nach der EU-Datenschutzgrundverordnung teuer. Die Höhe eines möglichen Bußgeldes reicht bis zu 20 Millionen Euro oder beträgt vier Prozent des Vorjahresumsatzes, je nachdem was höher ist.

CONSULTING.de: Können Sie beim Datenschutz konkret werden? Wofür müssten die Unternehmen denn zahlen?

Rolf Schwartmann: Unternehmen, bei denen mehr als zehn Beschäftigte, gleich ob Vollzeit oder Teilzeit, mit Datenverarbeitung befasst sind, brauchen einen betrieblichen Datenschutzbeauftragten. Uschis Frisiersalon mit fünf Angestellten oder eine kleinere Bäckerei fallen nicht darunter, aber viele andere Firmen dürften betroffen sein: Arztpraxen, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Anwälte usw. Ich würde schätzen, dass maximal 80 Prozent der Unternehmen, die einen Datenschutzbeauftragten benötigen, keinen haben.

CONSULTING.de: Was könnte denn passieren, wenn die Firmen weiterhin auf einen solchen Beauftragten verzichten?

Rolf Schwartmann: Unternehmen müssen den Datenschutzbeauftragten nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung und dem neuen Bundesdatenschutzgesetz der zuständigen Datenschutzaufsicht melden. Geschieht das nicht, wird ein Bußgeld fällig. Die Aufsichtsbehörden müssen also im Juni 2018 nur die Gelben Seiten mit den bei ihnen gemeldeten Unternehmen abgleichen und Anhörungsschreiben verschicken. Wer unter die Norm fällt und nicht gemeldet ist, kann ein Bußgeld bekommen.

CONSULTING.de: Welche weiteren Pflichten aus dem Datenschutzrecht müssen Consultingunternehmen beachten?

Rolf Schwartmann: Sehr viele. Sie müssen Transparenz- und Informationspflichten erfüllen, Dokumentationspflichten und vieles mehr.  

CONSULTING.de: Also müssen sich die Unternehmen der Beratungsbranche mit dem Datenschutz befassen?

Rolf Schwartmann: Richtig. Und die Basics des neuen Rechts stelle ich in einer kleinen Reihe für CONSULTING.de anhand von Praxisfällen vor (Folge 1: Erste Hilfe nach Passwortklau).

CONSULTING.de: Und wer es genauer wissen will, der schickt seine Mitarbeiter in Ihren Studiengang?

Rolf Schwartmann: Genau. Da lernen sie aber nicht nur Datenschutzrecht. Die Ausbildung enthält rechtswissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche und informationstechnische Inhalte. Schwerpunkt ist das Medienrecht vom Presse- und Rundfunkrecht über das Internetrecht, bis zum E-Commerce-Recht und das IT-Vertragsrecht. Wir arbeiten mit Unternehmen wie RTL, Unity Media, der Rheinischen Post, Brainpool usw. zusammen und bilden hier in der Hochschule und vor Ort aus.

CONSULTING.de: Wie lange dauert die Ausbildung?

Rolf Schwartmann: Vier Semester und man kann das Angebot berufsbegleitend belegen. Bewerben kann sich jeder, der ein Hochschulstudium im Wirtschaftsrecht mit der Mindestnote 2,2 oder das erste juristische Staatsexamens oder einen vergleichbaren Abschluss abgelegt hat. Abschluss ist der LL.M. (Master of Laws).

CONSULTING.de: Bis wann können sich Interessenten bewerben?

Rolf Schwartmann: Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 15. August 2017 über das Bewerbungsportal der TH Köln. Zu zahlen ist nur der Semesterbeitrag der TH Köln. 

Weitere Informationen zum LL.M.-Studiengang Medienrecht und Medienwirtschaft

Zur Person

Professor Dr. Rolf Schwartmann leitet die Kölner Forschungsstelle für Medienrecht an der TH Köln, die in enger Verzahnung mit der Praxis arbeitet. Er ist zugleich Vorsitzender der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit (GDD) e.V. Für das Bundesministerium das Innern leitet er die Fokusgruppe Datenschutz im Rahmen der Digitalgipfels der Bundesregierung.

Veröffentlicht am: 25.07.2017

 

Dieser Beitrag wurde zuerst im Kölner Stadt-Anzeiger und EXPRESS veröffentlicht.

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