„Schnell handeln und Nachhaltigkeit in die Prozesse integrieren“

Interview mit Armin Neises, WAVES

Mit seiner Cloud-basierten Sustainability Managemt Platform bietet WAVES Unternehmen die Möglichkeit, die Emissionen ihrer Produkte über die gesamte Lieferkette transparent machen. Die Lösung wurde 2021 als „Cloud Tech Innovator of the Year“ ausgezeichnet. Einer der Gründer Armin Neises sprach mit CONSULTING.de über die Hintergründe und Ziele.

Die Sustainability Management Platform richtete sich zunächst an Unternehmen aus dem Bereich Logistik. Inzwischen sind Lösungen für weitere Branchen hinzugekommen. (Foto: WAVES)

Was war der Auslöser für die Gründung von Waves?

Armin Neises: Als Gründer von WAVES wollte ich mit all meiner Erfahrung, die ich in den letzten Jahrzehnten u.a. als Umwelt-, Energie- und Nachhaltigkeitsmanager, in der Industrie gesammelt habe, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit schärfen und den vielen Führungskräften, Managern und Experten eine Lösung an die Hand geben, womit sie den Einfluss ihres Handelns auf die Nachhaltigkeitsaspekte, insbesondere auf Umwelt und Gesellschaft, erkennen und ihre negativen Auswirkungen reduzieren können.

Wir müssen uns vor Augen halten, dass der menschengemachte Klimawandel maßgeblich die Ursache in unserem Wohlstand hat und die Industrie hat die große Verantwortung, negativen Auswirkungen zu reduzieren.

Welche Nachhaltigkeitsthemen wollten Sie speziell angehen?

Armin Neises: Als ersten Fokus haben wir bei WAVES die CO2-Emissionen gewählt, denn sie haben den größten Einfluss auf den Klimawandel. Des Weiteren geht es darum, auch alle anderen Umweltauswirkungen in Form von Umwelt-Indikatoren sowie die sozialen Aspekte entlang einer vielfach weltweiten Lieferkette transparent zu gestalten, wie im Lieferkettengesetz definiert. Die EU Taxonomie und CSRD sind zwei Direktiven, die ausgehend von der EU einen direkten Einfluss auf die Unternehmen haben werden. Die gesellschaftliche Rahmenbedingung in Bezug zu den Energiepreisen zeigt sich im Besonderen in der aktuellen Phase, die durch den Krieg beeinflusst wird. Es geht zum einen im Sinne des Klimawandels darum, CO2-Emissionen zu reduzieren, jedoch aus betrieblicher Sicht sollte es jedem klar sein, dass angesichts der hohen Preise jede Energieeinsparung auch eine deutliche Kostenreduzierung bedeutet.

Könnten Sie kurz die Leistungen und einen typischen Anwenderfall Ihrer Lösung beschreiben?

Armin Neises: Der Produzent eines Produktes, ob Auto, Computer, T-Shirt oder Nahrungsmittel, kann z.B. die Emissionen, insbesondere die sogenannten CO2-Emissions-Äquivalente, die bei der eigenen Produktion entstehen, berechnen lassen und dabei alle vor- und nachgelagerten Transporttätigkeiten einbeziehen. Darüber hinaus geht es weiter in der Lieferkette über alle Lieferanten und Vorlieferanten. Der große Nutzen von WAVES ist es, dass wir die gesamte Lieferkette in Form von verlässlich berechneten Indikatoren transparent abbilden können. Dabei werden die relevanten Indikatoren bereitgestellt, die verantwortlich handelnde Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsberichten sowie in der unmittelbaren Kommunikation hin zu ihren Kunden, Banken und Investoren nutzen können.

Was verbirgt sich speziell hinter der Sustainability Management Platform?

Armin Neises: Das Prinzip lässt sich mit Lego-Bausteinen vergleichen. Die Plattform ist die Grundplatte, die das Fundament mit den notwendigen Funktionen abbildet, hierbei arbeiten wir mit der Cloud-Technologie auf dem AWS-Cloud-Server in Frankfurt, wodurch die Datensicherheit garantiert wird. Die Lizenz für jedes einzelne Modul kann von unseren Kunden gekauft werden.

Wichtig dabei ist der Gedanke, dass alle Module auf Transport-, Produktions- und Unternehmensebene miteinander in Verbindung gebracht werden und auf die Plattform passen.

Gibt es Branchen, die Sie mit Ihrer Lösung besonders im Blick haben?

Armin Neises: Wir sind mit ersten Lösungen für die gesamte Logistikbranche gestartet ­­- sowohl mit Blick auf den Frachtführer als auch auf den Frachtzahler. Der gesamte Transportsektor hat einen markanten Einfluss auf den Klimawandel, deshalb sehen wir diese Branche, allerdings auch alle Unternehmen, die Logistik-Dienstleistungen in Anspruch nehmen, in der besonderen Verantwortung.

Welche Weiterentwicklungen sind inzwischen hinzugekommen?

Armin Neises: Inzwischen haben wir Lösungen zur Berechnung der Klimabilanz für Unternehmen und ihre Standorte, ganz gleich, ob es sich um Produktionsstandorte handelt, wie in den Branchen Automotive, Construction, Food & Beverage und Fashion oder um Lagerstandorte oder Bürogebäude handelt. Zudem sind wir mit Hochdruck an der Entwicklung eines Moduls für börsennotierte Unternehmen, die sich nach der neuen EU-Taxonomie bewerten müssen.

Welche technischen Voraussetzungen und Kompetenzen benötigt es auf der Anwenderseite?

Armin Neises: Unsere Ansprechpartner benötigen nur geringe Kompetenz in Bezug zur Nachhaltigkeit, denn darin unterstützen wir insbesondere die Mittelständler. In der Implementierungsphase ist lediglich die IT-Kompetenz auf der Kundenseite notwendig, um die IT-Systeme miteinander in Verbindung zu bringen. Wir finden die unterschiedlichsten Stände und Situation auf unserer Kundenseite vor. Deshalb machen wir am Anfang eine Analyse, um die für den Kunden passende Anbindung an die WAVES SMP herzustellen. Das dauert je nach Datenverfügbarkeit auf der Kundenseite 2 Stunden bis zu 5 Tagen. Danach wird der Aufwand allerdings gleich null sein.

Was wollen Sie mit Waves in fünf Jahren erreicht haben?

Armin Neises: Ich hoffe sehr, dass der Krieg sehr schnell vorbei ist. Auch hoffe ich, dass wir lernen, mit Corona zu leben, ohne große weiteren Opfer. Wir müssen uns aber klar vor Augen halten: Der Klimawandel wird bleiben. Leider zeigt der aktuelle IPCC-Report, dass er sich noch beschleunigen und verheerendere Auswirkungen haben wird.

Deshalb besteht die Notwendigkeit in den Unternehmen, jetzt schnell zu handeln und Nachhaltigkeitsaspekte in die Prozesse zu integrieren, damit wir die negativen Auswirkungen deutlich reduzieren können.

Dabei unterstützt WAVES als Nachhaltigkeits-Experte auch über die nächsten viele Jahre!

Über Armin Neises 

Armin Neises ist CEO der WAVES S.à r.l. und glaubt daran, dass mehr Transparenz in Bezug auf Nachhaltigkeit die Entscheidungen von verantwortungsbewussten Fach- und Führungskräften beeinflussen wird. Deshalb hat er WAVES mit der Vision gegründet, Nachhaltigkeit unter Nutzung der großen Möglichkeiten der Digitalisierung sichtbar zu machen. Damit wird ein Wirtschaften im herkömmlichen Sinne hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften mit der Balance der Aspekte: Ökonomie, Umwelt und Soziales ermöglicht und Nachhaltigkeit fließt in die Prozesse und täglichen Entscheidungen ein.  

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