5 Don'ts beim Business Look: Das sagt die Expertin

Dresscode für Männer

Das ideale Business-Outfit der Herren ist genormt bis zum Saum, oder? Für alles gibt es feste Regeln: Krawattenlänge, Hosenlänge, Strumpflänge, Ärmellänge. Von wegen! Ulrike Mayer, Expertin mit "Kleidungskompetenz" erklärt, warum mit engeren Schnitten bei den Anzügen, die Vorschriften lockerer werden.

Grundsätzlich muss die Passform der Architektur des Körpers, sprich den Proportionen folgen. (Bild: Free-Photos - pixabay)

Grundsätzlich muss die Passform der Architektur des Körpers, sprich den Proportionen folgen. (Bild: Free-Photos - pixabay)

1. Wichtige Basis-Arbeit: Auf den richtigen Sitz kommt es an?

Der Tipp: Der richtige Anzug scheint Millimeterarbeit. Eine Anzughose hat die richtige Länge, wenn sie vorne auf dem Fußrücken leicht aufliegt und den Schuhabsatz nicht berührt. Zwischen Hosenende und Schuh darf kein nacktes Bein zu sehen sein. Besser noch als Socken sind daher Kniestrümpfe – und zwar in der Farbe der Hose. Wenn der Kragen rund einen Zentimeter über den Sakkokragen reicht und die Ärmel etwa zwei Zentimeter unter dem Sakkoärmel herausschauen, sitzt das Hemd richtig. Kurzarmhemden unter dem Sakko sind tabu und auch sonst nur in Unternehmen mit legerem Dresscode angeraten. Ist es draußen heiß, darf man sich die langen Hemdsärmel hochkrempeln – aber nie bis über den Ellenbogen.

Das sagt die Expertin: Grundsätzlich muss die Passform der Architektur des Körpers, sprich den Proportionen folgen. Der Schließknopf muss auf Taillenhöhe sitzen, die Schlitze sollten nicht zu hoch sein und die Rückenlänge darf nicht zu lange sein, sonst wirken die Beine optisch zu kurz und die Taschen sitzen an der falschen Stelle. Bei der Armlänge des Jacketts sind durchaus Variationen möglich, es ist kein geschriebenes Gesetz, dass die Manschetten des Hemdes herausschauen dürfen. Vielmehr ist es wichtig, dass der Träger sich beim Sitzen und Schreiben am Tisch wohlfühlt und nicht das Gefühl hat, dass die Ärmel zu kurz sind. Durch die aktuellen Trends, die Anzüge kürzer und schmäler zu tragen, ist es durchaus vertretbar, dass der Strumpf sichtbar ist und die Hose keinen Knick aufweist.

2. Korrekte Krawatten: Nicht zu schrill, nicht zu lang?

Der Tipp: Comic-Motive oder wilde Streifen auf dem Schlips haben im Büro nichts verloren, sie schaden nur der Glaubwürdigkeit. Für ein seriöses Outfit sind dezente Muster sowie kleinflächige Designs in klassischen, dezenten Farben wie Marine, Rot oder Bordeaux optimal. Einfache Knoten eignen sich dabei genauso gut wie der Windsorknoten, letzterer wirkt gediegener. Noch wichtiger als die Breite einer Krawatte – nicht zu breit, nicht zu schmal – ist die richtige Länge: Die Krawattenspitze muss da enden, wo die Gürtelschnalle anfängt.

Das sagt die Expertin: Musterungen und Farbstellungen bei Krawatten tragen viel Psychologie in sich. Streifen stehen für Durchsetzungskraft und Dynamik, Tupfen und Allover-Musterungen wirken eher weicher und harmonischer. Botschaften und Signale werden in der Kleidungssymbolik in sehr starkem Maße über Farben und Musterungen transportiert. Blau steht für Glaubwürdigkeit und Vertrauen, Rot steht für Macht, Kraft und Dynamik. Bunte und wilde Musterungen und Farbstellungen wirken im seriösen Business wenig ernsthaft.

3. Teufel steckt im Detail: Kann man sich verknöpfen?

Der Tipp: Beim Zweiknopfsakko wird der obere Knopf, beim Dreiknopfsakko werden der mittlere oder die beiden oberen Knöpfe geschlossen. Beim Doppelreiher mit drei Knopfpaaren bleibt die mittlere Knopfreihe oder alle Reihen geschlossen. Thema Begrüßung und Hinsetzen: Stilsicher ist, wer das Sakko bei der Begrüßung geschlossen lässt und erst beim Setzen die Knöpfe öffnet.

Das sagt die Experten: Grundsätzlich ist es so, dass ein Jackett zu 95 Prozent offen getragen wird. Geschlossen getragen wird ein Jackett nur, wenn man eine Rede hält, einen Raum betritt oder ein Fotoshooting vor sich hat. 

4. Mustermix und Farbenspiel: Weniger ist mehr?

Der Tipp: Verschiedene Muster kombinieren? Das dürfen nur Künstler und britische Exzentriker. Bei Anzügen gilt stattdessen: Ein Sakko mit Streifen kann nur mit einer einfarbigen Hose kombiniert werden – und umgekehrt. Soll es mal ein Nadelstreifenanzug sein, darf das Hemd nicht auch noch gestreift sein. Die Kunst der Kombination gilt auch für einfarbige Hosen und Sakkos. Schwarze Hose zu dunkelblauer Jacke – das geht gar nicht. Ton in Ton ist die Devise. So sind gedeckte Farben wie schwarz, dunkelblau, braun und grau immer eine richtige Wahl.

Das sagt die Expertin: Eine alte Stilregen besagt: nie mehr als drei Farben und zwei Musterungen. Das bedeutet, dass durchaus zu einem karierten Anzug ein gestreiftes Hemd getragen werdend darf. Allerdings muss dann die Krawatte uni sein. Ganz wichtig sind die Größe der Rapporte: zu einem großen Karo muss der dazu kombinierte Streifen kleiner gewählt werden. Umgekehrt ist das genauso. Ein dunkelblaues Jackett wirkt perfekt, wenn es mit einer mittelgrauen Tuchhose kombiniert wird. Wenn es sich beim Jackett um ein trendiges, helleres Blau handelt, darf durchaus auch eine schwarze Hose dazu getragen werden. Außen dunkel und innen hell wirkt immer professionell, korrekt und seriös. Außen hell und innen dunkel wirkt informeller und lässiger.

5. Zeigt her Eure Schuh: Bloß keine Sneaker?

Der Tipp: Männer sollten immer geschlossene Schuhe anziehen und niemals, niemals(!) Sandalen mit Socken. Nur geschlossene Schuhe – vom einfachen Schnürer bis zum rahmengenähten Oxfordschuh – sorgen für einen professionellen Auftritt, wirken elegant und passen gut zum Anzug. Aber auch ein eleganter Loafer kann sehr wohl zum Anzug getragen werden. Wichtig: Schuhe müssen gepflegt und sauber sein, sonst lässt das Rückschlüsse auf ihren Träger zu. Auch abgelaufene Sohlen sind wortwörtlich untragbar.

Das sagt die Expertin: Ein altes Sprichwort besagt: "zeige mir Deine Schuhe und ich sage Dir, wer Du bist". Ein guter Herrenschuh sollte immer Geld kosten und von feinster Qualität sein. Billige und preiswerte Schuhe erwecken den psychologischen Eindruck, dass der Herr "am Knöchel aufhört"! Ein gepflegter Schuh verhilft zu einem guten und verlässlichen Auftritt und gibt Sicherheit. Die Schuh und Gürtelfarbe sollte harmonieren, der Schuhtyp dem Anlass entsprechend gewählt werden. Im Jahre 2018 sind braune Schuhe zum schwarzen, blauen oder grauen Anzug durchaus möglich, auch Sneakers sind zum Slimeline Anzug für modische Träger im Moment ein absolutes Thema.

Seit 1995 trainiert Ulrike Mayer mit Privatpersonen und Kunden aus Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit in Seminaren und Einzelcoachings erfolgreich den Grundwortschatz der Kleidung und lehrt die Gesetzmäßigkeiten für eine stilvolle, kompetente Garderobe. Ulrike Mayer ist Autorin des Buches "Perfekte Kleidung fördert die Karriere".

Veröffentlicht am: 11.10.2018

 

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