So mischt New Work die Consulting-Industrie auf

06.04.2017

Die Digitalisierung bringt den Consultants Geschäft, sorgt aber ebenso für interne Veränderungen. Wie Berater künftig arbeiten werden und wie sie die Klienten bei deren Wandel unterstützen.

Lobby im Kienbaum-Office in Köln (Bild: Kienbaum)

Lobby im Kienbaum-Office in Köln (Bild: Kienbaum)


Gastbeitrag von Fabian Kienbaum, Kienbaum Consultants

Die digitale Transformation macht auch vor Beratungsgesellschaften nicht halt. Einerseits sind es marktseitige Herausforderungen, auf die Beratungen digitale Antworten finden müssen. Andererseits verlangt der digitale Wandel organisatorische, kulturelle und personalseitige Veränderungen in den Beratungsfirmen selbst. New Work als das zentrale Schlagwort und Konsequenz der Digitalisierung unserer Arbeitswelt ist Herausforderung und Chance zugleich.

Digital bedingte Veränderungen der Arbeitswelt, also New Work, sind für uns als Unternehmen auch deshalb so spannend, weil wir als Personal- und Managementberatung auf die Erfolgsfaktoren Mensch und Organisation bei unseren Kunden spezialisiert sind – und damit genau darauf, was sich bei New Work ändern muss. New Work ist in erster Linie eine Kulturfrage, kein Thema über anteilig reduzierte Quadratmeter je Arbeitsplatz. Der physische Arbeitsplatz wandelt sich vom Statussymbol zum Kommunikationsvorteil. Vom Chef im Eckbüro zur Kollektivarbeit im Open Space. Das ist aber längst nicht alles.  Es geht um die Art der Mitarbeiterführung und die Kultur, in der Arbeit stattfindet. Um die Frage, wie ich Mitarbeiter bestmöglich motivieren und Leistung entlohnen kann. Um Berufe und Mitarbeiterschaften der Zukunft, um die örtliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf, von Arbeitszeit und Freizeit und um vieles mehr. 

New Work in der Beratung und beim Kunden

Wenn sich diese Rahmenbedingungen verändern, wollen wir sie mitgestalten. Denn unser Unternehmen steht vor den gleichen Chancen und Risiken wie unsere Kunden. Um die eigene digitale Transformation erfolgreich voranzutreiben und organisatorisch effektiv umzusetzen, haben wir verschiedene Ansätze betrachtet und abgewogen. Dahinter stand die Frage: Wie können wir als Beratung New Work erfolgreich leben und zum Nutzen der Kunden einsetzen?

Wir als Berater haben derzeit die Chance, als Early Adopter bei der Umsetzung von New Work selbst die Erfahrung zu machen, wie wir die neue Arbeitswelt in Unternehmen verändern und gestalten können. Der Mehrwert: Diese Erfahrungen können wir an an unsere Kunden weitergeben und mit ihnen zusammen individuelle Adaptionen von New Work entwickeln.

Den meisten Firmenlenkern ist klar, dass sich ihre Unternehmen hinsichtlich Strukturen und Belegschaftsanforderungen erheblich verändern müssen und mit Blick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auch ändern werden. Vielfältige Innnovationsansätze gibt es im Produktions- und Operationsfeld. Start-ups gelten als Vorbilder für disruptive Produkt- und Marketingkonzepte, die Fachfunktionen IT, Personal und Kommunikation positionieren sich idealerweise als Transformationstreiber. Für Beratungsfirmen steckt in diesen Trends viel Neues: Starke Zentralfunktionen als Erfolgsfaktor – das haben insbesondere kleine und mittlere Consultinghäuser über Jahre nicht für sich genutzt.

New Work bedeutet Digital Leadership

Führen geht heute anders, weil sich die Menschen, die geführt werden, verändert haben. Die heftig umworbenen digitalen Eliten haben ganz andere Ansprüche. Ihr Beruf soll sinnstiftend sein mit viel Gestaltungsfreiheit und sie wollen im Team mit interessanten Kollegen arbeiten. Sie wollen Teil einer guten Sache sein und suchen sich deshalb einen Arbeitgeber, mit dem sie sich identifizieren können. Und sie wollen genau wissen, wie die Geschäfte in ihrem Unternehmen laufen, um sich einbringen zu können.

Führungskräfte – besonders im Digital-Kontext – müssen deshalb heute Coach und Mentor für ihre Mitarbeiter sein und sich mit ihnen auf Augenhöhe bewegen. Sie müssen wissen, was ihre Mitarbeiter umtreibt und wo es Probleme gibt. Und sie müssen wissen, was ihre Mitarbeiter wirklich am besten können, wofür sie brennen. Führen heißt, die Mitarbeiter zu befähigen und sie mit den richtigen Projekten, Themen und Teams zusammenzubringen sowie Möglichkeiten zur Weiterbildung anzubieten. Das erhöht das Motivationslevel, um die beste Leistung abrufen zu können.

"Digilogität" bestimmt unsere Zukunft

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Das Digitale revolutioniert unsere Zeit und fungiert als Triebfeder für die Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. In vielen Bereichen steht am Ende eine Verzahnung von Digitalem und Analogem. Es geht um „Digilogität“, also die ideale Kombination aus der alten und der neuen Welt. Nichts wird vollständig ersetzt, die Zukunft verbindet die Vorteile und bringt sie auf eine neue Leistungsstufe. Selbstverständlich müssen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse und -modelle auf die Digitalisierung abstimmen, aber der Mensch und die Zwischenmenschlichkeit werden immer integraler Bestandteil des organisatorischen Kontexts bleiben. Essenziell ist dabei, dass die Mitarbeiter digitale Lösungen erleben und sich damit auseinandersetzen können. Insofern überrascht es nicht, dass die Beliebtheit von Co-Working-Spaces, Design-Thinking-Methoden und offene Architekturlösungen steigt. Schließlich ermöglichen  dieseandere Kommunikationsformen. Kommen kompetente und begeisterungsfähige Menschen im richtigen Umfeld zusammen, nutzt das dem Wohle und der Innovationskraft des Unternehmens besonders. Wir arbeiten daran, dass unsere Kunden und wir selbst aus dieser Doppelperspektive auf die menschlichen Facetten und die Bedeutung der Technologie blicken, um die digitale Transformation gemeinsam zu gestalten.

Sinnhaftigkeit ist der neue Dienstwagen

Umworbene Mitarbeiter, nicht zuletzt extrem gut ausgebildete Berater, sind sich bewusst, welchen Marktwert sie haben. Sie treiben mit ihrem neuen Anspruchsdenken Veränderungen in unserer Arbeitswelt. Dazu gehören flexiblere Lösungen, was Zeit und Ort des Arbeitens angeht, Jobsharing und Teilzeitmodelle auch in Führungsrollen sowie moderne Büros und Arbeitsstätten, die die Kommunikation und gesundheitsbewusstes Arbeiten fördern.

Die neue Mitarbeitergeneration fordert den Sinn hinter ihrer Arbeit und damit hinter dem Geschäft ihres Arbeitgebers ein. Diese Sinnhaftigkeit zu vermitteln, ist die Aufgabe von Führungskräften. Hierzu ist ein einheitliches Verständnis der Geschäftsstrategie, aber auch des Leaderships notwendig. In digital geprägten Unternehmen arbeiten Teams virtuell zusammen an Projekten und Innovationen, die neue Arbeit erfolgt über Netzwerke. Diese Form der Arbeit erfordert anderes Führungswissen und vor allem Digitalkompetenz.

Auch Beratungen müssen digitale Eliten überzeugen

Sicherlich geht es bei der digitalen Unternehmenstransformation um Strategie und Technologie, allerdings nachhaltig ebenfalls um Unternehmenskultur, Verhaltensweisen und Haltung, um Offenheit für Innovation, Veränderung und Modernisierung. Denn von großen Internet-Unternehmen und Start-ups geht derzeit ein Paradigmenwechsel in der Mitarbeiterführung aus, den die Beratungsfirmen ebenso spüren. Digitale Eliten haben andere Vorstellungen von Arbeit und Führung. Was bedeutet das für die Führungskräfte und ihren Führungsstil? Im Hinblick auf Beratungen im Speziellen ist zu erwarten, dass auch hier Hierarchien abgebaut werden. Letztlich kommt das dem Kunden ebenfalls zugute. Schließlich steht im Zentrum von New Work dann das Interesse am Kundenprojekt und nicht immer nur der nächste Karriereschritt. Dieser rückt angesichts flacher Hierarchien aus dem Fokus.

Diverse Teams im Consulting

Mehr Vielfalt ist erklärtes Ziel der Wirtschaft. Wir verstehen Diversity als Spiegel unserer globalisierten Welt. Diverse Teams, so belegen Studien, sind innovativer und arbeiten effektiver zusammen. Auf dem Weg zu einer wirklich diversen Mitarbeiterschaft muss daher das Personalmanagement gemeinsam mit der Unternehmensführung dafür sorgen, Vielfalt zu fördern, auf gesetzliche Regelungen einzugehen und so einen Teil unserer künftigen Arbeitswelt zu gestalten. Für die arbeitsintensiven Jobs im Consulting bedeutet dies, dass Arbeitgeber mehr Möglichkeiten und Angebote schaffen müssen, um Familie und Beruf zu verbinden. Ein Work-Life-Blend als Zielbild ist für viele Consultants eine attraktive Alternative zur früheren 24/7-Up-or-out-Kultur. Mittel- und langfristig profitieren von solch familienfreundlichen Konzepten auch die Beratungen als Arbeitgeber. Denn gute Mitarbeiter zu gewinnen, zu halten und Frauen in verantwortungsvolle Positionen zu holen, wird angesichts des zunehmenden Mangels auf dem Arbeitsmarkt immer entscheidender.

Zur Person:
Fabian Kienbaum, COO von Kienbaum Consultants International (Bild: Kienbaum)
Fabian Kienbaum, COO von Kienbaum Consultants International (Bild: Kienbaum)

Fabian Kienbaum ist COO von Kienbaum Consultants International. Er studierte internationales Management an der ESCP Europe und Betriebswirtschaftslehre in Köln. Anschließend arbeitete er in einer amerikanischen Unternehmensberatung in London, bevor er 2014 in die familien- und partnergeführte Beratungsgesellschaft Kienbaum einstieg.

 

Bester Arbeitgeber im Consulting: Der Wettbewerb
Interview mit Carla Meschede, Great Place to Work

"Beeindruckt hat mich die Vielfalt und Kreativität"

Carla Meschede, Great place to Work (Bild: Great Place to Work)

06.04.2017 - Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, alles geben und gern bleiben – Consultingunternehmen, die das schaffen, zeichnet der Wettbewerb “Beste Arbeitgeber im Consulting“ aus. Was die Prämierten anders... weiterlesen

 

Kultur sorgt für Erfolg

Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz, Teamgeist - das Great Place to Work-Modell (Bild: Great Place to Work)

06.04.2017 - Eine attraktive Arbeitsplatzkultur macht die Mitarbeiter glücklich, ist aber zugleich ein wichtiger Erfolgsmotor – auch in der Beratungsbranche. Hier lesen Sie, wie Consultingunternehmen ihre... weiterlesen

 
Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.