Neun Fragen an Monika Pichler, 3DSE

Weibliche Consultants im Interview

Wir haben Monika Pichler von 3DSE im Interview gefragt, was ihrer Meinung nach die größte Herausforderung für Frauen in der Consultingbranche ist und welche Skills man als Frau in der Consultingbranche haben sollte. Außerdem gewährt sie uns Einblicke in ihren Arbeitsalltag als weibliche Consultant.

Wie sind Sie zur Beratung gekommen?

Monika Pichler: Ein Kundenprojekt, das ich im Rahmen eines Unikurses meines Masterstudiums in den Niederlanden begleitet habe, hat mir klargemacht, dass ich in die Beratung will. Nach meinem Studium hat mir ein Praktikum dazu verholfen in der Beratung Fuß zu fassen.

Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders Spaß?

Monika Pichler: Das Gefühl jeden Tag kleine Veränderungen zu generieren und den Kunden so näher an sein Ziel zu bringen, macht mir besonders viel Spaß.

Warum passen Frauen gut ins Consulting?

Monika Pichler: Meiner Erfahrung nach haben Frauen eine ausgeprägtere emotionale Seite, welche sie befähigt aufmerksamere Beobachterinnen zu sein als Männer.
Consulting ist bekanntlich ein People Business - Zwischenmenschliche Konstrukte bzw. Konflikte im Projekt wahrzunehmen und darauf entsprechend empathisch zu reagieren, ist ein ausschlaggebender Faktor für eine erfolgreiche Projektumsetzung.  

Welche Skills sollte man als Frau auf jeden Fall für die Consultingbranche mitbringen?

Monika Pichler: Schlagfertigkeit und ein kühler Kopf sind bestimmt von Vorteil und helfen sich beim Kunden zu positionieren.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, um als Frau in der Consultingbranche zu arbeiten?

Monika Pichler: Frauen zweifeln sehr oft an sich selbst und verkaufen sich kleiner als sie eigentlich sind. In der Beratung ist es jedoch notwendig, in allen Situationen Kompetenz auszustrahlen, um so das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

Auf einer Skala von 1-10: Wie „männer-dominiert“ würden Sie die Consultingbranche insgesamt einstufen? „10“ bedeutet „sehr männer-dominiert“, „0“ bedeutet „überhaupt nicht männer-dominiert“. Begründen Sie bitte kurz Ihr Urteil.

Diese Frage lässt sich durch eine Zahl nicht beantworten, da sie sehr branchenabhängig ist. Frauen in der technischen Beratung sind aktuell aber noch stark in der Minderheit, was u.a. aber damit zusammenhängt, dass MINT-Berufe noch überwiegend männerdominiert sind.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, damit der Frauenanteil in der Führungsspitze bei Beratern von aktuell 19% in den nächsten fünf Jahren zumindest auf 30% ansteigt?

Monika Pichler: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere auf Führungsebene in der Beratung ist derzeit noch nicht gegeben. Es müsste bessere Konzepte und flexiblere Arbeitsmodelle geben, die es auch Frauen mit Kindern erlauben, eine Führungsposition in der Beratung zu bekleiden. Davon würden auch Männer profitieren.

Welche drei Tipps würden Sie Absolventinnen geben, die gerade in die Consultingbranche einsteigen?

1.      Durchhalten, denn aller Anfang ist schwer! Ein Netzwerkaufbau mit anderen, z.T. auch erfahreneren Beraterinnen kann durchaus helfen sich gegenseitig zu bestärken und auszutauschen.

2.      Ein Ausgleich neben dem Job ist fundamental, um sich vom Alltagsstress zu regenerieren und den Kopf frei zu bekommen.

3.      Consulting erfordert Kompromisse, insbesondere in Bezug auf das Privat- und Sozialleben. Um unglücklich sein zu vermeiden, sollte man früh entscheiden, ob man bereit ist diese Kompromisse einzugehen.

Gibt es einen Buch oder einen Film (auch Serien), dass Sie in den vergangenen Monaten begeistert hat? Wenn Ja, warum?

Monika Pichler: Ich lese zurzeit „Herkunft“ von Sasa Stanisic. Das Buch thematisiert die Frage, ob die eigene Identität vom jeweiligen Geburtsland abhängig ist.  

Als gebürtige Südtirolerin, sprich deutschsprachige Italienerin, die seit ihrem 18.ten Lebensjahr im Ausland lebt und als Beraterin (vor Covid-19) viel unterwegs ist, stellt sich mir die Frage der eigenen Identität sehr häufig. 

Über die Autorin:

Monika Pichler ist Junior Consultant bei 3DSE Management Consulting. Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der technischen Produkt- und Prozessentwicklung & System Engineering.

 

cb

 


Veröffentlicht am: 29.07.2020

 

Kommentare (2)

  1. Elke Wenzel am 29.07.2020
    Interessante Antworten und Ansichten, die ich nachvollziehen kann und auch teile. Danke für die drei Tipps, sicherlich für alle zukünftigen Beraterinnen hilfreich.
  2. Annica-Maria Brugger am 29.07.2020
    Tolles Interview - bestimmt auch inspirierend für andere junge Frauen, die sich für's Consulting entscheiden oder bereits entschieden haben.

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