Bringt uns Höflichkeit in eine defensive Rolle? Zum Umgang mit "Bitte" und "Danke"

Knigge-Wissen für Consultants

Immer häufiger wird auf "Bitte" und "Danke" im Business-Kontext verzichtet. Was sind die Konsequenzen daraus? Wirkt man defensiver, wenn man auf Höflichkeitsfloskeln verzichtet?

Sabine Lansing: Zum Umgang mit "Bitte" und "Danke" (Bild: SNFV GmbH)

Wirkt man defensiv, wenn man "Bitte" und "Danke" sagt?

„Bitte“ und „Danke“ - Ist das nicht ein Thema für Kinder?

Ja, das dachte ich, bis ich feststellte, auch in der Erwachsenenwelt vergessen wir diese beiden kleinen Türöffner. Geht es Ihnen genauso? Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie immer öfter Anfragen oder Ähnliches ohne das "Bitte" erhalten? Warum wird immer häufiger der "Befehlston" genutzt als die netten und vor allem effektiven Zauberwörter?

War man als Kind genervt über die Frage: "Was sagt man?" und wie oft hat man dann selber den Kindern genau diese Frage gestellt? Uns war klar, wie wichtig diese beiden Wörter im Zusammenleben sind.

Es ist bekannt, dass die Verwendung des Wortes "Bitte" den Gesprächspartner dazu bringt, meinen Wünschen eher zu entsprechen, als die einfache Aufforderung zur Tat.

In einigen Schulungen zur Selbstpräsentation wird angemerkt, dass genau diese beiden Wörter dazu führen würden, defensiv zu wirken. Glauben Sie das wirklich? Rufen Sie sich bitte mal einen Menschen in Erinnerung, der Ihnen besonders sympathisch war und für den oder mit dem Sie gerne gearbeitet haben.

Wem würden Sie lieber helfen?

Bei Vorgesetzten sind es oft strengere, aber immer faire und vor allem höfliche Menschen. Chefs, die Leistung zu schätzen wissen und die selbst bei kleinen Gesten, zum Beispiel einem mitgebrachten Kaffee, den Mitarbeiter mit einem Lächeln oder einem gesprochenen "Danke" bedacht haben.

Ganz genauso ist es zwischen Kollegen. Einem Kollegen, der es zu schätzen weiß, dass ich ihm einen Gefallen tue, der kann eher damit rechnen, dass ich ihm in Zukunft wieder behilflich bin. Dass es umgekehrt genauso ist, versteht sich von selbst.

Stellen Sie sich doch einfach mal die Frage: Wem würde Sie lieber helfen? Dem, der Sie bittet, ihn bei einer Aufgabe zu unterstützen, oder dem, der Sie dazu auffordert? Lesen Sie einfach mal beide Sätze durch und entscheiden Sie, welcher Sie eher zur Tat schreiten lässt:

"Bitte schicken Sie mir die Unterlagen zu."

"Schicken Sie mir die Unterlagen zu."

Kommen wir nochmal auf das defensive Verhalten zurück. Halten Sie diese Menschen, den Vorgesetzen, der kleine Gesten zu schätzen weiß, oder Kollegen, die freundlich um Unterstützung bitten, für defensiv?

Höflichkeit ist ein Zeichen sozialer Kompetenz

Ganz im Gegenteil! Menschen, die als höflich wahrgenommen werden, gelten als sozial kompetent. Ein Lächeln, ein "Bitte" oder "Danke" sind die Motivatoren, die uns unbewusst antreiben oder andersrum andere antreiben.

"Danke" wirkt wie eine kleine Belohnung. Ich kenne keinen Menschen, der nicht positiv auf ein ehrliches "Danke" reagiert. Probieren Sie es aus.

In der Gastronomie wird häufig angemerkt, dass Gäste jede Serviceleistung als selbstverständlich nehmen. Der kurze Blick, ein Dankeschön beim Einstellen der Teller, oder beim Nachschenken der Getränke, gehören einfach zu einem kultivierten Benehmen.

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Gesten der Wertschätzung machen das Leben angenehmer

Ich möchte Ihnen ein kleines Beispiel erzählen.

Stellen Sie sich mal vor: Sie sind mit dem Auto unterwegs, stehen an der Ampel und rechts in der Ausfahrt des Parkplatzes vom Supermarkt steht ein Auto und möchte einscheren. Das Wetter ist super, im Radio läuft gerade ihr Lieblingslied und natürlich lassen Sie den anderen vor. Der Autofahrer bedankt sich mit einer netten Geste und Ihnen geht es gleich nochmal so gut. Man war ja nett und das wurde honoriert.

Gleiche Situation, der Fahrer biegt ein und reagiert nicht mal auf Ihre Nettigkeit. Ich kann Ihnen sagen, meine Laune sinkt rapide und ich lasse mich dann zu einem süffisanten "Bitteschön! Gern geschehen!" hinreißen. Der andere hört es zwar nicht, aber mir war es ein Bedürfnis meinen Unmut kund zu tun. Und jedes Mal nehme ich mir vor, dass nächste Mal lässt Du keinen vor. Tja, wenn jeder so denkt, dann warten wir demnächst an manchen Ausfahrten bis zum Sankt Nimmerleinstag, um weiterzukommen.

Ohne diese kleinen Worte oder Gesten der Wertschätzung schalten viele Menschen auf stur. Zu Recht, wie ich finde.

Sprachsteuerung ist Sprachsteuerung, Höflichkeit bleibt Höflichkeit

Doch woher kommt es, dass wir die, von unseren Eltern mühsam erlernten Anstandsregeln, nur noch bedingt einsetzen? Ist es die oft zitierte Ellenbogengesellschaft? Glauben wir wirklich, dass "Bitte" und "Danke" uns als weniger taff dastehen lassen?

Oder liegt es an der Sprachsteuerung unserer Handys, Alexas, Siris und Co?

Wenn schon Kinder feststellen, dass mir meine Wünsche ohne die beiden Zauberwörter erfüllt werden, wieso sollte ich sie dann im normalen Leben einsetzen?

"Alexa, spiel meine Lieblingssongs." "Siri, wie wird das Wetter morgen?" "OK Google, wo ist die nächste Tankstelle?" Auch ohne freundliche Aufforderung, werden diese Befehle sofort ausgeführt. Es bedarf am Ende nicht einmal ein "Danke", um diese Helferlein bei Laune zu halten.

Doch Menschen sind keine Bits & Bytes und um in der Gesellschaft auf Rücksichtnahme, Hilfestellung und Freundlichkeit zählen zu können, bedarf es dieser zwei kleinen Zauberwörter.

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diese Zeilen zu lesen und bitte bleiben Sie gesund!

Sabine-Lansing-Knigge-Wissen (Bild: snfv GmbH)
Zur Person: Sabine Lansing ist Gründerin von Knigge-Wissen. Es gibt einen Lebenslauf davor und einen danach. Der danach resultierte aus einer Gefahrensituationen, die Sabine Lansing im Vertrieb einer deutschen Schmuckmanufaktur im Ausland erlebte, die sie dazu brachte ihre berufliche Situation zu ändern. Dazu bildete sie sich zur Karriereberaterin weiter, ergänzte das mit einer Weiterbildung zur Personalreferentin und arbeitete im Bereich Outplacement für Konzerne, wie z.B. Siemens, Thyssen, Adobe, Vodafone aber auch KMUs. Doch ihre Leidenschaft war schon immer der Umgang miteinander, weshalb sie seit 2004 als Trainerin für Umgangsformen arbeitet, also Knigge. Und dabei geht es ihr nicht um veraltete Regeln, sondern darum, mit Knigge Sicherheit zu gewinnen und sich mit Menschen in der eigenen Gegenwart wohlzufühlen.

mvw

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