"Wir bieten jungen Talenten den Full Potential Plan"

Philipp Jostarndt, BCG

Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine der weltweit größten Unternehmensberatungen. An über 90 Standorten in 50 Ländern arbeiten mehr als 16.000 Mitarbeiter. Nachwuchskräfte sollten neben exzellenten akademischen Leistungen auch das gewisse "something else" mitbringen. Zehn Fragen an Philipp Jostarndt, Partner und Recruitingchef bei BCG.

Philipp Jostarndt (Bild: BCG)

Philipp Jostarndt (Bild: BCG)

CONSULTING.de: Herr Jostarndt, manche sagen, die Beraterbranche sei schon einmal attraktiver für junge Leute gewesen. Was versprechen Sie denen, die sich dennoch bewerben?

Jostarndt: Wir bieten jungen Talenten den 'Full Potential Plan' für ihre persönliche Entwicklung. Anspruchsvolle Projekte, personalisierte Weiterbildungsangebote, Möglichkeiten für Einsätze auf sozialen Projekten sowie Flexibilität und Freiräume für die persönliche Entwicklung. Zudem leben wir das G in BCG: Bei uns zählt die Gruppe, die Gemeinschaft. Denn wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam zu den besten Ergebnissen kommen. Wir können im Übrigen auch keinen Rückgang der Bewerbungen verzeichnen.

CONSULTING.de: Angenommen, Sie sollen eine Anzeige schalten und darin drei Gründe nennen, warum es großartig ist, bei Ihnen in der Firma zu arbeiten. Welche wären das?

Jostarndt: Erkenntnis, Ergebnis, Erlebnis: Junge Talente wollen das große Ganze verstehen, Wirtschaft erleben und zu einer spürbaren Veränderung beitragen. Bei uns können sie das – und zwar nicht allein, sondern in der Gruppe. Kurz: Bei BCG geht es um mehr als nur Karriere.

CONSULTING.de: Es heißt immer, die Consulting-Branche sei offen für AbsolventInnen aus allen Studienbereichen. Bei welchen Studiengängen schauen sie dennoch zwei Mal hin?

Jostarndt: Der Studiengang ist für uns nicht entscheidend. Wir setzen auf Vielfalt, auch was den akademischen Hintergrund angeht. Bewusst hat nur die Hälfte unserer Berater einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Was zählt, sind exzellente akademische Leistungen, Praxis- und Auslandserfahrung und "something else". Ein Thema oder ein Hobby, für das Kandidaten brennen und das sie geprägt hat.

CONSULTING.de: Wie sehen bei Ihnen die Auswahlverfahren aus?

Jostarndt: Wir setzen nach wie vor auf 1:1 Interviews als Herzstück unseres Auswahlverfahrens. Unsere Bewerber lösen darin meist gemeinsam mit dem Interviewer eine Fallstudie aus dem Projektalltag von BCG. Das ist aus unserer Sicht das beste Instrument, um die wichtigsten Fähigkeiten eines Beraters zu testen: Intellektuelle Neugierde, logisches und analytischen Denken, Kreativität und Kommunikation. Dabei geht es nicht um richtig oder falsch, sondern um die Herangehensweise. Schon allein die richtigen Fragen zu stellen, ist viel Wert.

CONSULTING.de: Unabhängig von Ihrem Studien-Background: Bei welchen Themen sollten BewerberInnen unbedingt fit sein?

Jostarndt: Spezielle Zusatzqualifikationen sind für uns nicht entscheidend, können aber helfen, ein Profil zu schärfen: Spezialisierungen in Technik, IT und Digitalisierung sowie Advanced Analytics kommen in unseren Projekten immer häufiger zum Einsatz. Es wird nicht mehr lange dauern, bis diese Skills die neue Normalität sind. Bereits heute unterstützen häufig etwa zwei bis drei Analytics-Spezialisten Teams mit fünf bis sieben Beratern. Grundsätzlich suchen wir Kandidaten mit Zehnkämpfer-Potenzial: Talente mit teils spitzem fachlichen Profil, die sich aber mit Neugierde und Offenheit neuen Herausforderungen stellen und sich – beruflich und persönlich – ständig weiterentwickeln.

CONSULTING.de: Was mögen Sie überhaupt nicht im Bewerbungsgespräch?

Jostarndt: Für mich gilt im Bewerbungsgespräch das gleiche wie im "wahren Leben". Wenn jemand unreflektiert und unaufmerksam ist und nicht über sich selbst lachen kann, tue ich mir schwer. Solche Kandidaten passen dann auch nicht zu BCG.

CONSULTING.de: Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein, der bislang nur wenig Berührung mit Wirtschaftsthemen hatte?

Jostarndt: Vorkenntnisse in BWL sind bei uns nicht zwingend notwendig, wohl aber das Interesse, den Herausforderungen in der Wirtschaft auf den Grund zu gehen. Jeder Neueinsteiger ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund erhält einen zweiwöchigen "Mini MBA", bevor es zum Kunden geht. In diesem BWL-Crashkurs bekommt man die wichtigsten Grundlagen kompakt vermittelt, etwa in Kostenrechnung und Bilanzanalyse. Grundsätzlich gilt: Wir setzen auf Vielfalt in unseren Teams, weil wir überzeugt sind, dass so die innovativsten Ideen entstehen. Daher stellen wir bewusst nicht mehr als 50 Prozent Wirtschaftswissenschaftler in der Beratung ein.

CONSULTING.de: Warum arbeiten Sie gerne im Consulting?

Jostarndt: Die größte Herausforderung und zugleich stärkste Motivation für die Arbeit in der Beratung ist für mich, meine fachliche und charakterliche Vertrauenswürdigkeit immer aufs Neue zu beweisen. Das gilt für die Zusammenarbeit mit Kunden ebenso wie mit Kollegen. 

CONSULTING.de: Wie sieht der erste Tag eines Junior-Consultants bei Ihnen aus?

Jostarndt: Bei uns bekommt jeder zunächst ein Starter-Paket mit den wichtigsten Berater-Skills. Danach geht es sehr unterschiedlich weiter. Doch egal, ob im Heimatbüro, auf Auslandsreise oder beim Kunden um die Ecke, bei BCG wird man sich immer in neue Themen eindenken, im Team arbeiten, die eine oder andere harte Nuss knacken sowie zum Nachdenken und zum Lachen gebracht werden.

CONSULTING.de: Nach einer Woche fragt ein Neuling nach Work-Life-Balance – frech oder erlaubt?

Jostarndt: Erlaubt – ganz klar. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass dieses Thema in unserer Branche diskutiert wird. Wie in jeder Mannschaft auf Hochleistungsniveau gibt es auch in der Strategieberatung Zeiten mit Spitzenbelastung. Daher bieten wir unseren Beratern Balance, persönliche Flexibilität und Weiterentwicklungsmöglichkeiten. BCG-Berater können einmal im Jahr eine zweimonatige Auszeit nehmen, um eigene Projekte zu verwirklichen oder zu reisen. Darüber hinaus können Mütter und Väter nach der Geburt ihres Kindes in Teilzeit arbeiten oder zeitweise Erfahrungen außerhalb von BCG sammeln – im Ausland, bei einem Kunden aus der Wirtschaft oder bei einer gemeinnützigen Organisation. Das Gesamtpaket macht den Reiz aus und wir arbeiten daran, dieses Paket für unsere Mitarbeiter immer reizvoller zu gestalten.

CONSULTING.de: Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Jostarndt!

Veröffentlicht am: 19.04.2018

 

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