Dauerhaft im Home-Office: 7 Tipps für Effektivität und Lebensfreude

Arbeiten im Home-Office

Derzeit und noch mehr in nächster Zukunft müssen sich auch unzählige angestellte Consultants dauerhaft im Home-Office einrichten. Grund genug, dabei einige Punkte besonders zu fokussieren.

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Noch ist Home-Office vielfach ein Provisorium. Für die Zukunft ist es jedoch besser, sich vollumfänglich dafür einzurichten. (Bild: DESIGNECOLOGIST - unsplash)

Vor der derzeitigen Situation war Home-Office für viele bloß angenehm. In vielen Unternehmen wurde es aber argwöhnisch betrachtet, wurde als Hort mangelnder Disziplin, absinkender Leistungen angesehen, vielleicht auch als gar nicht für das jeweilige Unternehmen tauglich abgetan. Die Corona-bedingten Notwendigkeiten visualisierten jedoch vielen Entscheidern, auch vormals ausgesprochenen Heimarbeitsgegnern, dass Home-Office tatsächlich auch mit ihren Unternehmenspraktiken absolut kombinierbar ist, wenn nur einige eingefahrene Denkpfade verlassen werden. Mehr noch: Dass die Abwesenheit von Pendelzeiten, die heimische Umgebung und vieles mehr vielfach zu einer besseren Arbeitsleistung führten - und zudem zu gesunkenen Betriebskosten. Alles also, was unter anderem eine Studie der Standford Universität bereits vor Jahren bewiesen hatte.

Angesichts dessen ist abzusehen, dass in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren viel mehr Menschen dauerhaft im Home-Office bleiben bzw. dorthin wechseln werden; nicht zuletzt, weil es aus dem Arbeitsministerium starke Bestrebungen gibt, ein "Recht auf Home-Office" gesetzlich zu verankern. Was derzeit vielfach nur ein gutfunktionierendes Provisorium darstellt, sollte entsprechend auf ein dauerhafteres Fundament gestellt werden. Sieben Tipps dazu.

1. Die Versorger prüfen und wechseln

Wer außer Haus arbeitet, orientiert seine Verbräuche von Wasser, Strom und Gas daran, dass er diese ein gutes Drittel jedes Werktages nicht benötigt. Das mag bei einigen Home-Office-Wochen nur eine vernachlässigbare Erhöhung bedeuten; bei dauerhafter Heimarbeit wird es jedoch ein bedeutender Kostenfaktor.

Das gilt insbesondere für die Heizung. Hier können Verträge und Anbieter frühestens sechs, spätestens drei Monate vor Vertragsende gewechselt werden. Wegen der schlecht abschätzbaren Jahreskosten sei hier dringend ein sorgsamer Vergleich von Anbietern und Tarifen empfohlen. Merkmale: Lange Preisgarantie, aber nur eine kurze Laufzeit und Kündigungsfrist.

Eine ähnliche Vorgehensweise gilt für den Strom. Bei beidem sollte als vorsichtiger künftiger Zirka-Verbrauch der jetzige Jahresverbrauch plus ein Drittel kalkuliert werden. Allerdings: Nach Ablauf des ersten Home-Office-Jahres sollte anhand der Ist-Verbräuche genau geprüft und ggf. abermals gewechselt werden.

2. Halbwegs feste Arbeitszeiten festlegen

Einer der Gründe, warum viele Unternehmen Home-Office ablehnend gegenüberstanden, war die Ansicht, dass Mitarbeiter geneigt sein könnten, zu "bummeln". Doch so komfortabel es auch wirken mag, seine Arbeitszeiten jetzt fast so frei wie ein Freelancer bestimmen zu können, sei mit Rücksicht auf die Work-Life-Balance von allzu viel Liberalität abgeraten.

Es ist nun besonders wichtig, dass der Kopf durch fixe Zeiten eine feste Grenze zwischen Arbeit und Freizeit bekommt - er hat ja sonst keine mehr durch die jeweiligen Ortswechsel. Wenn es der Arbeitgeber nicht vorgibt, muss es nicht "eight to five" sein. Wohl aber sollte die Arbeit täglich zu einem festen Zeitraum oder zumindest innerhalb eines engen Fensters beginnen und enden.

3. Die Arbeitskleidung achten

Als zu Beginn der Kontakteinschränkungen unzählige Menschen ins Home-Office geschickt wurden, füllten sich die sozialen Netze und Meme-Seiten des Internets rasch mit tausenden Bildern und Videos. Zentraler Inhalt: Große Erheiterung über möglichst kreative Freizeitkleidung, die bei der Arbeit getragen wurde.

Langfristig liegt es jedoch im eigenen Interesse, zumindest viel zu legere Kleidung zurück dorthin zu bringen, wofür sie gedacht ist: in die Freizeit. Das bedeutet nicht, sich tagtäglich ins volle Business-Outfit kleiden zu müssen; wenn es keinen Kundenkontakt gibt, das tatsächlich nicht nötig.

Wohl aber heißt es, dass es einen klaren Übergang zwischen morgendlicher Schlafbekleidung beziehungsweise abendlicher Freizeitkleidung geben sollte. Abermals steht hierhinter nichts anderes als eine geistig verbesserte Work-Life-Balance. Allerdings ist der bereits Genüge getan, wenn die Arbeitskleidung aus Jeans und T-Shirt besteht.

4. Das Home-Office arbeitsgesund machen

Die Krise hat bei vielem die üblichen Regelungen zumindest inoffiziell außer Kraft gesetzt und "Hauptsache, es funktioniert"-Provisorien ermöglicht. Computer, Bildschirm, Remote-Verbindung; so lässt sich Consulting notfalls noch vom Küchentisch aus betreiben - oder, falls das Wetter mitspielt, von Balkon und Gartenterrasse aus.

Allerdings sei daran erinnert, dass auch zuhause die arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden müssen. Das bedeutet, auch hier muss eine nach den gültigen Gesetzen sichere und ergonomische Umgebung herrschen. Heißt, demnächst sollten Tisch-Provisorien etc. gegen eine richtige Arbeitsumgebung mit Schreibtisch, Bürostuhl und allem, was dazugehört, ausgetauscht werden. Arbeitnehmer haben für die notwendigen Dinge auch einen Erstattungsanspruch.

Annie Spratt-Unsplash-2020

Nur in einem vollwertigen Heimbüro lässt es sich auch dauerhaft ergonomisch arbeiten. (Bild: Annie Spratt- unsplash)

5. Private Hard- und Software aus dem Spiel nehmen

Zu besagten Provisorien gehört€ es vielfach auch, dass Angestellte ihre Privatrechner fürs Home-Office nutz(t)en. Allerdings sollte diese Benutzung ebenfalls zeitnah gegen rein berufliches Equipment getauscht werden. Die Gründe dafür haben nicht nur mit Abnutzung der privat bezahlten Dinge zu tun. Es geht viel mehr:

  1. um eine wieder einheitliche IT-Umgebung - wichtig nicht nur für die Computertechniker des Unternehmens.
  2. um eine den Ansprüchen gemäße Sicherheit. Privatnutzung auf dem gleichen Rechner, der für die Arbeit genutzt wird, ist ein überflüssiges Einfallstor für Schadsoftware und Kriminelle.
  3. um Zugriffssicherheit. In vielen Haushalten werden die Rechner nicht nur von Angestellten benutzt, sondern vielleicht auch deren Familienmitgliedern, Mitbewohnern usw.

Auch hier sollte mit dem Arbeitgeber eine Lösung angestrebt werden, die dem Angestellten keine unnötigen Kosten aufbürdet. Ein Vorteil dieser Trennung: Es fällt schwerer, die mangelnde Vorgesetzten-Kontrolle im Home-Office durch privates Surfen auszunutzen.

6. Alternative Kollegen-Kontakte einfädeln

Nicht jeder genießt im Home-Office die Abwesenheit der in einem Firmengebäude unvermeidlichen Geräuschkulisse. Eine erhebliche Anzahl von Menschen vermisst speziell die soziale Komponente, die sich durch den täglichen Kontakt mit Kollegen automatisch ergibt.

Tatsache ist hier, dass sich dieser Wunsch nur eine gewisse Zeit unterdrücken lässt; wer kollegial bzw. extrovertiert veranlagt ist, kann sich dies kaum durch Heimarbeit abtrainieren. Entsprechend leiden viele Menschen nach nunmehr einigen Wochen Home-Office unter dem Verlust jener Sozialkontakte.

Die Antwort darauf sollte sein, künftig alternative Möglichkeiten zu finden. Dies können beispielsweise gemeinschaftlich-kollegiale "Mittagspausen-Meetings" sein, bei denen es um alles, nicht bloß die Arbeit geht - just wie auch eine normale Mittagspause im Pausenraum oder der Kantine ablaufen würde.

Auch sollten Angestellte durchaus eruieren, ob bei mehreren Kollegen vielleicht der Wunsch besteht, den rein digitalen Kontakt durch regelmäßige Treffen, etwa in Form eines Kollegen-Stammtisches, zu ergänzen.

7. Neutrale Treffpunkte festlegen

Waren die vorherigen Kapitel vor allem auf Arbeitnehmer ausgerichtet, ist dieses ein gesamtheitlicher Punkt. Denn natürlich wird es auch in Zukunft noch nötig sein, Kundenkontakte zu pflegen. Doch wie, wenn diese vielleicht ebenso großmaßstäblich im Home-Office arbeiten?

An dieser Stelle sind Unternehmen gut beraten, eine Reihe von Treffpunkten zu etablieren. Das kann in den eigenen Firmenräumlichkeiten geschehen, ebenso sind jedoch auch Verträge mit Dritten möglich, etwa Coworking-Spaces. Wichtig ist, dass beide Parteien nie in die Verlegenheit kommen müssen, sich in der Intimsphäre ihres Zuhauses besuchen zu müssen.

Zusammengefasst

Corona machte das Home-Office für Unzählige zu einer notwendigen Lösung, um dennoch der Arbeit nachgehen zu können. Und insgesamt hat dieser Druck dazu geführt, dass die Heimarbeit bei den allermeisten Beteiligten ein positiveres Image bekam - darauf deuten auch Studien hin, die dieser Tage laufen.

Daraus lässt sich seriös abschätzen, dass Heimarbeit künftig auch in unserer Branche eine sehr viel größere Rolle spielen wird als bisher. Das Arbeitsministerium sendet Signale, Großunternehmen wie Twitter machen es vor. Dagegen sollte zeitnah damit begonnen werden, es sich buchstäblich zuhause gemütlich zu machen - nur dann wird Home-Office auch langfristig so angenehm bleiben, wie viele es jetzt empfinden.

Veröffentlicht am: 19.05.2020

 

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