"Bei uns gibt es keine Ellbogenmentalität"

Eckhard Johanning, Curacon GmbH

Curacon ist eine bundesweit tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Münster. Neben fachlichen Skills sollten BewerberInnen auch eine gute Prise Humor mitbringen. Zehn Fragen an Eckhard Johanning, Leiter Personal bei der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Eckhard Johanning (Bild: Curacon GmbH)

Eckhard Johanning (Bild: Curacon GmbH)

CONSULTING.de: Manche sagen, die Beraterbranche sei schon einmal attraktiver für junge Leute gewesen. Was versprechen Sie denen, die sich dennoch bewerben?

Johanning: In welcher Branche kann man sonst in so kurzer Zeit so viele unterschiedliche Unternehmen von Innen sehen? Ich glaube, die Lernkurve ist in kaum einem anderen Bereich größer und das ist ein großer Pluspunkt für Berufsanfänger. Es gibt natürlich einige negative Assoziationen, zum Beispiel eine hohe, mit dem Job verbundene Reisetätigkeit. Es ist eine Frage, wie man als Arbeitgeber damit umgeht. Bei Curacon haben wir eine Reihe an Maßnahmen eingeführt, die hier positiv entgegenwirken. Dazu zählen flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice-Regelungen. Unser Personalmodell ist auf Nachhaltigkeit und eine langfristige Zusammenarbeit ausgerichtet und entsprechend steuern wir auch solche Dinge wie die Reisetätigkeit und den Umfang der wöchentlichen Arbeitszeit.

CONSULTING.de: Angenommen, Sie sollen eine Anzeige schalten und darin drei Gründe nennen, warum es großartig ist, bei Ihnen in der Firma zu arbeiten. Welche wären das?

Johanning: Als mittelständisches Unternehmehen bieten wir ein persönliches Umfeld mit flachen Hierarchien auf der einen Seite und professionelle Strukturen auf der anderen Seite. Bei uns gibt es keine Ellbogenmentalität – und trotzdem kann man Karriere machen. In einem mittelständischen Unternehmen bekommt man viel mit, man erhält ganzheitliche Einblicke in die Beratungsprojekte – auch das ist ein großer Vorteil für unsere Berufseinsteiger. 

CONSULTING.de: Es heißt immer, die Consulting-Branche sei offen für AbsolventInnen aus allen Studienbereichen. Bei welchen Studiengängen schauen sie dennoch zwei Mal hin?

Johanning: In unseren Beratungsmandaten geht es größtenteils um betriebswirtschaftliche Fragestellungen. Bewerber, die bisher keine Berührungspunkte zu Kern-BWL-Themen hatten – und damit meine ich zum Beispiel Rechnungslegung, Controlling, Finanzierung– müssen uns zumindest glaubhaft vermitteln können, dass sie sich dieses Wissen in kurzer Zeit aneignen können. Anders geht es in unseren Projekten leider nicht. Einarbeitungspläne und Seminare zu Beginn unterstützen hier natürlich. Dazu später mehr. AbsolventInnen, die aus der Wirtschaftsinformatik kommen, haben auch sehr gute Einstiegschancen bei uns. 

CONSULTING.de: Wie sehen bei Ihnen die Auswahlverfahren aus?

Johanning: Das Auswahlverfahren für Berufseinsteiger besteht im Kern aus zwei Vorstellungsgesprächen. Assessment Center und ähnliche Verfahren gibt es bei uns nicht. 

CONSULTING.de: Unabhängig von Ihrem Studien-Background: Bei welchen Themen sollten BewerberInnen unbedingt fit sein?

Johanning: Wir haben tatsächlich eine Kompetenz in unseren Anforderungsprofilen definiert, die man im Studium nicht lernen kann: nämlich Humor. Sich selber nicht so ernst nehmen, zusammen und auch mal über sich selbst lachen können – das ist eine wichtige Voraussetzung, um eine positive Atmosphäre im Gespräch mit unseren Mandanten sowie zu Teamkollegen aufbauen zu können. Das ist neben fachlichen, methodischen und sozialen Skills tatsächlich eine Kompetenz, die einen guten Berater von einem sehr guten Berater unterscheiden kann.

Bild: Curacon GmbH
Bild: Curacon GmbH

 

CONSULTING.de: Was mögen Sie überhaupt nicht im Bewerbungsgespräch? 

Johanning: Es fällt innerhalb von ein paar Minuten auf, wenn jemand gar nicht oder schlecht vorbereitet ist – oder sich verstellt. Diese Gespräche sind dann immer sehr schleppend und für beide Seiten nicht schön zu führen. Man kann sich nicht auf jede Frage vorbereiten, das ist klar. Aber den eigenen Werdegang zusammenfassen, glaubhaft und authentisch vermitteln, warum man der Richtige für den Job ist oder Stärken aufzählen können – das zählt für uns schon zu einer guten Vorbereitung und das erwarten wir entsprechend auch.

CONSULTING.de: Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein, der bislang nur wenig Berührung mit Wirtschaftsthemen hatte? 

Johanning: Wie bereits erwähnt, Grundkenntnisse in betriebswirtschaftlichen Themen erleichtern den Einstieg bei uns enorm. Unabhängig davon profitieren alle Einsteiger bei uns von einem umfangreichen Einarbeitungskonzept: Es gibt sogenannte "Curacon-Blockseminare", diese begleiten unsere Anfänger in den ersten drei Berufsjahren und helfen natürlich auch denjenigen, die zunächst eher branchenfremd sind, beim Einstieg in unsere Themen. Berufseinsteiger bekommen außerdem einen Mentor zugeteilt. Dieser steht die ersten Jahre sowohl bei fachlichen als auch allen anderen, beruflichen Fragen zur Seite. Wir legen großen Wert auf eine ganzheitliche Ausbildung sowie auf die Vermeidung von Unter- oder Überforderungen. 

CONSULTING.de: Warum arbeiten Sie gerne im Consulting?

Johanning: Unsere Mitarbeiter in den Beratungsbereichen schätzen die Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit, den Kontakt zu den Mandanten und das gute Gefühl, dass sie in ihren Projekten etwas bewegen können. 

CONSULTING.de: Wie sieht der erste Tag eines Junior-Consultants bei Ihnen aus?

Johanning: Eigentlich beginnt der erste Tag schon ein paar Tage vorher, nämlich mit einem Anruf durch den Vorgesetzten, der mit dem neuen Mitarbeiter die wichtigsten Fragen rund um den Einstieg bespricht. Das nimmt dann schon mal viel Unsicherheit vor dem eigentlichen Beginn. In der Regel empfängt der Vorgesetzte den Mitarbeiter am ersten Tag persönlich, zeigt den Arbeitsplatz und die Räumlichkeiten und stellt die Kollegen vor Ort vor. So entsteht sehr schnell das positive Gefühl, dass man vom ersten Tag an richtig dazugehört. 

CONSULTING.de: Nach einer Woche fragt ein Neuling nach Work-Life-Balance – frech oder erlaubt?

Johanning: Das ist natürlich eine legitime Frage und wir haben dafür ja auch eine Menge an Instrumenten – flexible Arbeitszeitmodelle, um ein Beispiel zu nennen – mit denen wir antworten können. Natürlich darf sich auch ein Neuling danach erkundigen. Es wäre nur seltsam, wenn derjenige nach einer Woche schon seinen Antrag für ein Sabbatical einreicht... Ich will nicht sagen, dass man sich das "verdienen" muss, aber will man nicht gerade am Anfang möglichst viel lernen, viele Einblicke bekommen? Aus meiner Sicht ist es daher der normale Verlauf, dass am Anfang der beruflichen Laufbahn das Thema "Work" vielleicht mehr Gewicht bekommt als "Life" – und das darf und wird sich im Laufe des Lebens nochmal ändern. Umso schöner, wenn ein Arbeitgeber auf die verschiedenen Lebensphasen mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen reagieren kann. Und das ist bei Curacon der Fall. 

CONSULTING.de:
Vielen Dank, Herr Johanning!

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