"Ein guter Unternehmensberater braucht eine ausgeprägte Sozialkompetenz"

Christian Töfflinger, microfin Unternehmensberatung GmbH

Christian Töfflinger, Partner bei microfin Unternehmensberatung GmbH, weiß, dass das Image der Beraterbranche gelitten hat - nicht nur wegen der jüngsten Beratungsskandale im Zusammenhang mit der Bundeswehr. Auch das manchmal arrogante Auftreten einzelner Unternehmensberater hat dazu beigetragen. Töfflinger ist dennoch überzeugt davon, dass die Branche eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet. Was Bewerber seiner Meinung nach unbedingt für den Beruf mitbringen sollten, verrät er im Interview.

Christian Töfflinger, microfin Unternehmensberatung GmbH
Christian Töfflinger, microfin Unternehmensberatung GmbH

CONSULTING.de: Manche sagen, die Beraterbranche sei schon einmal attraktiver für junge Leute gewesen. Was versprechen Sie denen, die sich dennoch bewerben?

Christian Töfflinger: Ich denke, die Attraktivität der Branche hat nicht gelitten, sondern das Image. Dazu haben insbesondere die Beratungsskandale – wie etwa jüngst in Zusammenhang mit der Bundeswehr – und das manchmal arrogante Auftreten einzelner UnternehmensberaterInnen ihren Teil beigetragen. Die Beratungsbranche bietet nach wie vor eine Vielzahl an Möglichkeiten: Immer neue Themen, neue Situationen, neue Menschen, womit eine ideale Grundlage zum Lernen geschaffen ist. Wer Abwechslung und Eigenverantwortung mag und gerne mit Menschen arbeitet, ist in der Beratung gut aufgehoben.  
 
CONSULTING.de: Angenommen, Sie sollen eine Anzeige schalten und darin drei Gründe nennen, warum es großartig ist, bei Ihnen in der Firma zu arbeiten. Welche wären das?

Christian Töfflinger: Das fällt mir nicht schwer, obwohl Anzeigen nicht mehr funktionieren:

  1. freundschaftliche, respektvolle, eigenverantwortliche Zusammenarbeit und eine Soziallegastheniker-freie Zone.
  2. Leistung wird gesehen und gewürdigt, ohne Einschränkung. Dabei sind Alter und Geschlecht vollkommen irrelevant.
  3. Zusammenarbeit mit Menschen, die etwas auf dem Kasten haben – wir sind spezialisiert und professionell. Von diesem Know-how kann jede/r profitieren.

CONSULTING.de: Es heißt immer, die Consulting-Branche sei offen für AbsolventInnen aus allen Studienbereichen. Bei welchen Studiengängen schauen Sie dennoch zwei Mal hin?

Christian Töfflinger: Die Aussage stimmt natürlich, aber nicht für alle Unternehmensberatungen. Je höher der Spezialisierungsgrad einer Beratung, desto eher bestehen auch Einschränkungen für AbsolventInnen. Es muss ja eine Basis für die Zusammenarbeit bestehen. Bei uns ist das am ehesten in den Bereichen Informatik, Jura und BWL der Fall.
 
CONSULTING.de: Wie sehen bei Ihnen die Auswahlverfahren aus?

Christian Töfflinger: Unser bisheriges Verfahren hat sich bewährt: Zuerst ein Telefonat und dann zwei persönliche Gespräche, wobei zum zweiten meist eine Case Study gehört. Die persönlichen Gespräche sorgen dafür, dass BewerberInnen unterschiedliche microfin-KollegInnen treffen - dann können sich beide Seiten besser kennenlernen. Aber bei Young Professionals kommt es auch mal vor, dass wir neben dem Telefonat nur ein Gespräch führen.
 
CONSULTING.de: Unabhängig von ihrem Studien-Background: Bei welchen Themen sollten BewerberInnen unbedingt fit sein?

Christian Töfflinger: Eine gute Unternehmensberaterin, ein guter Unternehmensberater braucht eine ausgeprägte Sozialkompetenz, die die Grundlage schafft, um mit vielen unterschiedlichen Menschentypen zusammenzuarbeiten. Außerdem sollten Kreativität und Strukturiertheit in einer gesunden Balance zueinanderstehen.

Fachkompetenz und Methodenwissen in Projektmanagement und Arbeitsorganisation setze ich voraus. Daneben ist ein gepflegtes Äußeres Pflicht, auch wenn die Kleidernormen sich sicherlich verändert haben.
 
CONSULTING.de: Was mögen Sie überhaupt nicht im Bewerbungsgespräch?

Christian Töfflinger: Schlechte Vorbereitung, Drumherumgerede und sichtbar fehlenden Willen.
 
CONSULTING.de: Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein, der bislang nur wenig Berührung mit Wirtschaftsthemen hatte?

Christian Töfflinger: Gerade als hochspezialisierte Beratung haben wir über die Jahre hinweg an Onboarding und Einarbeitung gefeilt, denn fast niemand kann alle unsere Themen abdecken, wenn er oder sie zu uns kommt. Jeder neue Kollege, jede neue Kollegin bekommt einen Lotsen. Das Hafenbild ist dabei durchaus gewollt: microfin ist der neue Hafen, der Lotse die Hilfe, in diesem Hafen fest anzulegen. Manch ein Boot benötigt mehr Unterstützung, ein anderes weniger. Für die ersten Monate gibt es außerdem einen Einarbeitungsplan mit unterschiedlichen Wissensmodulen, die teils in persönlichem Austausch, teils über interne und externe Schulungen oder durch Eigenstudium unserer Wissenspakete im Intranet vermittelt werden.
 
CONSULTING.de: Warum arbeiten Sie gerne im Consulting?

Christian Töfflinger: Ich gehöre zu den weiter oben beschriebenen Menschen, die Abwechslung mögen und Herausforderungen nicht als bloße Bedrohung betrachten. Ich hatte in meiner Vergangenheit sowohl mehr als einen Job als auch mehr als einen Arbeitgeber. Bei microfin passt alles für mich. Hier habe ich Spaß an der Arbeit und dem Miteinander.
 
CONSULTING.de: Wie sieht der erste Tag eines Junior-Consultants bei Ihnen aus?

Christian Töfflinger: Am ersten Tag bekommt jede/r neue Mitarbeiter/in seine Arbeitsmittel wie Notebook und Smartphone sowie einen Ablaufplan für die nächsten Tage. Ziel ist es, erste Grundlagen und Kollegen schnell kennenzulernen. Einerseits geht es um ganz banale Dinge, wie zum Beispiel wo Drucker und Kaffeemaschine stehen, und andererseits um grundlegende Prozesse, wie Zeiterfassung und CV-Verwaltung. Außerdem lernen die neuen KollegInnen ihren Lotsen kennen, der als Karrierecoach zur Seite steht, und bekommen den individuellen Einarbeitungsplan vorgestellt. Mittags gehen alle, die an diesem Tag im Büro sind – vom Backoffice bis zum Management – mit dem neuen Teammitglied essen.
 
CONSULTING.de: Nach einer Woche fragt ein Neuling nach Work-Life-Balance – frech oder erlaubt?

Christian Töfflinger: Ganz offen: Erlaubt, aber nicht besonders schlau. Nicht, weil dadurch Nachteile drohen, sondern weil sie oder er sich scheinbar nicht ausreichend mit dem Berufsbild auseinandergesetzt hat. Wir sind Dienstleister und müssen manchmal eine Extrameile gehen – gleichzeitig sorgen wir dafür, dass man es an anderer Stelle dann als Ausgleich lockerer angehen lassen kann, sodass es in der Summe passt.

CONSULTING.de: Vielen Dank für das Interview!

Veröffentlicht am: 25.06.2019

 

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