Neun Fragen an Nicola Heider, KBC

Weibliche Consultants im Interview

Nicola Heider von Kemény, Boehme & Company (KBC) gibt uns im Interview Einblicke in ihren Arbeitsalltag als weibliche Consultant. Sie verrät uns, wie sie zum Consulting gekommen ist, was ihr an ihrem Job besonders Spaß macht und weshalb Frauen gut in die Branche passen.

Wie sind Sie zur Beratung gekommen?

Nicola Heider: Zwischen meinem Bachelor- und Masterstudium absolvierte ich ein Praktikum bei einem Automobilhersteller. Dort habe ich dann meine heutigen KBC-Kollegen, die bei diesem Unternehmen beratend tätig waren, kennengelernt. Meine Neugierde und mein Tatendrang hatten wohl Eindruck hinterlassen und so kamen wir ins Gespräch. Für mich war die Beratung seit dieser Praktikumserfahrung hoch im Kurs, da ich einen Job wollte, bei welchen ich meinen Wissensdurst stillen und gleichzeitig meine Ideen auf so vielfältige Weise einbringen konnte. Für meinen Berufseinstieg bei KBC habe ich mich letztendlich nach meinem Praktikum dort entschieden, da ich wusste, mich hier entsprechend meiner Fähigkeiten und Stärken entwickeln zu können und ich mich im KBC-Team direkt sehr wohl gefühlt habe.

 Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders Spaß?

Nicola Heider: Mich begeistert es Probleme an der Wurzel zu greifen, maßgeschneiderte Lösungen zu erarbeiten und diese in die Umsetzung zu bringen. Als Beraterin nimmt man an einem Tag verschiedene Rollen ein und das ist nicht nur spannend, sondern sorgt auch für Abwechslung. Dieser Aspekt ist mir persönlich sehr wichtig.

Außerdem habe ich mir eigens Ziele für den Berufsalltag gesetzt, die so sicherlich in keinem Mitarbeiter-Bewertungsbogen zu finden sind. Für mich ist es bspw. wichtig, dass mein Gegenüber, d.h. mein Ansprechpartner auf Kundenseite, sowie meine Teammitglieder mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Dabei spreche ich nicht nur von Positivität. Aus meiner Sicht muss häufig erst Platz geschaffen werden, damit etwas Gutes bzw. Neues entstehen kann. Dazu sind dann manchmal auch ein etwas schmerzhafterer Prozess und ein Umdenken notwendig.

Warum passen Frauen gut ins Consulting?

Nicola Heider: Gegenfrage: Warum passen Männer gut ins Consulting? Unser Denken ist noch immer etwas auf Stereotypen gegründet, dabei bin ich der festen Überzeugung, dass wir alle - egal ob Frau oder Mann – eine empathische, emotionale, weiche („weibliche“) und eine dominante, logische, starke („männliche“) Seite haben. Ich glaube schon, dass unser Geschlecht einem ursprünglichen Naturell folgt und unsere Wesenszüge auch historischen Einflüssen unterliegen, die Stärke der Ausprägung ist aber personenabhängig und deshalb würde ich es immer von der Person selbst abhängig machen, ob sie gut in die Beratung passt.  

Viel wichtiger finde ich die Balance zwischen diesen beiden Polen im Arbeitsumfeld, und dabei die Consultingbranche nicht ausgenommen, zu finden. Während wir Frauen oft versuchen müssen uns mit „männlichen“ Eigenschaften in Führungspositionen zu kämpfen, müssen die „weiblichen“ Eigenschaften an Wert in der Arbeitswelt zunehmen. Aus diesem Grund glaube ich, dass es auch der Consulting Branche guttut, einen guten Mix aus weiblichen und männlichen Fach- und Führungskräften mit unterschiedlichen Wesenszügen zu haben.

Welche Skills sollte man als Frau auf jeden Fall für die Consultingbranche mitbringen?

Nicola Heider: Man sollte auf jeden Fall nicht alles persönlich nehmen und etwas durchlässig werden, falls man sich als einzige Frau plötzlich in einem Hahnenkampf wiederfindet. Das hilft, schneller aus schwierigen Situationen auszutreten und sich wieder auf relevante Inhalte zu konzentrieren.

Ebenso erachte ich es als wichtig, die eigenen Werte und Überzeugungen zu kennen und nach außen zu vermitteln und zu vertreten. Damit meine ich, dass sie das Wort proaktiv für sich selbst ergreifen und den eigenen Standpunkt bewusst vertreten. Da Frauen jedoch als das eher „sanftere“ Geschlecht gelten und meist etwas konfliktscheuer sind, vermeiden sie dies häufig.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, um als Frau in der Consultingbranche zu arbeiten?

Nicola Heider: In der Consulting-Branche werden gerne KPIs und greifbare Fakten definiert, um Erfolg zu messen. Die eigene Leistung wird demnach ebenfalls an diesen „harten“ Faktoren gemessen. Damit muss man umgehen können, ohne den eigenen Wert daran festzumachen bzw. sich darüber zu definieren. Weiche Faktoren wie bspw. ein harmonisches Miteinander beim Kunden oder im Team sind genauso wichtig, lassen sich aber nun Mal deutlich schwerer messbar machen.

Auf einer Skala von 1-10: Wie „männer-dominiert“ würden Sie die Consultingbranche insgesamt einstufen? „10“ bedeutet „sehr männer-dominiert“, „0“ bedeutet „überhaupt nicht männer-dominiert“. Begründen Sie bitte kurz Ihr Urteil.

Nicola Heider: Von mir wird die Consultingbranche tatsächlich als sehr „männer-dominiert“ wahrgenommen. Ich würde daher eine 7 vergeben. Damit sich an dieser Tatsache etwas ändert, sind sowohl die Unternehmen als auch die Frauen selbst gefragt. Menschen neigen im Allgemeinen dazu, sich eine Umgebung zu suchen, die ihnen vertraut und sicher vorkommt und wählen daher oft unbewusst das bereits Bekannte. Damit wird es umso wichtiger, dass alte Strukturen hinterfragt werden und die Branche insgesamt offener für weibliche Beraterinnen wird. Gleichzeitig kann ich Frauen nur raten „mutig“ zu sein, sich in der Consultingbranche zu behaupten und damit bewusst anderen Frauen den Weg zu bereiten.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, damit der Frauenanteil in der Führungsspitze bei Beratern von aktuell 19% in den nächsten fünf Jahren zumindest auf 30% ansteigt?

Nicola Heider: Ich denke hierfür sind zwei Dinge notwendig.

Zunächst müssen wir Frauen uns zu 100% zutrauen, Führungsverantwortung zu übernehmen. Ich denke, viele Frauen neigen dazu, nicht zu groß zu denken. Wir grübeln im Vorfeld häufig viel zu lange darüber, ob wir einer Aufgabe wirklich gewachsen sind, während unsere männlichen Kollegen unter Umständen schon damit losgelegt haben. Wir Frauen müssen unser eigenes Potential in seinem vollen Umfang anerkennen und uns trauen loszulegen.

Außerdem müssen bestimmte Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen werden. Es muss möglich sein, neben einem Fulltime-Job Kinder großzuziehen und eine Partnerschaft zu pflegen. Hierfür benötigen wir ein großes Maß an Eigenbestimmtheit, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Es ist nicht immer zwingend notwendig, bei einem Kunden vor Ort zu sein. Ein virtueller Austausch reicht oft auch - das hat uns die Corona-Zeit gezeigt. An dieser Eigenbestimmtheit müssen wir festhalten und gleichzeitig das Vertrauen stärken, dass Karriere und Familie auch ohne Erfolgseinbußen funktioniert.

Welche drei Tipps würden Sie Absolventinnen geben, die gerade in die Consultingbranche einsteigen?

1.      Schnappe Dir jede Möglichkeit Dich unter Beweis zu stellen und beginne möglichst früh damit. Dadurch lernt man nicht nur schnell, sondern wird auch wahrgenommen.

2.      Es klingt etwas abgedroschen, aber ich finde es wichtig: Sei authentisch. Ich habe schon viele Erfolge erzielt, indem ich etwas frech und nach eigenem Ermessen vorgegangen bin. Das passt aber bestimmt nicht zu jedem, deshalb gilt: Finde Deinen eigenen Beratungsstil.

3.      Suche Dir neben einem Mentor auch einen „Sponsor“.  Damit meine ich einen erfahreneren Kollegen oder eine Kollegin, der/die Dir viel zutraut, es wagt für Dich einzustehen und Dir damit Türen öffnet, damit Du Deine Fähigkeiten wahrhaftig unter Beweis stellen kannst.

Gibt es ein Buch oder einen Film (auch Serien), dass Sie in den vergangenen Monaten begeistert hat? Wenn Ja, warum?

Nicola Heider: Für mich war das Buch „die Regeln des Glücks“ von Howard C Culter, ein Interview mit dem Dalai Lama, eines der Bücher, zu denen ich einen direkten Zugang fand. Ich habe das Buch das erste Mal schon vor ca. 10 Jahren gelesen und hole es seither immer wieder hervor, um einzelne Passagen nachzulesen. Der Dalai Lama unterbreitet Howard Cutler in dem Buch für alltägliche Situationen seine vielen kleine Lebensweisheiten, um Zufriedenheit und ein friedliches Glücksgefühl zu finden. Dabei geht es vor allem um unsere Denk- und Verhaltensweisen, also Dinge, die wir wirklich beeinflussen können. Die Weisheiten des Dalai Lamas sind dabei so einfach formuliert, dass wir uns erinnern, dieses Wissen bereits zu besitzen. Durch unsere Verstrickung mit den Geschehnissen in der Außenwelt, können wir es häufig nur nicht so schnell abrufen. Glücklicherweise können wir aber unseren Geist darauf schulen, indem wir Einstellung und Ansichten überprüfen und anpassen. In diesem Buch findet man hierzu viel Inspiration.

Zur Autorin:

Nicola Heider ist Manager bei KBC und seit über 5 Jahren im Beratungsgeschäft tätig. Ihr Fokus liegt auf der Automotive Industrie mit fachlichem Schwerpunkt auf Digitalsierungsthemen sowie Auswirkungen neuer Technologien auf Entwicklungsprozesse und Organisation. Neben ihrer Beratertätigkeit ist sie zertifizierte Yogalehrerin und konnte aus ihrer Zeit in Indien als Yogaschülerin viel für den Berateralltag mitnehmen.

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cb

Veröffentlicht am: 31.07.2020

 

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