Beraterprobleme mit Beraterwerkzeugen lösen: Kontakte von XING nach LinkedIn übertragen mittels RPA

Lennart Schmidt, PPI AG

Wie wichtig ein persönliches Netzwerk im Businesskontext ist, ist jedem Berater bewusst. Jahrelang wurde das Netzwerk auf XING ausgebaut und auf einmal wechseln alle zu LinkedIn. Das eigene Netzwerk aufgeben, kommt nicht infrage, aber können die Kontakte übertragen werden und wenn ja, wie funktioniert das?

Die Rolle des Netzwerkens und der Plattformen

Den Wert eines persönlichen Netzwerks wird im Businesskontext kaum jemand bestreiten. Insbesondere in der Beratung gehört die Kontaktpflege schon seit Langem nicht nur für Vertriebler zum guten Ton. Folgerichtig haben sich hier bereits sehr früherste digitale Plattformen etabliert, die das Netzwerken ins Internet gebracht haben. Über lange Jahre war das soziale Netzwerk XING im deutschsprachigen Raum der unangefochtene Platzhirsch unter den Businessnetzwerken. Nun ist es wahrlich kein Geheimnis, dass XING in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung verloren hat und sich die Nutzer vermehrt LinkedIn zuwenden. Letztere Plattform überzeugt durch eine modernere Anmutung und bietet mehr Funktionen, die man aus anderen sozialen Netzwerken kennt. Das hat aus Sicht der Beratung den Vorteil, dass das eigene Netzwerk noch gezielter mit relevanten Inhalten angesprochen werden kann und sich die Beziehung zu den eigenen Kontakten durch daraus entstehende Interaktionen noch viel aktiver gestalten lässt.

Umziehen mit Hindernissen

Eine Sache haben jedoch XING und LinkedIn gemeinsam: Der Wert für den Nutzer liegt letztendlich im eigenen Netzwerk, das oft über lange Jahre aufgebaut wurde. Da mag LinkedIn von den Funktionen noch so attraktiv sein – ein langjähriger XING-Nutzer wird kaum sein mühsam aufgebautes Netzwerk zurücklassen und den eigenen XING-Account einfach löschen. Was also tun, wenn man die Plattform eigentlich zugunsten von LinkedIn verlassen möchte? Berater sind ja im Allgemeinen eher nicht dafür bekannt, über erhebliche Mengen Tagesfreizeit zu verfügen. Kaum einer wird sich daher darauf einlassen, manuell eine drei-bis vierstellige Anzahl an XING-Kontakten durchzugehen und auf LinkedIn nachzuforschen, ob diese auch dort aktiv sind, um sich ggf. auch dort zu vernetzen. Nun bietet XING aber leider auch keine Möglichkeit an, seine Kontakte zu exportieren. Das ist aus Sicht der Plattform natürlich nachvollziehbar, Stichwort Lock-in-Effekt–wer möchte es seinen eigenen Nutzern schon so leicht machen, die eigene Plattformen mit dem gesamten Netzwerk im Gepäck zu verlassen?

Ein Blick in den Berater-Werkzeugkoffer

Wie lässt sich das Problem nun also lösen? Im Grunde handelt es sich beim Übertragen der eigenen XING-Kontakte nach LinkedIn um einen Prozess wie jeden anderen IT-basierten Geschäftsprozess auch. Um die Kontakte von XING nach LinkedIn zu bringen,muss ein menschlicher Benutzer über zwei Systeme mit viel manuellem Aufwand Daten übertragen. Für diesen Prozess gilt dasselbe, was auch für Geschäftsprozesse gilt: Ist der Prozess repetitiv, aufwändig und regelbasiert, so handelt es sich um einen idealen Kandidaten für eine Automatisierung. Ein Blick in den Werkzeugkoffer der IT-und digital-affinen Berater fördert hier schnell das richtige Toolzu Tage: Robotic Process Automation, kurz RPA.

Die Roboter kommen

RPA ist in den letzten Jahren zunehmend zum technologischen Standard geworden. Dennoch gibt es viel Bedarf, die Technologie und ihre Möglichkeiten zu erklären und zu veranschaulichen. Kurz gesagt ermöglicht RPA eine Automatisierung digitaler Geschäftsprozesse, vor allem auf Ebene der Benutzeroberfläche. Wo sich vorher ein menschlicher Anwender von Eingabemaske zu Eingabemaske und von Anwendung zu Anwendung klicken und tippen musste, kann nun ein Softwareroboter programmiert werden, der dies genau so übernimmt. Das bietet wesentliche Vorteile: Der menschliche Nutzer wird von diesen repetitiven und wenig anspruchsvollen Tätigkeiten befreit und die Prozesse werden bedeutend effizienter. Dadurch, dass der Roboter auf die bestehenden Benutzeroberflächen zugreift, erfordert die Automatisierung keine kostspieligen Änderungen an der bestehenden IT-Landschaft, bspw. in Form der sonst nötigen (Weiter-)Entwicklung von Schnittstellen etc. Dazu kommt: RPA-Roboter sind schnellprogrammiert und damit ideal, um zur Veranschaulichung der Technologie einfach mal ein Alltagsproblemzu lösen – beispielsweise das Übertragen von XING-Kontakten nach LinkedIn.

Mit dem Bot von XING nach LinkedIn

Für die Entwicklung eines Roboters sollte zunächst geklärt sein, welche Eingabedaten der Prozess benötigt. In unserem Fall ist dies relativ einfach zu beantworten: Der Roboter benötigt lediglich unsere XING-sowie LinkedIn-Zugangsdaten. Dafür wird eine einfache Eingabemaske genutzt, in die der Benutzer seine Zugangsdaten eingibt und so für den Roboter hinterlegt. Anschließend loggt sich der Roboter unter Nutzung eines regulären Browsers automatisch bei XING ein, navigiert zur Kontaktliste und liest für alle Kontakte die Links zu den jeweiligen Profilen aus. Anschließend steuert der Roboter das Profil jedes einzelnen Kontaktes an, liest jeweils die einsehbaren Kontaktinformationen aus und meldet sich anschließend wieder von XING ab. Dann wird eine CSV-Datei mit Informationen über alle Kontakte bereitgestellt. Auf diesem Weg kann mittels RPA ein Kontaktexport in Form von strukturierten Daten trotz fehlender Schnittstelle nur unter Nutzung der Weboberflächen erfolgen. Optional, sofern zu Beginn die entsprechenden Zugangsdaten hinterlegt worden sind, kann derRoboter auch noch die Oberfläche von LinkedIn aufrufen und sich anmelden. Über die Import-Funktion von LinkedIn wird die zuvor generierte Kontaktdatei importiert, und alle Kontakte, die mit gleicher E-Mail-Adresse wie bei XING bei LinkedIn registriert sind, werden automatisch zum eigenen Netzwerk hinzugefügt.

Zusammenfassung

Der Roboter ermöglicht uns nicht nur die Lösung eines Problems aus dem Berateralltag, dessen Lösung andernfalls mit hohem manuellen Aufwand verbunden gewesen wäre – er veranschaulicht auch sehr nachvollziehbar die Vorteile, die RPA als Technologie mit sich bringt. Hier wurde ein Prozess automatisiert, ohne dass in irgendeiner Weise Zugriff auf mehr als die Benutzeroberfläche der zugrunde liegenden Systeme bestanden hätte. Dennoch konnten Daten in strukturierter Form gesammelt und verarbeitet werden. Außerdem konnte ein Prozess über zwei Systeme hinweg automatisiert werden, ohne dass eine direkte Schnittstelle zwischen diesen besteht. Diese Möglichkeiten bietet RPA auch für nahezu alle digitalen, regelbasierten Geschäftsprozesse. Und dabei liegt die Entwicklungszeit pro Prozess je nach Komplexität oft nur im Bereich weniger Tage bis Wochen. Kein Wunder also, dass RPA ob seiner Attraktivität bereits im Werkzeugkoffer vieler Berater, sowohl auf der Planungs- als auch auf der Umsetzungsebene, Platz gefunden hat und diesen in absehbarer Zeit nicht wieder hergeben wird!

Über den Autor:

Lennart Schmidt, PPI AG (Bild: Lennart Schmidt)
Lennart Schmidt ist seit 2016 bei der PPI AG tätig. Als Consultant im Bereich Digital Banking befasst er sich mit unterschiedlichen Themen der IT und der digitalen Transformation, darunter auch Robotic Process Automation und Process Mining.

 

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