Relevanz an digitalen Beratungswerkzeugen nimmt stark zu

Interview mit Mario Zillmann, Lünendonk & Hossenfelder GmbH

Mithilfe von Business Intelligence (BI) Systemen kann die Auswertung geschäftsrelevanter Daten – Big Data – gelingen. Welche BI-Tools in der Consulting-Branche von Relevanz sind und welche Faktoren für eine Anschaffung sprechen, erläutert Mario Zillmann, Partner bei der Lünendonk & Hossenfelder GmbH, im Interview mit CONSULTING.de.

Sie haben 2019 für Tableau eine Studie zum Thema Consulting 4.0 mit dem Fokus auf BI-Tools gemacht. Wie weit sind BI-Tools mittlerweile in der Consulting-Branche verbreitet? Welche Consultingfelder sind vorne dabei?

Mario Zillmann: Der Einsatz von BI-Tools ist seit unserer letzten Erhebung im Jahr 2019 sicher weiter gestiegen. Ein Teil der Beratungen – vor allem die großen – nutzen schon seit Jahren datenbasierte Consultingmethoden. Einen deutlichen Schwung für die gesamte Branche dürfte die Corona-Krise gegeben haben, da die Beratungen nicht mehr die Möglichkeit hatten, sich über klassische „Vor-Ort-Einsätze“ einen Überblick über Kundenprobleme zu verschaffen – beispielsweise darüber, wie bestimmte Prozesse ablaufen. Während es vor einigen Jahren noch überwiegend Themen aus dem Financial- und Risk Advisory waren, bei denen Big-Data-Analytics-Tools genutzt wurden, sind es nun immer mehr auch Anwendungsfelder aus den operativen Bereichen wie Customer-Journey-Analysen, Spend-Analysen und vor allem Process Mining.

Aus Ihrer Kenntnis, welche Tools sind im Bereich BI und Data Analytics besonders häufig in der Consulting-Branche anzutreffen?

Mario Zillmann: Aus unserer Sicht sind die Anbieter Tableau, Qlik und PowerBI von Microsoft weit vorne. Alle drei Tools werden häufig genutzt, allerdings in einzelnen Beratungsfeldern mit individuellen Stärken und Schwächen. Im Bereich Process Mining sehen wir vor allem das Start-up Celonis, die derzeit „Leading Edge“ sind und immer mehr Kooperationen mit Managementberatungen eingehen.

Ab wann ist es für einen Berater interessant, Beratungs- und Integrationspartner von Software-Herstellern zu werden?

Mario Zillmann: Auf der einen Seite muss es zu dem jeweiligen Geschäftsmodell und den Beratungsfeldern passen und zur Frage, ob sich eine Beratung als herstellerneutrale Beratung zur Einführung von Data Analytics positionieren möchte. Auf der anderen Seite fordern immer mehr Kunden, dass Beratungen digitale Tools zur Problemanalyse einsetzen, beispielweise um Prozessoptimierungspotenziale zu erkennen.

Ein gewisses Know-how in der Einführung von Analytics Tools beziehungsweise in der entsprechenden Projektplanung und -steuerung sollte in jedem Fall vorhanden sein.

Welche Trends sehen Sie am Tool-Markt für Berater, insbesondere in den Feldern BI und Data Analytics?

Mario Zillmann: Hier sehen wir vor allem Self Service BI, also Tools und Organisationsformen, die vor allem den unzähligen Fachanwendern die Möglichkeit bieten, schnell und einfach an Datenanalysen zu gelangen. Self Service BI ist gleichzeitig auch ein Paradigmenwechsel im Reporting, weil die Data Governance sehr klar auf Datendemokratisierung und Datenqualität ausgerichtet ist.

Auf Basis entsprechender Prozesse, Organisationsstrukturen und einer klaren Data Governance können Unternehmen die Transformation zu einem datengetriebenen Unternehmen bewältigen und sich tendenziell erfolgreicher in der Umsetzung von Digitalisierungsstrategien positionieren. Dass Technologien wie Cloud und Machine Learning hierbei wichtige Themen sind, ist mittlerweile „Common Sense“.

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Warum investieren aktuell Kunden in Software-Tools für BI und Data Analytics? Welche Themen treiben diese Entwicklung?

Mario Zillmann: Wie eben schon angedeutet, verändern sich derzeit viele klassische, lineare Geschäftsmodelle hin zu digitalen Geschäftsmodellen. Für die Unternehmenssteuerung bedeutet dies, kurzfristiger planen und auf Marktveränderungen reagieren zu müssen als bisher. Predictive, also der Blick durch die Frontscheibe anstelle des Rückspiegels, wird immer mehr zum avisierten Standard – also das, was wir unter einem datengetriebenen Unternehmen verstehen.

Welche Faktoren behindern Kunden bei der Einführung von BI und Data-Analytics-Tools?

Mario Zillmann: Aus unserer Sicht sind dies vor allem immer noch die Klassiker wie fehlende beziehungsweise einheitliche Data Governance, Stammdatenprobleme, Daten- und Organisations-Silos sowie technologische Hürden aufgrund von veralteten IT-Systemen. Fehlende Transparenz ist ebenfalls eine wichtige Hürde, denn häufig wissen viele Unternehmen gar nicht, über welche Daten sie überhaupt verfügen.

Wie wichtig wird Tool-Kompetenz zukünftig für Beratungsunternehmen sein?

Mario Zillmann: In gleichem Zuge wie die Digitalisierung für die Branche an Bedeutung gewinnt, nimmt die Relevanz an digitalen Beratungswerkzeugen stark zu. Da immer mehr Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren und an digitalen Geschäftsmodellen arbeiten, gewinnen Daten zwangsläufig an Bedeutung. Themen wie Künstliche Intelligenz und Process Mining gelangen darüber hinaus zur Marktreife und die Unternehmen erwarten hier von ihren Beratungsdienstleistern entsprechende Kompetenz. Das Thema wird uns also dauerhaft begleiten.

Über die Person

Mario Zillmann ist seit 2007 bei der Lünendonk & Hossenfelder GmbH tätig und verantwortet als Partner Research- und Beratungsthemen im IT-Markt. Sein Fokus liegt auf den Märkten IT-Beratung, IT-Sourcing-Beratung, BI-Software, Customer Experience Services und Engineering Services. Thematisch beschäftigt er sich u.a. mit den Themen Customer Experience Services, Cloud Sourcing, Künstliche Intelligenz, Ambidextrie und agile Transformation.

/jj

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