"Wir wollen sehen, wie weit Bewerber über den Tellerrand hinausschauen"

Angela Honegger, Student Impact

Student Impact ist die studentische Managementberatung an der Universität St. Gallen aus der Schweiz, die nachhaltige Unternehmen in wirtschaftlichen Themenbereichen berät. Zehn Fragen an Angela Honegger, Präsidentin von Student Impact.

Angela Honegger (Bild: Student Impact)

Angela Honegger (Bild: Student Impact)

CONSULTING.de: Frau Honegger, manche sagen, die Beraterbranche sei schon einmal attraktiver für junge Leute gewesen. Was versprechen Sie denen, die sich dennoch bewerben?

Honegger: Wir bieten unseren Mitgliedern die Möglichkeit, bereits während des Studiums Beratungserfahrung zu sammeln. Dadurch, dass wir jüngere Unternehmen in Strategiefragen beraten, kommen unsere Berater außerdem mit Themen der "großen" Beratungen in Berührung und können so viel größere Aufgaben angehen, als dies in einem durchschnittlichen Praktikum der Fall ist. 

CONSULTING.de: Angenommen, Sie sollen eine Anzeige schalten und darin drei Gründe nennen, warum es großartig ist, bei Ihnen in der Firma zu arbeiten. Welche wären das?

Honegger: Wir fassen unser Angebot oft in den 3 C's zusammen: Erstens Consulting: Unsere Mitglieder arbeiten auf realen Beratungsprojekten und sammeln so wertvolle Praxiserfahrung für den späteren Berufseinstieg. Zweitens Change: Durch die Förderung von nachhaltigen Geschäftsideen leisten die Studierenden einen wertvollen Beitrag zu einer positiven Entwicklung für Umwelt und Gesellschaft. Drittens Community: Unsere Berater werden Teil einer Community, die aus Aktiven, Alumni und Partnerunternehmen besteht und so die Brücke zwischen Studium und Praxis bildet.

Bild: Student Impact

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CONSULTING.de: Es heißt immer, die Consulting-Branche sei offen für AbsolventInnen aus allen Studienbereichen. Bei welchen Studiengängen schauen sie dennoch zwei Mal hin?

Honegger: Als universitätsbasierte Beratung an der Universität St. Gallen haben wir nur Mitglieder aus den Richtungen BWL, VWL, Recht und Internationale Beziehungen, also alles eher beratungsnahe Studiengänge. Es hat sich dabei jedoch bewährt, eine möglichst gute Durchmischung dieser Fachrichtungen in den Projektteams zu haben, um unterschiedliche Sichtweisen, Denkansätze und Expertisen zu kombinieren.

CONSULTING.de: Wie sehen bei Ihnen die Auswahlverfahren aus?

Honegger: Wir wollen die Bewerber in möglichst unterschiedlichen Situationen erleben. Deswegen gibt es bei uns das klassische Interview mit Fragen zu CV und Personal Fit, sowie einen Business Case, bei dem die Bewerber neben analytischen Fähigkeiten auch ihr unternehmerisches Denken unter Beweis stellen müssen. Zusätzlich führen wir eine Gruppendiskussion zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen durch. So wollen wir sehen, wie Bewerber im Team arbeiten und wie weit sie über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen können. 

CONSULTING.de: Unabhängig von Ihrem Studien-Background: Bei welchen Themen sollten BewerberInnen unbedingt fit sein?

Honegger: Neben den klassischen Anforderungen wie analytisches Denkvermögen, schnelle Auffassungsgabe und Teamgeist ist mir vor allem die Authentizität wichtig. Viele Bewerber verbiegen sich oft, um vermeintlich ins Consulting zu passen. So etwas finde ich eher langweilig. 

Bild: Student Impact

Bild: Student Impact

Bild: Student Impact

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CONSULTING.de: Was mögen Sie überhaupt nicht im Bewerbungsgespräch? 

Honegger: Manchmal weiss ich genau, dass Bewerber mir die Antwort auftischen, die ich gerne hören möchte. Das ist dann meist auch die Antwort, die ich schon x-mal in Gesprächen gehört habe und nichts, was mir in Erinnerung bleibt. 

CONSULTING.de: Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein, der bislang nur wenig Berührung mit Wirtschaftsthemen hatte? 

Honegger: Wir haben ein extensives Ausbildungsprogramm. Einerseits haben wir ein intensives on-the-job Coaching durch die Projektleiter und deren Coaches. Andererseits haben wir ein internes und externes Ausbildungsprogramm für unsere Mitglieder. Diese umfassen beispielsweise Workshops mit unseren Partnerunternehmen oder unser Onboarding-Weekend zu Beginn jedes Semesters. 

CONSULTING.de: Warum arbeiten Sie gerne im Consulting?

Honegger: Ich bin überzeugt, dass viele Unternehmen ihr Potential, einen positiven Impact zu generieren, nicht vollständig ausschöpfen. In dem wir diese Unternehmen in wirtschaftlichen Fragestellungen beraten, kann ich sie darin unterstützen, ihre Ideen effizienter und effektiver umzusetzen. Ich kann also mein betriebswirtschaftliches Wissen in den Dienst dieser nachhaltigen Unternehmen stellen und so zu einem Erfolg für Kunde und Umwelt beitragen. 

CONSUTLING.de: Wie sieht der erste Tag eines Junior-Consultants bei Ihnen aus?

Honegger: Zwar nicht innerhalb des ersten Tags, aber innerhalb der ersten Woche fährt das gesamte Team in ein dreitägiges Onboarding-Weekend, das aus inhaltlichen Coaching-Sessions, Teambuilding und Vereinsentwicklung besteht. Danach merkt man gleich, wie der Teamgeist auch auf die Neuen überschwappt und wie das ganze Team motiviert in die Projektarbeit startet.

Bild: Student Impact

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CONSULTING.de: Nach einer Woche fragt ein Neuling nach Work-Life-Balance – frech oder erlaubt?

Honegger: Auf jeden Fall erlaubt. Für mich bedeutet Work-Life-Balance aber in erster Linie nicht fixe Arbeitszeiten oder ein Yoga-Angebot über Mittag. Vielmehr ist für mich wichtig, dass ich den Sinn hinter meiner Arbeit sehe und mich die Arbeit auch persönlich erfüllt. Denn wenn mir die Arbeit jeden Tag aufs Neue Spaß macht ist es für mich sekundär, wie viele Stunden ich am Tag arbeite. 

CONSULTING.de: Vielen Dank für das Interview!

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