Ein Booster für die Nachhaltigkeit: Digitale Daten

Iris Grewe, BearingPoint

Sei es der aktuelle Bericht des Weltklimarates, die kürzlich schmerzhaft sichtbar gewordene Energieabhängigkeit Deutschlands oder der lauter werdende Ruf nach fairen Lieferketten - Anlässe für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gibt es genug. Aber was tun, um dem grünen und ethischen Handeln tatsächlich Bahn zu brechen? Iris Grewe, Deutschland-Chefin von BearingPoint, findet: Den Schlüssel dazu haben wir bereits in der Hand. In ihrem Artikel beschreibt sie, wie digitale Daten die nachhaltige Transformation beschleunigen können.

(Bild: picture alliance / BSIP | AMELIE-BENOIST)

Häufig halten wir die Lösung für ein Problem bereits in der Hand, ohne es zu sehen.

Christian Morgenstern hat dieses Phänomen wunderbar auf den Punkt gebracht, als er schrieb: „Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht“.

Auf unsere moderne Welt bezogen, denke ich da an digitale Daten. Jedes Mal, wenn wir digitale Technologien nutzen, produzieren wir Daten in großen Mengen. Doch wirklich sehen - also nutzen - können wir sie erst dann, wenn wir sie zielgerichtet sammeln und auswerten.

Beispiel aus dem Alltag: Energieverbrauch beim Smartphone

Vermutlich kennen viele das folgende Beispiel aus dem Alltag: Der Akku des Smartphones ist schon wieder fast leer, obwohl er kürzlich noch komplett geladen war. Wir wundern uns und überlegen, ob die Leistungsfähigkeit des Akkus nachgelassen hat. Erst der Blick in die Batterie-App des Smartphones offenbart die Ursache des großen Energiehungers. Mitunter tauchen Apps ganz oben in der Liste der Hauptverbraucher auf, die wir weder aktiv nutzen noch brauchen, die aber im Hintergrund eifrig Energie fressen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Nachhaltig im Bereich der Energienutzung geht anders.

Dank der kleinen Batterie-App, die die Verbrauchsdaten für uns sammelt und die laufenden Prozesse durchleuchtet, können wir das Problem auf einen Blick erkennen und lösen. Meist reicht hier ein Klick aus, um Energie, Kosten und Nerven zu sparen und zugleich einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Ohne die Nutzung und Auswertung der entsprechenden Daten wäre dies jedoch nicht möglich gewesen. Wir würden den Status Quo nicht kennen. Nicht wissen, wo wir stehen und was zu tun ist, um die Situation zu verbessern. Erst wenn wir das ganze Bild sehen, können wir vorhandene Probleme erkennen, Prozesse ganzheitlich betrachten, diese neu denken und gestalten.

Verzerrte Wahrnehmung durch objektive Datenanalyse ersetzen

Was im Kleinen mit nützlichen Apps auf unserem Smartphone funktioniert, das geht auch im Großen. Einige Unternehmen haben dies bereits erkannt und arbeiten daran, vorhandene Informationen und Daten zu nutzen, um die Nachhaltigkeitsagenda zu gestalten.

Denn wenn wir wirklich klimaneutral wirtschaften wollen, Transparenz hinsichtlich der Lieferkettenethik erreichen und Unternehmen verantwortungsvoll steuern möchten, müssen wir die umfassende Datennutzung mittels zeitgemäßer Technologien angehen.

Ein Grundproblem, weshalb Prozesse häufig nicht nachhaltig laufen, liegt auch in der menschlich verzerrten Wahrnehmung. Wir glauben intuitiv zu wissen, welche Faktoren unseren CO2-Fußabdruck beeinflussen. Allerdings sind die Hauptreiber oftmals nicht diejenigen, die wir meinen, als Priorität erkannt zu haben – ähnlich wie beim oben genannten Smartphone-Beispiel. Erst die objektive Datenanalyse bringt die Realität zum Vorschein.

Treibhausgas-Screening als Basis für Empfehlungen

Mit dem BearingPoint Emissions Calculator helfen wir beispielsweise Unternehmen dabei, ihre CO2-Emissionen über die gesamte Lieferkette hinweg zu messen und zu reduzieren. Auf Basis des Treibhausgas-Screenings können wir zielgenaue Empfehlungen aussprechen, wo und wie notwendige Prozesse verändert werden sollten, um das Nachhaltigkeitsergebnis zu verbessern. Wir selbst verwenden den Emissions Calculator seit Jahren, um unseren eigenen CO2-Fußabdruck zu bestimmen und zu verbessern. Als Bestandteil unserer langfristigen Ambition in Richtung „Netto-Null-Emissionen“ haben wir ein Reduktionsziel für 2025 formuliert: Die unternehmensweiten Emissionen aus dem Referenzjahr 2019 sollen bis dahin um die Hälfte reduziert werden. Die darüber hinaus verbleibenden Emissionen, beispielsweise für Geschäftsreisen, IT und den Bürobetrieb, werden weiterhin vollständig kompensiert.

Hierbei geht es auch immer darum, das Thema Nachhaltigkeit als integralen Teil der ESG (Environmental Social Governance) Agenda zu sehen und in den Kontext der unternehmerischen Verantwortung (Corporate Social Responsibility - CSR) zu setzen. Nur an bestimmten Stellschrauben zu drehen, mag in einzelnen Bereichen zu verbesserten Ergebnissen führen, langfristig bleiben so aber die notwendigen, ganzheitlichen Nachhaltigkeitsziele unerreicht. Versteht man jedoch die Daten als Schlüssel zur Transparenz über alle Unternehmensbereiche hinweg, hat man ein starkes Instrument in der Hand, auf dessen Basis sich eine ESG Agenda definieren lässt und konkrete Umsetzungsentscheidungen getroffen werden können.

Von Green IT zu IT for Green

Natürlich verbrauchen die Datenhaltung als auch die Technologie zur Datenauswertung Energie. Doch sobald wir die dafür notwendige Technologie mit grüner Energie betreiben und sie damit CO2-neutral machen können, schließt sich der Kreis im Sinne der Nachhaltigkeit.

Im Bereich Green IT sind bereits viele Unternehmen und Betriebe in Deutschland auf einem guten Weg. Jetzt gilt es, darauf aufbauend den nächsten Schritt zu gehen und mittels digitaler Technologien das eigene Nachhaltigkeitsergebnis zu verbessern – IT for Green.

Eine aktuelle Bitkom-Studie hat das Potenzial am Beispiel des Gebäudesektors veranschaulicht. Demnach können digitale Technologien fast ein Drittel dazu beitragen, dass der Gebäudesektor in Deutschland, einer der Hauptverursacher von CO2-Emissionen, seine Klimaziele für das Jahr 2030 erfüllt. Es sind also gerade Informations-Technologien und smarte Algorithmen, die weltweit die meisten innovativen Nachhaltigkeitsprojekte antreiben. Dies sollte Unternehmen Mut machen, ab sofort noch deutlich stärker in die Digitalisierung und Virtualisierung zu investieren.

Fazit

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit der Kraft der Technologie – mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz, Robotik, Digitalen Zwillingen, Augmented Reality und Automatisierung – unsere Wirtschaft in wenigen Jahren unabhängiger von ineffizienten Produktionsprozessen, fragwürdigen Arbeitsbedingungen und schmutzigen Lieferwegen machen können. Diese Schlüsseltechnologien sind keine Science-Fiction. Wir haben sie bereits in der Hand. Lassen Sie uns dem grünen und ethischen Wirtschaften mittels digitaler Daten endlich mal richtig Schub verleihen!

Über Iris Grewe

Iris Grewe ist Partner und Regionalleiterin Deutschland, Schweiz, Österreich bei der Management- und Technologieberatung BearingPoint. Neben ihrer übergreifenden Verantwortung für das Geschäftsergebnis in der Region leitet Iris Grewe seit mehr als 15 Jahren globale Projekte und Programme im Bereich Strategie, Transformation und Integration. Als Autorin verschiedener Publikationen beschäftigt sich Iris Grewe mit Innovationen, Effizienz und Nachhaltigkeit im Bankensektor sowie agiler Unternehmenstransformation.

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