Bekleidungsmarken als Klimasünder: Modeindustrie zweitgrößter Umweltverschmutzer der Welt

Studie von Kearney

Eine Studie von Kearney untersucht die Umweltverschmutzungen der Modeindustrie und nimmt mit dem Circular Fashion Index (CFX) die Kreislaufwirtschaft in der Modeindustrie genauer unter die Lupe. Gerade mal drei der 100 größten europäischen Modemarken sind auf dem Weg zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell.

Produktion und Vertrieb machen etwa 94 Prozent der Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus (Bild: Vitaly Vlaso - Pexels) 

225,9 Milliarden Euro – so viel haben die europäischen Konsumenten im vergangenen Jahr für Mode ausgegeben; größtenteils für Fast-Fashion-Mode. Dieser Ziffer stehen die Kosten für die Umwelt gegenüber: Je nach Quelle produziert die Modeindustrie 1,2 bis 1,7 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Emissionen. Dabei machen Produktion und Vertrieb etwa 94 Prozent der Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus. Das ist mehr als Luft- und Schifffahrt gemeinsam produzieren und entspricht drei bis fünf Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Wenn man sich den Wasserverbrauch anschaut, wird es noch gravierender: Rund elf Prozent des Frischwassers, das in der gesamten Industrie verwendet wird, fließt in die Fabriken der Modeindustrie. Deshalb bezeichnet die UN die Modeindustrie auch als zweitgrößten Umweltverschmutzer der Welt.

Fashion auf Kosten der Umwelt

Die Studie "Can circularity save the fashion?" von Kearney zeigt, dass gerade mal drei der 100 größten europäischen Modemarken auf dem Weg zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell sind und das Prinzip der Kreislaufwirtschaft leben. Im Rahmen der Studie wurden 8.000 Deutsche zur ihrem Konsumverhalten befragt, mit folgendem Ergebnis:

  • Im Durchschnitt besitzen die Deutschen 97 Kleidungsstücke und kaufen pro Jahr 17 neue hinzu.

Nach sechs Jahren haben die Kleidungsstücke ausgedient, weil...

  • ... die Kleidung beschädigt oder abgetragen ist (36 Prozent),
  • ... sie nicht mehr passt (28 Prozent),
  • ... 20 Prozent sie einfach nicht mehr mögen,
  • ... Platz für neue Kleidung geschaffen wird (11 Prozent),
  • ... und fünf Prozent die Kleidung nur für einen einmaligen Zweck gekauft hat.

Wie Circular Fashion die Emissionen senken könnte

Mit den drei Initiativen "Global Fashion Agenda", der "Better Cotton Initiative" oder "Fashion for Good" wurden erste Schritte eingeleitet. Beispielsweise konnte Adidas seine absoluten CO2- Emissionen zwischen 2012 und 2018 um 12 Prozent reduzieren, bei Kering, zu dem Gucci, Saint Laurent und Balenciaga gehören, waren es sogar 36 Prozent.

Grafik von Keanrey: Wie Circular Fashion die Emissionen halbieren könnte (Quelle: Kearney)

Allerdings ist mit dem Anwachsen der Weltbevölkerung auf mehr als 8,5 Milliarden Menschen bis 2030 und generell steigendem Haushaltseinkommen, insbesondere in Indien und China, zugleich mit einem Anstieg der CO2-Emissionen aus der Modeindustrie bis 2030 um mehr als 60 Prozent zu rechnen. Die bisherigen Initiativen haben also den Verschmutzungsanstieg nur verlangsamt, jedoch nicht umgekehrt.

Mirko Warschun und Peter Pfeiffer, die beiden Autoren der Studie, schließen aus den Ergebnissen, dass der hohe Konsum und die Schnelllebigkeit der Branche sehr hohe Kosten für die Umwelt bedeuten. Die Zukunft der Mode muss zirkulär sein und die Menge der produzierten Kleidung insgesamt reduziert werden, beispielsweise indem die Kleidung länger getragen wird, weniger Artikel gekauft werden oder beschädigte Kleidung repariert wird.

Über den Circular Fashion Index

Der "Circular Fashion Index" von Kearney fragt, wie nachhaltig Europas 100 Modemarken arbeiten und wie sie den Lebenszyklus ihrer Kleidung verlängern. Die Ergebnisse werden anhand von acht Kriterien bewertet, die sowohl den Primärmarkt mit neuen Produkten als auch den Sekundärmarkt mit Second Hand und Recycling betrachtet. Nur drei Unternehmen haben in dem Index ein akzeptables Ergebnis erzielt und sind glaubhaft auf dem Weg zu einer zirkulär angelegten Kleidungsindustrie: Patagonia, The North Face und Levi's. Diese drei Unternehmen kommunizieren offen, dass ihre Produkte länger halten sollen und ermutigen ihre Kunden, darüber nachzudenken, welche Auswirkungen der Kauf eines weiteren Kleidungsstücks auf die Umwelt hat. Zum Teil arbeiten sie selbst mit recycelter Kleidung oder setzen auf "Cradle to Cradle"- Materialien, die als biologische Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden können.

/cb

Veröffentlicht am: 30.11.2020

 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter.

Weitere Nachrichten
BearingPoint-Umfrage

Fünf IT-Trends für 2022 aus Sicht der BearingPoint Beratenden

19.10.2021 - Die Management- und Technologieberatung BearingPoint hat knapp 1000 ihrer IT-Beraterinnen und Berater zu den wichtigsten IT-Trends für 2022 befragt. Dabei stechen fünf Trends besonders heraus.  weiterlesen

 
Tod von Mark Smith

PwC-Geschäftsführer Mark Smith verstorben

Mark Smith PwC (Bild: PwC)

18.10.2021 - Mark Smith, Deutschland-Chef von PwC, ist am 11. Oktober tödlich verunglückt. Er war 54 Jahre alt, als er letzte Woche verstarb. PwC trauert um den Verlust. weiterlesen

 
Personalnews

Bain & Company gewinnt Dr. Michael Pesch

Personenbild von Michael Pesch, Partner bei Bain & Company

18.10.2021 - Der Herbst bringt neben Herbststürmen auch den "Wind of Change" für Bain & Company: Seit dem 1. Oktober unterstützt Dr. Michael Pesch von München aus die Führungsriege. weiterlesen

 
BDU Zahlen zur Consultingbranche 2021 Q3

Das Geschäft im Consulting brummt

Geschäftsfrau telefoniert

13.10.2021 - Die Consultingbranche trotz dem Abwärtstrend in der Gesamtwirtschaft. Der BDU-Geschäftsklimaindex legt erneut leicht zu. Die Sanierungsberater warten aber noch immer auf die ausbleibende Insolvenzwelle. weiterlesen

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin