"Die Persönlichkeit muss zu uns passen"

Stephan Butscher, Simon-Kucher & Partners

Simon-Kucher & Partners ist eine global tätige Unternehmensberatung mit Fokus auf Strategie, Marketing, Pricing und Vertrieb. Junge Consultants sollten durchaus ein Talent für Kommunikation und Analytik mitbringen. Zehn Fragen an Stephan Butscher, Chief Talent Officer bei Simon-Kucher & Partners.

Stephan Butscher (Bild: Simon-Kucher & Partners)

Stephan Butscher (Bild: Simon-Kucher & Partners)

CONSULTING.de: Herr Butscher, manche sagen, die Beraterbranche sei schon einmal attraktiver für junge Leute gewesen. Was versprechen Sie denen, die sich dennoch bewerben?

Butscher: Ein Hauptgrund wird wahrscheinlich der Ruf sein, welcher der Consultingbranche nachhängt. Berater kommen für ein paar Monate, strukturieren alles neu, werfen langjährige Mitarbeiter raus und so weiter. Simon-Kucher kann sich hier aber eindeutig differenzieren. Einer unserer Leitsprüche: Wir arbeiten auf der Sonnenseite der Beratung beschreibt dies genau: Wir helfen unseren Kunden, Umsätze und Gewinne zu steigern anstatt Kosten zu senken. Außerdem wachsen wir seit zehn Jahren jährlich um über 15 Prozent, und damit schneller als der Beratermarkt selbst. Im Schnitt eröffnen wir ein neues Büro pro Jahr und innovieren unser internes Weiterentwicklungsprogramm für Berater und auch Supportmitarbeiter permanent. Bei uns wird es nicht langweilig.

CONSULTING.de: Angenommen, Sie sollen eine Anzeige schalten und darin drei Gründe nennen, warum es großartig ist, bei Ihnen in der Firma zu arbeiten. Welche wären das?

Butscher: Erstens ist bei uns die Lernkurve steiler als es junge Leute anderswo erwarten würde. Beratung ist vielseitig, so dass alleine on the job jeden Tag viel gelernt wird. Man kann sich frei entwickeln und früh Verantwortung übernehmen. Zudem fördern wir mit individuellen Entwicklungsplänen jedes Karrierestadium. Zweitens komme ich auf unsere Beratungsschwerpunkte auf der Marktseite zurück – TopLine Power, wie wir es nennen. Wir helfen unseren Kunden, gesund zu wachsen, was Jobs schützt und schafft und nicht wegrationalisiert. Das ist vielen unserer BeraterInnen, und mir persönlich, sehr wichtig. Und drittens macht es einfach Spaß bei uns. Wir haben zwar über 1.150 Mitarbeiter weltweit, aber diese sind auf 36 Büros verteilt, was zu einer teilweise sogar familiären Atmosphäre in den einzelnen Büros führt. Es ist normal, dass sich Freundschaften entwickeln und Mitarbeiter auch nach der Arbeit noch etwas zusammen unternehmen.

CONSULTING.de: Es heißt immer, die Consulting-Branche sei offen für AbsolventInnen aus allen Studienbereichen. Bei welchen Studiengängen schauen Sie dennoch zwei Mal hin?

Butscher: Unsere Projekte verlangen überdurchschnittliche analytische Fähigkeiten. Vieles davon lernt man on the job, aber eine Grundaffinität bzw. ein Interesse dafür sollte natürlich gegeben sein. Studiengänge, in denen kaum mathematische oder analytische Themen behandelt werden, könnten einen Einstieg bei uns erschweren, aber nicht unmöglich machen. Denn entscheidend ist immer die Performance des oder der Einzelnen im Interview. Nichtsdestotrotz haben die meisten unserer Mitarbeiter einen wirtschaftlichen, psychologischen, ingenieurs- oder naturwissenschaftlichen Hintergrund. 

CONSULTING.de: Wie sehen bei Ihnen die Auswahlverfahren aus?

Butscher: Nachdem man seine Online-Bewerbung eingereicht hat und sie vom HR-Team positiv bewertet wurde, muss man innerhalb der darauffolgenden Woche ein Online-Assessment absolvieren, in dem dann die eben angesprochenen analytischen Fähigkeiten abgefragt werden. Bei erfolgreicher Absolvierung wird man zum Interviewtag eingeladen. Für den Festeinstieg muss man vier Interviews an einem Tag absolvieren, für ein Praktikum zwei. Das Angebot oder die Absage folgt dann in den Tagen darauf. Dieser Prozess sieht in den Büros weltweit ähnlich aus, kann aber natürlich je nach Standort variieren. 

CONSULTING.de: Unabhängig von Ihrem Studien-Background: Bei welchen Themen sollten BewerberInnen unbedingt fit sein?

Butscher: Kommunikation und analytisches Verständnis sind durchaus Fertigkeiten, die einem den Einstieg bei Simon-Kucher erleichtern und die z.B. auch in den Interviews getestet werden. Genauso wie erste Erfahrungen in Unternehmen durch Praktika, sei es in der Industrie, in der Beratung oder auch in technischen Praktika. Die Persönlichkeit muss auch zu uns passen – ein weiterer Schwerpunkt der Interviews. Exzellente Deutsch- und Englischkenntnisse sowie ein sicherer Umgang mit den Office-Programmen sind natürlich auch ein Muss.

CONSULTING.de: Was mögen Sie überhaupt nicht im Bewerbungsgespräch? 

Butscher: Wenn BewerberInnen offensichtlich nicht sie selbst sind. Ich verstehe immer nicht, warum sich Personen absichtlich verstellen, denn im Alltag ist das ja quasi nicht möglich und erschwert eine erfolgreiche und effiziente Zusammenarbeit ungemein. Es kommen auch immer wieder unvorbereitete BewerberInnen, die weder wissen, was Simon-Kucher genau macht, noch warum sie in die Beratung wollen, noch gute Fragen mitgebracht haben. Das zeigt nicht gerade ein echtes Interesse, zu uns kommen zu wollen.

CONSULTING.de: Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein, der bislang nur wenig Berührung mit Wirtschaftsthemen hatte? 

Butscher: Alle neuen Mitarbeiter nehmen an einem achttägigen Einführungstraining teil, in dem viele Grundlagen vermittelt werden, die in der Beratung notwendig sind. In diesem Training gibt es zum Beispiel auch eine Einheit, die sich Pricing 101 nennt und unsere Königsdisziplin für Einsteiger gut und verständlich wiedergibt. Eine Einheit Finance 101 und eine umfassende Einführung in Excel sind ebenfalls fester Bestandteil unseres Onboardings. Neben diesem On-site Training bekommen Einsteiger je nach Level auch verschiedene Selbstlernmaterialien zugewiesen, die sie in den ersten Monaten durcharbeiten müssen. So garantieren wir, dass neue Consultants schon früh einen Einblick in die verschiedenen Handwerkszeuge bei Simon-Kucher erhalten. In unserem Onboarding-Prozess wird sich zudem in den kommenden Monaten noch viel tun.

CONSULTING.de: Warum arbeiten Sie gerne im Consulting?

Butscher: Nun – ich bin 2011 aus dem konkreten Beratungsgeschäft ausgestiegen und treibe seitdem als Chief Talent Officer die Themen wie Weiterbildung, Entwicklung und Recruiting voran. Vorher war ich jahrelang Partner im Londoner Büro. Damals wie heute macht mir die Projektarbeit wahnsinnig viel Spaß, nur sind es heute eben interne Projekte. Man kommt mit vielen verschiedenen Kollegen und Kunden in Kontakt, lernt viel Neues und ist immer gezwungen, sich in neue Themengebiete einzuarbeiten. Das wird nie langweilig.

CONSULTING.de: Wie sieht der erste Tag eines Junior-Consultants bei Ihnen aus?

Butscher: In Deutschland haben wir neben dem achttägigen Einführungstraining auch einen First Day, an dem alle neuen Mitarbeiter aus unseren fünf deutschen Büros zusammenkommen. Sie bekommen dann einen Überblick über Simon-Kucher und lernen einige wichtige Abläufe, wie z.B. die Abrechnung von Reisekosten, die notwendig sind, um dann schnell erfolgreich Teil eines Projektteams zu werden. Dabei  werden die neuen Kollegen auch mit ihrem Laptop, Handy und der Firmenkreditkarte ausgestattet und haben die Möglichkeit, beim gemeinsamen Essen erste Kontakte zu knüpfen. 

CONSULTING.de: Nach einer Woche fragt ein Neuling nach Work-Life-Balance – frech oder erlaubt?

Butscher: Durchaus erlaubt. Ansprechen schadet ja erstmal nicht und Work-Life-Balance bedeutet ja auch für jeden etwas anderes. In meiner langjährigen Karriere bei Simon-Kucher kann ich mich jedoch nicht erinnern, dass mich jemals jemand in der ersten Woche danach gefragt hätte – eher das Gegenteil – Neu-Starter sind meist sehr motiviert und können in den ersten Wochen und Monaten oft nicht genug bekommen. 

CONSULTING.de: Vielen Dank, Herr Butscher.

Veröffentlicht am: 25.06.2018

 

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