Accenture auf Shopping Tour: Analyse und Einordnung der zahlreichen Zukäufe

Fachartikel von Jörg Stroisch 

Accenture hat in den letzten Jahren massiv Unternehmen hinzugekauft, setzt also nicht alleine auf organisches Wachstum. Unter den Akquisen befinden sich verschiedene Firmen, die man auf den ersten Blick nicht dem angestammten Portfolio des IT- und Beratungsdienstleisters entsprechen. Eine Analyse für consulting.de zeigt die Schwerpunkte seit Anfang 2019 auf – und es zeigt sich eine starke Fokussierung. 

(Bild: picture alliance / empics | Joe Giddens)

Accenture veröffentlichte nach der letzten Übernahme – des Londoner Consultingunternehmens YSC Consulting – eine aktuelle Angestelltenzahl. 710.000 Personen sind demnach in 120 Ländern für das Unternehmen aktiv. Knapp 2 ¾ Jahre vorher, im Januar 2019, wurden noch 469.000 Angestellte ausgewiesen. Das ist ein Wachstum von etwa 240.000 Angestellten.  

Zumindest ein beträchtlicher Teil kommt hier von externen Firmen, die Accenture aufgekauft hat. Eine überschlägige Rechnung anhand von insgesamt 123 analysierten Pressemitteilungen kommt auf knapp über 30.000 Personen, wobei nicht für alle Firmenübernahmen auch Angestelltenzahlen ausgewiesen wurden. Und deutlich wird auch: Klassisches Consulting ist bei den Übernahmen auch weiterhin wichtig.

Aber der Fokus verlagert sich immer mehr in andere Bereiche, etwa der konkreten Entwicklung von Anwendung oder der Bereitstellung des gesamten Marketings.  

Ein Trend, der sich letztendlich auch durch die sich immer mehr etablierenden sogenannten agilen Arbeitsmethoden verstärkt, wo – bisher sehr stark in der Produkt- und Softwareentwicklung – neue Prozesse die Ideengenerierung und Beratung nicht mehr so stark von der tatsächlichen Entwicklung und Umsetzung trennen. Mit SCRUM zum Beispiel wird der Berater zum Coach und begleitet Workshops direkt mit, ähnlich sieht es mit anderen Modellen wie etwa Design Thinking, Lean Business oder dem Innovationsmanagement aus.

Schwerpunkt der Akquisen in Nordamerika und Europa

Das macht sich auch bei Accenture bemerkbar: Mit Blick auf die Regionen fokussiert sich das Unternehmen auch weiterhin sehr stark auf seine Kernregionen. Die Größe der Übernahmen ist dabei sehr unterschiedlich. Sie reicht von kleineren Belegschaften ab 30 Angestellten mit dem Fokus auf ein Land oder ein spezielles Produkt bis hin zu 4.200 Mitarbeitern bei der übernommenen Consultingfirma umlaut aus Aachen, die selbst in 17 Ländern aktiv ist. Und auch die Mitarbeiter von umlaut definieren sich weit über das klassische Consulting hinaus, sehr stark als agiles Beratungsunternehmen mit dem Anspruch, sofort umsetzbare Lösungen, zum Beispiel in Form eigener Softwareentwicklung, zu entwickeln.  

 Accenture unterscheidet in seinen Bilanzen  nach drei Regionen: Nordamerika, Europa und „Wachstumsmärkte“. So setzte das Unternehmen in Nordamerika im dritten Quartal 2022 – Accenture beginnt sein Geschäftsjahr zum 1. September – 7,61 Milliarden US-Dollar um. Es folgt Europa mit 5,35 Milliarden US-Dollar und der Rest der Welt, die Wachstumsmärkte, mit 3,19 Milliarden US-Dollar.  

Und diese Verteilung spielt sich auch bei den Zukäufen wider: In Nordamerika kaufte oder beteiligte sich Accenture an insgesamt 59 Unternehmen mit knapp über 13.000 Angestellten. Europa kommt auf 58 Unternehmen und über 15.000 Angestellte. Und im Rest der Welt übernahm Accenture 26 Unternehmen mit knapp unter 4.000 Angestellten.

Wichtige Übernahmen in Deutschland

Ein Blick auf die DACH-Region: Hier übernahm Accenture insgesamt 14 Unternehmen mit etwa 6.800 Angestellte, wobei hier alleine umlaut aus Aachen fast die Hälfte dieser Angestellten ausmacht - und deren Angestellte sind auch nicht alle in Deutschland tätig. umlaut ist dem Bereich Industry X zugeordnet. Der soll „Unternehmen dabei helfen, digitale Technologien wie Cloud, künstliche Intelligenz und 5G zu nutzen, um die Art und Weise, wie sie ihre Produkte entwerfen, entwickeln und herstellen, zu verändern und die Nachhaltigkeit einzubinden“, so in der Pressemitteilung.  

Accenture Industry X positioniert sich als „digitale Ingenieurs- und Fertigungsleistung“ im Spektrum von Accenture, und unterstützt „den Prozess, wie Unternehmen softwaregestützte Geräte, Anlagen, Produkte und Dienstleistungen für die anspruchsvollen Verbraucher konzipieren, entwickeln und auf den Markt bringen“ können. Die Zukäufe für diese Unit bilden einen Schwerpunkt in Deutschland: Seit Anfang 2019 sind 4 weitere Unternehmen der DACH-Region hierzu hinzugestoßen mit mindestens 870 weiteren Mitarbeitern.

Fokus der Zukäufe jenseits des klassischen Consultings

Die Grenzen zwischen IT, Consulting und der operativen Umsetzung verschwimmen auch durch die Übernahmen bei Accenture immer mehr.  

Der Bereich Industry X zum Beispiel geht zwangsläufig deutlich über den klassischen IT-Consulting-Bereich hinaus, unterstützt Unternehmen auch bei der Entwicklung entsprechender Anwendungen. Der Bereich Industry X ist auch weltweit mit 21 Übernahmen und knapp unter 7.000 Angestellten sehr stark vertreten. 

Gleiches gilt für den Bereich Interactive. Hier verbucht Accenture weltweit insgesamt 17 Übernahmen und etwa 4.000 Angestellten. Der Unternehmenszweig ist sehr commerce- und markengetrieben und positioniert sich als Digitalagentur mit einem breiten Portefolio mit Design, Marketing, Content und Commerce - und gilt als die größte Digitalagentur weltweit mit einem Gesamtumsatz im dritten Quartal 2022 von 3,43 Milliarden US-Dollar. Zuletzt bündelte das Unternehmen hier sehr stark seine Aktivitäten unter dem Label Accenture Song.  

Cloud First bietet ein umfassendes Spektrum an Cloud-Services, die Ihnen helfen, den Wert Ihrer Investition zu steigern“, wirbt das Unternehmen auf der Website und verbindet auch dies mit Consulting-Leistungen hin zur Veränderung der Belegschaft und der Unternehmenskultur. Konkret: Accenture entwickelt unternehmensspezifische Lösungen direkt im Zusammenspiel mit dem Kunden. Auch hier gab es viele Übernahmen, um diesen Fokus zu stärken: mit 19 eindeutig zugeordneten Übernahmen und mindestens 6.000 hinzugewonnenen Mitarbeitern.  

Accenture ist an der New Yorker Börse gelistet. Der Firmensitz befindet sich im irischen Dublin. Im fiskalischen Geschäftsjahr 2021, welches bis zum 31. August 2021 ging, setzte das Unternehmen über 50,5 Milliarden US-Dollar um. Aktuell wird eine Aktie bei knapp unter 300 US-Dollar gehandelt.  

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