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Wirtschaft im Umbruch: Nachhaltigkeit ist die neue Digitalisierung

Welche ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsthemen sind aktuell weltweit und in Deutschland am wichtigsten? Was sind die Treiber? Welche Formen der Nachhaltigkeitsberatung bieten Consulting-Unternehmen? Und schließlich: Was tun Beratungshäuser dafür, selbst nachhaltig zu wirtschaften? Diesen und weiteren Fragen wollen wir hier auf CONSULTING.de in den kommenden Wochen nachgehen. Dabei werden wir Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft, Beratung und Unternehmenspraxis zu Wort kommen lassen. Hier eine Einführung in die Bedeutung des Themas und grundsätzliche Auswirkungen auf die Consulting-Branche.

So häufig wie heutzutage wurden Unternehmen wahrscheinlich noch nie mit ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung konfrontiert. Die Gründe dafür sind vielfältig: Beispielsweise gilt es gesetzgeberische und regulatorische Rahmenbedingungen wie die EU-Taxonomie für nachhaltiges Investment oder das ab dem 1. Januar 2023 geltende deutsche Lieferkettengesetz im Blick zu haben, beziehungsweise sich auf die Anforderungen an das Reporting vorzubereiten. 

Treiber des Wandels: Gesetzgeber, Kunden, Mitarbeitende

Dazu gesellt sich der Druck unterschiedlicher Interessensgruppen: NGOs machen auf Missstände in Produktionsländern aufmerksam, Konsumierende wünschen sich klima-neutrale Produkte und Mitarbeitende nachhaltiges Wirtschaften und gelebte Diversity von ihren Arbeitsgebern. 74 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland fordern, dass Unternehmen in ihrem Wirken Umwelt und Klima schützen sollten, so die Studie „Authenticity Gap 2021“ von FleischmannHillard. Auch soziales Engagement ist hoch im Kurs, wie eine Befragung der Beratungshäuser Wider Sense und Influence|SG zeigt: 57 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, von denen sie etwas kaufen, gesellschaftlich engagieren sollten. 

Rohstoffmangel zwingt zum Umdenken

Die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit wächst aktuell auch aufgrund des Krieges in der Ukraine. Es führt neben dem menschlichen Leid vor Augen, welche Auswirkungen Rohstoff- und Nahrungsmittelknappheit sowohl global als auch auf Deutschland bezogen haben können.

„Möglichst ressourcenschonend produzieren zu können wird als unternehmerische Aufgabe noch einmal wichtiger“,

sagt Ralf Strehlau, Präsident des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater im Interview mit CONSULTING.de. „Infolgedessen wird Nachhaltigkeit auch als Finanzierungsthema an Bedeutung zulegen. In der Beurteilung von Kreditrisiken werden Banken den Stand eines Unternehmens beim Thema Sustainability mitberücksichtigen.“ 

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den Chefetagen angekommen

Das haben viele Finanzverantwortliche in Unternehmen bereits erkannt, wie eine Umfrage der Managementberatung Horváth unter 200 internationalen CFOs zeigt: 60 Prozent der Befragten über alle Branchen hinweg sehen Nachhaltigkeit als maßgebliche Herausforderung. Vorne liegt die Automobilindustrie, wo 80 Prozent der Finanzchefs Nachhaltigkeit als zentrales Thema ansehen. Und im KPMG CEO Outlook berichten rund zwei Drittel aller CEOs weltweit, dass sie sich mit gestiegenen Anforderungen ihrer Stakeholder – wie Investoren, Regulatoren und Kunden – in Bezug auf Transparenz und Reportingpflichten zu ESG-Themen konfrontiert sehen. Und 74 Prozent der deutschen CEOs gehen davon aus, in Zukunft zunehmend persönlich in die Verantwortung genommen werden, ESG-Aspekte im Unternehmen adäquat zu adressieren.  

Der Megatrend Nachhaltigkeit und die Consultingbranche

Der zunehmende branchenübergreifende Handlungsdruck in Sachen Nachhaltigkeit macht sich auch in der Consulting-Branche bemerkbar. "So ähnlich wie die Digitalisierung ein Gamechanger für Geschäftsmodelle war, passiert es jetzt mit der  Sustainability. Das Thema setzt bei der Strategieentwicklung an und diffundiert über die gesamten Themenstellungen der Beratung - von Produktentwicklung über Supply Change Management bis hin zu HR", beobachtet Ralf Strehlau. Der Bedeutungszuwachs für die Branche lässt sich grob an zwei Aspekten festmachen:

•    Bezogen auf die Potenziale eigener Sustainability-Beratungsangebote: Stand 2020 hatte die Sparte „Nachhaltiges Wirtschaften“ laut BDU-Studie „Facts & Figures zum Beratungsmarkt“ mit einem geschätzten Umsatz von 657 Millionen Euro einen Anteil von 1,9 Prozent am Gesamtumsatz der Branche (34,6 Milliarden Euro). Tendenz deutlich steigend, für 2022 gehen die Befragten der jährlichen Erhebung von einem erneuten Umsatzplus von 12 Prozent aus.

•    Bezogen auf die eigene Environmental Social Responsibility: Consulting-Häuser erhalten als Teil einer Lieferkette gerade von großen Kundenunternehmen zunehmend Vorgaben hinsichtlich ihrer Environmental Social Governance. Auch die eigenen Mitarbeitenden haben inzwischen gewachsene Ansprüche an das nachhaltige Wirtschaften ihres Arbeitgebers. 

Auch wenn die wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine noch nicht vollend absehbar sind - der BDU-Präsident Strehlau geht vor dem Hintergrund der eingangs skizzierten Rahmenbedingungen davon aus, dass die Nachfrage nach Beratungdienstleistungen allgemein, aber auch im Bereich Sustainability im Speziellen, weiter wachsen wird: 

Der Krieg in der Ukraine, die Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit, aber auch die weiterlaufende Corona-Pandemie wirken sich zwangsläufig auf das Wirtschaftsgeschehen aus. Die hieraus resultierende Notwendigkeit zur Anpassung erweist sich regelmäßig als Treiber für die Consultingbranche. Denn: Aus Veränderung entsteht oft ein höherer Beratungsbedarf.

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