Interview mit BDU-Präsident Ralf Strehlau

Great Place To Work

Work-Life-Balance spielt für Arbeitnehmer eine immer wichtigere Rolle. Diese Beobachtung macht auch Ralf Strehlau. Im Interview erklärt er, warum die Balance für Consultants immer ein bisschen unrealistisch bleiben wird und wie ihn die Generation Z im Bewerbungsgespräch überrascht.

CONSULTING.de: Herr Strehlau, Sie sind schon seit vielen Jahren/Jahrzehnten in der Unternehmensberatung tätig. War das Thema "Work-Life-Balance" schon immer so relevant?

Ralf Strehlau: Work-Life-Balance war auch schon Anfang der 90iger Jahre ein Thema, wurde aber nicht so genannt. Auf Grund ihrer persönlichen Situation wie z. B. Gründung einer Familie, hohe Dynamik in der Arbeit, der umfangreichen Reisetätigkeit haben sich schon immer Berater entschieden, auf die Kundenseite zu wechseln. Die Berufswelt war damals deutlich geprägt durch einen Arbeitgebermarkt, während man heute eher von einem Arbeitnehmermarkt sprechen kann. Ich bin Jahrgang 1965, also einer der geburtenstärksten Jahrgänge in Deutschland und habe den Berufseinstieg und auch die ersten Karriereschritte in den damals erheblich kleineren Consultingmarkt noch deutlich schwieriger erlebt. Mit dem Wandel vom Arbeitgeber- hin zum Arbeitnehmermarkt in den letzten 5 bis 10 Jahren wurde das Thema "Work-Life-Balance" dann immer ausgeprägter.

CONSULTING.de: Der Generation Y und Z werden ganz unterschiedliche Wünsche an einen Arbeitsplatz nachgesagt. Erstere treibt eher der Wunsch nach Selbstverwirklichung an, jüngere Menschen streben eher wieder nach Sicherheit. Wie haben sich Ihrer Erfahrung nach die Anforderungen von Mitarbeitern an ihren Job in den letzten Jahren verändert?

Ralf Strehlau: Ja, es ist erstaunlich, dass wir einen Arbeitnehmermarkt haben, aber viele junge Hochschulabsolventen sich trotzdem eher sicherheitsorientiert entscheiden. Gleichzeitig stellen wir im Recruiting ambitionierte Gehaltsvorstellungen und den Wunsch nach rascher Übernahme von Verantwortung fest, die aber nicht immer realistisch sind. In manchen Bewerbungsgesprächen habe ich das Gefühl, das die Erdung fehlt. Bei uns in der Personalabteilung ist ein Bewerber unvergesslich, der mit 21 Jahren auf die Frage nach seinen Stärken antwortete: "Ich habe eine angeborene Leadership." Ok, der junge Bewerber war nicht der richtige Kandidat für uns. Aber grundsätzlich müssen alle Arbeitgeber im Recruiting die volle Bandbreite an Nebenleistungen, Teamspirit, persönlicher Entwicklungsmöglichkeit, etc. ins Feld führen, um attraktiv zu sein.

CONSULTING.de: Home Office, Sabbatical, flexible Arbeitszeitmodelle… Die Angebote vieler Unternehmen scheinen oft austauschbar. Was müssen Arbeitgeber heute bieten, um attraktiv zu sein und sich von der Masse abzuheben?

Ralf Strehlau: Das stimmt, hier ist viel Kreativität gefragt: Überdurchschnittliche Gehälter oder ein Dienstwagen hatten zwar im Consulting schon immer viel mehr Gewicht als in anderen Branchen, das alleine reicht aber nicht mehr. Heute achten speziell die jüngeren Berater auch sehr stark auf andere Faktoren, zum Beispiel wie sinnvoll ist meine Tätigkeit und wie attraktiv ist mein Arbeitsumfeld. Bei allem können Unternehmensberatungen punkten: Durch die digitale Transformation ergeben sich spannende Beratungsprojekte, in denen die Kundenunternehmen und deren Mitarbeiter weiterentwickelt werden. Weniger Hierarchien, hohe Agilität und höchst divers zusammengesetzte Beraterteams sorgen darüber hinaus intern für Top-Rahmenbedingungen im Job. Aber auch hochkarätige Weiterbildungsangebote sind enorm wichtig. Hier haben gerade Consultingfirmen viel zu bieten.

CONSULTING.de: Consulting ist eigentlich für seine langen Arbeitszeiten und viele Dienstreisen bekannt. Wie realistisch ist die Umsetzung von Maßnahmen des Work Life Balance im Arbeitsalltag tatsächlich?

Ralf Strehlau: Das fällt zugebenermaßen nicht immer leicht. Da, wo es möglich ist, werden natürlich atmende und intelligent ausgerichtete Arbeitszeitmodelle eingeführt. Hinzu kommt, dass immer mehr Beratungstätigkeiten zeit- und ortsunabhängiger geleistet werden können. Dafür sorgen beispielsweise cloudbasierte Daten, auf die Berater von überall zugreifen können. Parallel erleichtert sich die Arbeit von Consultants in den Kundenprojekten mehrerer Teammitglieder, in dem Social Business Collaboration-Plattformen sowie Projektmanagement-Tools per Apps für die Zusammenarbeit genutzt werden. Hierdurch verringert sich der Zeitaufwand für die Reisetätigkeit. Aber bei aller berechtigten und notwendigen Maßnahmen muss man auch realistisch bleiben: Unser Beruf wird auch in Zukunft hohe Dienstleistungsbereitschaft und großes Engagement verlangen.

CONSULTING.de: Der BDU unterstützt die Auszeichnung Great Place to Work für Consulting-Firmen. Was kann man von den ausgezeichneten Firmen im Bereich Work Life Balance lernen?

Ralf Strehlau: Es lohnt sich für alle Branchenteilnehmer genauer hinzuschauen, was die ausgezeichneten Unternehmensberatungen vielleicht besser machen! Aus den Wettbewerben "Beste Arbeitgeber im Consulting" der Jahre 2017 und 2018 wissen wir, dass rund vier Fünftel der Berater der ausgezeichneten Consultingfirmen in den Mitarbeiterbefragungen ihrem Unternehmen eine vertrauensvolle und förderliche Qualität als Arbeitgeber attestiert haben. Das ist überdurchschnittlich: Im repräsentativen Unternehmensdurchschnitt in Deutschland tut dies nur rund jeder zweite Beschäftigte. Auch in anderen Bereichen der Arbeitsplatzkultur liegen die Gewinner-Unternehmensberatungen weit vorn. Sie erhielten beispielsweise Top-Bewertungen bei den Themen "Unterstützung der beruflichen Entwicklung", "Gesundheitsförderung" oder "ausreichende Anerkennung für gute Arbeit". Ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis: Die Beraterinnen und Berater wissen es sehr zu schätzen, wenn von der Consultingfirma alternativ zur eigenen Heimreise vom Projektstandort auch umgekehrt der dortige Besuch der Partnerinnen und Partner angeboten und bezahlt wird.

CONSULTING.de: Vielen Dank!

Veröffentlicht am: 26.02.2019

 

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