"Work‐Life‐Balance gewinnt immer mehr an Bedeutung"

Carolin Carstens, Simmons & Simmons

Simmons & Simmons ist eine internationale Anwaltskanzlei, die Kunden zu komplexen Fragestellungen mit Schwerpunkt auf den Sektoren Asset Management und Investmentfonds, Finanzinstitutionen, Life Sciences sowie Technologie, Medien und Telekommunikation berät. Nachwuchskräfte sollten rechtswissenschaftliches Knowhow mitbringen und im Idealfall "über den Tellerrand hinaus" geschaut haben. Zehn Fragen an Carolin Carstens, sie ist Chief Operating Officer & Head of HR Germany bei Simmons & Simmons.

Carolin Carstens (Bild: Simmons & Simmons)
Carolin Carstens (Bild: Simmons & Simmons)

CONSULTING.de: Frau Carstens, manche sagen, die Beraterbranche sei schon einmal attraktiver für junge Leute gewesen. Was versprechen Sie denen, die sich dennoch bewerben?

Carstens: Simmons & Simmons bietet eine Mischung aus höchstem Anspruch und unkompliziertem Miteinander. Man fühlt sich vom ersten Tag an als Teil des Teams und wird gleich aktiv eingebunden. Es wird einem schon zu Beginn viel Vertrauen entgegengebracht, so dass man schnell mehr Verantwortung übernehmen und eigene Spezialexpertise aufbauen und weiter vertiefen kann. Neben der fachlichen Komponente ist es uns aber auch wichtig, den familienbedingten Bedürfnissen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst gerecht zu werden. Daher bieten wir unter anderem Teilzeit‐ und Homeoffice-Arrangements an. Grundsätzlich versuchen wir hier mit unseren Mitarbeitern in einen Dialog zu kommen und individuelle Lösungen zu finden, die für beide Seiten passen.

CONSULTING.de: Angenommen, Sie sollen eine Anzeige schalten und darin drei Gründe nennen, warum es großartig ist, bei Ihnen in der Firma zu arbeiten. Welche wären das?

Carstens: Erstens: "Das Beste aus zwei Welten" ‐ zum einen die Internationalität einer Großkanzlei, aber in Deutschland immer noch relativ flache Hierarchien und kleine Teams, die ein familiäres, sehr persönliches Umfeld vermitteln. Zweitens: "Gestaltungsspielraum & eigenverantwortliches Arbeiten". Und drittens: "Hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten".

CONSULTING.de: Es heißt immer, die Consulting‐Branche sei offen für AbsolventInnen aus allen Studienbereichen. Bei welchen Studiengängen schauen sie dennoch zwei Mal hin?

Carstens: Wir suchen tatsächlich primär nach AbsolventInnen der Rechtswissenschaften, die zwei deutsche Staatsexamina absolviert haben. Das kann sich zukünftig mit veränderten Rahmenbedingungen natürlich ändern. Grundsätzlich ist uns wichtig, dass jemand "über den Tellerrand geschaut hat" und während seines Studiums die Gelegenheit genutzt hat, auch nach rechts und links zu schauen.

Workshop für Studenten, Referendare und Berufsanfänger im Münchner Büro von Simmons & Simmons
Workshop für Studenten, Referendare und Berufsanfänger im Münchner Büro von Simmons & Simmons

 

CONSULTING.de: Wie sehen bei Ihnen die Auswahlverfahren aus?

Carstens: Für alle Positionen finden in der Regel insgesamt bis zu zwei persönliche Interviews am jeweiligen Standort statt. Das Erstgespräch findet mit dem Partner des jeweiligen Bereichs sowie einem Vertreter von HR statt. Wenn im Anschluss an das Interview das Feedback sowohl von Bewerber als auch von unserer Seite positiv ausfällt, gibt es in einer zweiten Gesprächsrunde neben der Möglichkeit, eventuell offene Fragen zu adressieren, auch ein Kennenlernen mit potentiellen Kolleginnen und Kollegen bei einem ungezwungenen gemeinsamen Mittagessen.

CONSULTING.de: Unabhängig von Ihrem Studien‐Background: Bei welchen Themen sollten BewerberInnen unbedingt fit sein?

Carstens: Wir erwarten überdurchschnittliche Rechts‐ und Englischkenntnisse sowie Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge. Entscheidend sind aber die Persönlichkeit, ein interessanter Lebenslauf, echte Begeisterung für die Tätigkeit und Spaß am "out of the box thinking".

CONSULTING.de: Was mögen Sie überhaupt nicht im Bewerbungsgespräch?

Carstens: Wenn es den Eindruck macht, dass Bewerber unvorbereitet sind. Genau wie wir uns im Vorfeld Zeit nehmen, die Bewerbungsunterlagen zu sichten und uns auf das Gespräch vorzubereiten, sollten sich auch die Bewerber im Vorfeld hinreichend mit Simmons & Simmons auseinandergesetzt haben und darlegen können, weshalb sie sich nun gerade bei uns bewerben.

CONSULTING.de: Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein, der bislang nur wenig Berührung mit Wirtschaftsthemen hatte?

Carstens: Mit unserem Onboarding-Programm stellen wir eine umfassende und qualitativ hochwertige Ausbildung neuer Mitarbeiter/innen sicher, sowohl "on the job" als auch durch ausgewählte Veranstaltungen. Durch die Zuordnung zu einem Partner und einem Associate wird garantiert, dass neue Kollegen/innen jederzeit eine optimale Betreuung und Ausbildung erhalten und die Unterstützung bekommen, die sie – vor allem in der Anfangszeit ‐ benötigen.

Betriebsausflug der deutschen Büros von Simmons & Simmons
Betriebsausflug der deutschen Büros von Simmons & Simmons

 

CONSULTING.de: Warum arbeiten Sie gerne im Consulting?

Carstens: Es ist die Abwechslung und Vielfalt an Themen, die den Arbeitsalltag so spannend machen. Man muss sich immer wieder auf neue Mandanten und Situationen einstellen und wird regelmäßig vor neue, spannende Herausforderungen gestellt.

CONSULTING.de: Wie sieht der erste Tag eines Junior‐Consultants bei Ihnen aus?

Carstens: Vormittags stehen organisatorische und administrative Themen auf der Agenda. Neben einer IT-Einweisung und einer Vorstellungsrunde wird dem neuen Mitarbeiter Zeit gegeben, erste E‐Mails und Informationen zu sichten. Nachmittags geben der zuständige Partner und ggf. weitere Kollegen einen ersten Einblick in fachliche Themen und das zukünftige Aufgabengebiet.

CONSULTING.de: Nach einer Woche fragt ein Neuling nach Work‐Life‐Balance – frech oder erlaubt?

Carstens: Das Thema Work‐Life‐Balance gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird von Bewerbern häufig sogar bereits im Vorfeld im Rahmen des Vorstellungsgespräches angesprochen. Um die Work‐Life‐Balance unserer Anwältinnen und Anwälte zu verbessern, wurde der Urlaubsanspruch der Associates zum neuen Geschäftsjahr erhöht, so dass nun je nach Betriebszugehörigkeit ein Urlaubsanspruch von bis zu 30 Tagen besteht. Des Weiteren wurde zum Beispiel die Übernahme der Kitakosten für Associates eingeführt, um eine bestmögliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

CONSULTING.de: Vielen Dank für das nette Interview, Frau Carstens!

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