Mit dem Senior auf Du und Du

Interview mit CARLO Consulting

Wie sieht es eigentlich konkret aus mit den Erwartungen der künftigen Berater? Wir haben die Consultants von der studentischen Unternehmensberatung CARLO Consulting gefragt.

CARLO Consulting, studentische Unternehmensberatung (Bild: CARLO Consulting)

CARLO Consulting, studentische Unternehmensberatung (Bild: CARLO Consulting)


CONSULTING.de:
Der Arbeitsmarkt, so heißt es, wird immer mehr zu einem Bewerbermarkt. Macht sich das bei studentischen Unternehmensberatern schon bemerkbar?

CARLO Consulting: Diese Erfahrung machen wir definitiv, in ganz unterschiedlicher Form. Häufiger als früher kommen große und mittlere Unternehmen auf uns zu, bieten uns zum Beispiel an, uns zu unterstützen mit Schulungen, Workshops oder Case Studies. Oder schlagen uns ein ehrenamtliches Engagement vor mit Referenten oder Supervision in Projekten. Sie geben ebenfalls öfter Jobangebote wie Werkstudententätigkeiten in unseren Verein. Und wenn wir wiederum Unternehmen kontaktieren, ist die Resonanz fast ausschließlich positiv. Auch finanzielle Unterstützung wird offeriert.

CONSULTING.de: Welche Unterschiede bemerken Sie noch im Vergleich zu früher, etwa in puncto Sichtbarkeit und Verbindlichkeit?

CARLO Consulting: Es gibt unserer Einschätzung nach höhere Budgets für das Recruiting. Social Media wie Facebook, Xing und Kununu nutzen die Unternehmen mehr, insbesondere auf Facebook gibt es eine hohe Sichtbarkeit. Sie investieren mehr ins Employer Branding, werben zum Beispiel gezielt mit ihren Maßnahmen zu den Aspekten Work-Life-Balance, Sabbaticals und Kinderbetreuung. Insgesamt geben sich die Beratungsunternehmen moderner und frischen das Beraterimage auf. Häufig kommen sie auch schon während des Bachelor-Studiums auf uns zu. Wir bemerken außerdem, dass das Vertrauen in uns als studentische Unternehmensberatung gestiegen ist. Wir bekommen wichtigere Projekte, mit höheren Erwartungen und größerer Verantwortung.

CONSULTING.de: Welchen Einfluss hat die Situation auf Ihre Ansprüche gegenüber einem potenziellen Arbeitgeber?

CARLO Consulting: Die Erwartungen steigen. Das gilt besonders für den Bereich flexible Arbeitszeiten, denn Möglichkeiten wie Home-Office bieten mittlerweile eben auch andere Unternehmen. Im Vergleich zu früher sind Freunde und Familie wichtiger, die hundertprozentige Konzentration auf Beruf und Karriere ist nicht mehr in dem Maß gegeben. Und vielen Absolventen ist bewusst, dass die Verdienstmöglichkeiten nicht im Verhältnis stehen zu den zu erbringenden Arbeitsstunden.

CONSULTING.de: Mit welchen Unternehmen stehen denn die Beratungen heute in Konkurrenz?

CARLO Consulting: Das fängt bei Unternehmen aller Branchen aus der Region an, die eine stärkere Präsenz an der Uni zeigen. Auch Start-ups sind eine attraktive Option; der einfache Einstieg und die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Unternehmen zu wachsen, das finden viele spannend. Und zusätzlich natürlich die Inhouse-Consulting-Abteilungen von Konzernen. Da findet durchaus mal eine Umorientierung statt, vom ursprünglichen Ziel Consulting auf das neue Ziel Industriekarriere. Das wird besonders häufig durch den Aspekt Work-Life-Balance motiviert.

CONSULTING.de: Womit versuchen Unternehmensberater Nachwuchs zu einer Bewerbung bzw. zu einer Entscheidung zu motivieren?

CARLO Consulting: Durch eine frühe persönliche Bindung und frühe Identifikation mit dem Unternehmen, etwa über die bereits erwähnten Schulungen. Außerdem mit dem etablierten Karriereversprechen, bei dem der Einstieg bei einer bestimmten Beratung ein Karriere-Sprungbrett ist. Es gibt mehr Zugeständnisse in Bezug auf die Arbeitszeitgestaltung, häufig ist in den Verträgen ein Angebot für die Gesundheit und Fitness enthalten, etwa gemeinschaftliche Sportgruppen. Und es entsteht durch den stärkeren Kontakt eine gewissermaßen familiäre Atmosphäre auf Augenhöhe, die auf das Arbeitsleben übertragen wird. In Bewerbungsgesprächen wird zum Beispiel auch mal das „Du“ angeboten.

CONSULTING.de: Das Geschäft der Berater verändert sich, insbesondere im Rahmen der Digitalisierung. Welche anderen Erwartungen stellt man an Sie?

CARLO Consulting: Mehr IT-Affinität ist gefragt, für viele ist außerdem eine stärkere Internationalisierung ein must-have, sie setzen etwa ein Auslandssemester voraus. Die Beratungen erwarten außerdem, dass auch der Bewerber einen USP hat, der ihn von anderen Mitbewerbern unterscheidet. Branchenkompetenz oder Nachweise über gewisse Kenntnisse wie Erfahrung mit Projektmanagement werden ebenfalls häufiger vorausgesetzt oder verlangt.

CONSULTING.de: Aus der Perspektive der künftigen Berater – wo sollten sich die Beratungshäuser noch stärker bewegen?

CARLO Consulting: Das fängt mit der Bezahlung von Überstunden an, insgesamt könnte sich auch im Punkt Work-Life-Balance noch mehr tun. Möglichkeiten zur Weiterbildung wie duale Studiengänge, individuelle Weiterbildungen oder die Option, ins Ausland gehen zu können, sind ebenfalls gefragt.

CONSULTING.de: Inwiefern spielen Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie Kununu und Xing eine Rolle?

CARLO Consulting: Das kommt immer sehr stark auf die Plattform an. Häufig werden sie zur Recherche genutzt, bei der Entscheidungsfindung sind sie aber selten relevant. Uns ist bewusst, dass sich Leute eher beschweren als dass positives Feedback gegeben wird, das verzerrt natürlich. Aufmerksam wird man auf die Schlechtesten und die Besten, alle anderen werden in die Entscheidung wenig einbezogen.

Zu CARLO Consulting

Der CARLO Consulting e.V. wurde 2006 als studentische Unternehmensberatung auf Initiative des Lehrstuhls für Business Consulting an der Universität Oldenburg gegründet. Der Verein besteht aus 40 aktiven Mitgliedern und bietet den Studenten die Möglichkeit, Praxiserfahrungen als Consultants zu sammeln. Die Berater von Carlo Consulting führten bereits Projekte für das Oberlandesgericht Oldenburg, die Deutsche Bank (Oldenburg) und Volkswagen (Emden) durch.

Veröffentlicht am: 06.04.2017

 

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