Das AHA Erlebnis – Was davon ist wirklich neu?

Knigge-Wissen für Consultants

Gehen Ihnen die Coronaregeln auch auf die Nerven? Können Sie die Demonstrationen gegen die Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte nachvollziehen? Ich nicht! Warum nicht? Dass möchte ich Ihnen heute anhand der AHA Regeln erzählen.

Kolumne Lansing: Das AHA Erlebnis

Abstand - Hygiene - Alltagsmasken sind nicht wirklich neu. Gut, die Alltagsmasken gehören nur bei wenigen Berufen zum Standard und somit sind sie für viele sicher eine Umstellung. Da ich mich damit schon in meiner letzten Kolumne beschäftigt habe, möchte ich mich heute auf Abstand und Hygiene konzentrieren.

Abstand halten, nie war es so wichtig wie heute stimmt das?

Als die Empfehlung ausgesprochen wurde, Abstand zu halten, erschien mir das ungewohnt, doch an das Gebot haben wir uns fast alle schnell gewöhnt. Warum ist das den meisten Menschen eigentlich so leicht gefallen? Liegt es vielleicht daran, dass der Übergang von der persönlichen zur gesellschaftlichen Zone bei 1,2 Meter liegt? Also die Distanz, bei der wir uns wohl fühlen? Es ist die Distanz, die als höflich und respektvoll gilt.

Woher kommen diese Wohlfühlabstände?

Wir besitzen immer noch viele Urinstinkte. Und Abstand halten zu Menschen, die wir nicht oder nicht gut kennen, können wir auf unseren Überlebensinstinkt zurückführen. Mindestens eine Armlänge Abstand führt dazu, dass wir uns bei einem Angriff verteidigen können. Das vermittelt Sicherheit.

Bei meinen Schulungen gab es - vor Corona - einen Test, ab wann wir uns unwohl fühlen. Je besser wir uns kennen, desto eher lassen wir Nähe zu. Im Umkehrschluss heißt das: Kennen wir unser Gegenüber nicht oder nur flüchtig, umso größer muss der Abstand zueinander sein.

Warum ist Abstand also nicht nur richtig, sondern auch wichtig?"

Betrachten wir es einmal anders herum. Je besser wir Menschen kennen und mögen, umso eher lassen wir Nähe zu. Sich mit der besten Freundin einen Stuhl bei einer Feier zu teilen, kein Problem. Dies aber mit einem Menschen, den man nicht mag, schon.

Vielleicht ist Ihnen das auch schon passiert. Sie stehen in einer Warteschlange und plötzlich haben Sie das Gefühl, Ihnen rückt jemand auf die "Pelle". Obwohl Sie wahrscheinlich nicht einmal Körperkontakt hatten, reagieren Sie auf die ungewollte Distanzlosigkeit. Wenn Sie sich umschauen, stellen Sie fest, jemand ist Ihnen zu nah gekommen und sie versuchen, Raum zu gewinnen, um den Abstand wiederherzustellen.

Welche Zonen gibt es und wie gehe ich damit um?

Distanzzonen (Bild: SNFV GmbH)

Wir unterscheiden vier verschiedene Zonen.

Die öffentliche Zone fängt bei ca. vier Meter an. Ein völlig unproblematischer Abstand, selbst unter Coronabedingungen, genauso wie die soziale/gesellschaftliche Zone. Diese begann bisher bei 1,2 Meter. Durch die neuen Richtlinien werden wir diese bei 1,5 Meter verorten. Unser Gefühl wird uns, je länger diese Pandemie dauert, sehr genau mitteilen, wenn jemand diesen Abstand unterschreitet. Wir werden uns unwohl fühlen.

Die persönliche Zone liegt zwischen 0,60 und 1,2 Meter. Dieser Bereich ist Freunden, Kollegen und natürlich unserer Familie vorbehalten. Auch für die Begrüßung, also für den Handschlag haben wir diesen Raum genutzt. Es war gewissermaßen das Zeichen, "Ich vertraue Dir." Doch für dieses Begrüßungsritual werden wir uns, bzw. haben wir uns schon neue Möglichkeiten erdacht. (Lesen Sie hierzu auch die Kolumne "Was tun mit dem Handschlag?")
In Tagen wie diesen, ist die persönliche Zone schützenswerter geworden. Nur noch wenige Menschen, außerhalb unseres Hausstandes, dürfen diesen Bereich wirklich nutzen und wenn, dann nur mit Maske.

Die intime Zone beträgt bis zu 60 cm. Sie ist mir vertrauten Menschen vorbehalten, wie Familie und guten Freunden. Gelegentlich muss im beruflichen Umfeld genau in diese, sehr intime, eingegriffen werden. Zum Beispiel beim gemeinsamen Arbeiten an einem Computerbildschirm, z.B. bei der Erklärung eines Programmes o.ä.

Bei solchen Situationen ist es heute, unter Corona-Bedingungen, umso wichtiger um Erlaubnis zu bitten. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie wissen, dass dem anderen nahe kommen. Ein: "Ist das Ok, wenn ich Ihnen das direkt an ihrem Rechner zeige?", gibt ihren Gesprächspartner die Gelegenheit, sich darauf einzustellen und seine Urinstinkte zu beruhigen.

Diese beiden letzten Abstände sind die schwierigsten Einschränkungen, besonders im persönlichen Umfeld. Gefährdeten Familienmitgliedern nicht mehr nahekommen zu dürfen, um sie nicht zu gefährden, im größeren Freundeskreis nicht mehr feiern zu können, diese Entscheidungen sind Geschenke an Menschen, die uns nahestehen, um sie zu schützen.

Den Abstand zu Geschäftspartnern und Kollegen von 1,5 Meter einzuhalten, fällt uns nicht so schwer. Auch hier zeigt sich wieder, je nördlicher wir kommen, desto eher wird gerade dieser hinzugewonnene Raum positiv wahrgenommen.

AHA Regeln haben sogar einen positiven Nebeneffekt. Sie können jederzeit, Knoblauch, Zwiebeln und ähnliches essen. Etwas, was üblicherweise im Geschäftsleben nicht akzeptabel wäre. Denn, wenn jemand Ihren "schlechten" Atem wahrnimmt, dann war der Abstand - trotz Maske - zu gering.

Hygiene - Hände waschen, nicht ins Gesicht fassen, ist das neu?

Über Abstand und Alltagsmaske wird viel gesprochen, diskutiert und von manchen darüber geschimpft, doch das Thema Hygiene scheint in der Bevölkerung kein, oder zumindest kaum, Beachtung zu finden.

Mich wundert das. Wie oft erlebe ich es, dass Menschen bei einem Besuch der Toilette keine Hände waschen. Dabei sagt einem doch der gesunde Menschenverstand: "Händewaschen vor dem Toilettengang mache ich für mich, danach für andere."
Doch wenn schon hier keine Hände gewaschen werden, wann dann?

Mussten Sie als Kind auch immer vor dem Essen Hände waschen gehen? Und? Machen Sie es heute immer noch so?

Heute ist es selbstverständlich sich die Hände zu waschen, sobald man sein Zuhause betritt. Wie halten Sie es im Büro?
Beobachten Sie doch mal Ihre Kollegen und vielleicht auch sich selbst. Spielen Sie beim Nachdenken mit dem Kugelschreiber, stützen schon mal das Kinn in die Hand, streichen sich die Haare aus dem Gesicht, legen den Finger an die Lippen, reiben sich die Augen? Ich denke, Sie werden schon beim Gedanken daran feststellen, dass dies zurzeit alles keine guten Ideen sind, oder?
Vor allem dann, wenn sie auch noch am Arbeitsplatz essen. Das leckere Brötchen oder der kleine Obstsnack zwischendurch. Ja, das Obst ist abgespült, doch wann haben Sie sich die Hände das letzte Mal gewaschen?

Nase putzen, auch ein Thema. Im Meeting, der Kollege putzt sich die Nase und anschließend werden die Unterlagen beim Austeilen weitergereicht. Ohne Worte. Genauso wie das "Daumen befeuchten" beim Austeilen der Arbeitsblätter.

Doch nicht nur in Zeiten von Corona sollten wir auf unsere Handhygiene achten. Schon seit geraumer Zeit findet sich in vielen Arztpraxen der Hinweis auf den Verzicht von Handreichung, um Viren- und Bakterienübertragungen zu vermeiden.

Vielleicht nutzen wir diese neue Normalität, um uns etwas verantwortungsbewusster zu verhalten. Um uns und unsere Umgebung besser zu schützen. Sie werden feststellen: Abstand und Hygiene sind eigentlich nichts Neues.

 

Sabine-Lansing-Knigge-Wissen (Bild: snfv GmbH)
Zur Person: Sabine Lansing ist Gründerin von Knigge-Wissen. Es gibt einen Lebenslauf davor und einen danach. Der danach resultierte aus einer Gefahrensituationen, die Sabine Lansing im Vertrieb einer deutschen Schmuckmanufaktur im Ausland erlebte, die sie dazu brachte ihre berufliche Situation zu ändern. Dazu bildete sie sich zur Karriereberaterin weiter, ergänzte das mit einer Weiterbildung zur Personalreferentin und arbeitete im Bereich Outplacement für Konzerne, wie z.B. Siemens, Thyssen, Adobe, Vodafone aber auch KMUs. Doch ihre Leidenschaft war schon immer der Umgang miteinander, weshalb sie seit 2004 als Trainerin für Umgangsformen arbeitet, also Knigge. Und dabei geht es ihr nicht um veraltete Regeln, sondern darum, mit Knigge Sicherheit zu gewinnen und sich mit Menschen in der eigenen Gegenwart wohlzufühlen.

mvw

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