Die Erwartungen der Top-Talente: Ist das noch realistisch?

Studie zu Top-Talents von McKinsey und e-fellows.net

Eine McKinsey-Studie fördert Erstaunliches zu Tage: Im Durchschnitt erwarten Top-Talente 55.800 EUR Einstiegsgehalt. Frauen liegen dabei 11.500 EUR unter der Erwartung der Männer. Männer sind dagegen bereit, 3,5 Stunden mehr pro Woche zu arbeiten als Frauen. Corporate Social Responsibility ist für drei Viertel wichtig bei der Wahl des Arbeitgebers.

Eine aktuelle Studie von McKinsey und dem Karrierenetzwerk e-fellows.net unter 6.500 Stipendiaten zu ihren Berufswünschen fördert Erstaunliches und Überraschendes zu Tage. Die Stichprobe der Befragung bestand aus sogenannten "Top-Talenten", die ein Stipendium bei e-fellows.net erhalten haben. Für das Stipendium können sich Studierende bewerben, die sich durch hervorragende akademische Leistungen und Wirtschaftsinteresse ausgezeichnet haben, im Studium Auslandserfahrung gesammelt und sich darüber hinaus engagiert haben.

Diese Top-Talente erwarten von Unternehmen u.a. folgendes: 

  • Im Durchschnitt ein Einstiegsgehalt von 55.800 EUR. 
  • Dabei gehen Männer von 61.800 Euro aus, Frauen nur von rund 50.300 EUR.
  • Für ein höheres Einkommen sind Männer bereit, bis zu 46,5 Stunden pro Woche zu arbeiten, Frauen 43 Stunden. 
  • Juristen erhoffen sich im Durchschnitt 54 Prozent mehr Gehalt zum Start als Vertreter anderer Fachrichtungen.
  • Die Befragten betonen die Wichtigkeit von Corporate Social Responsibility (CSR). Zwei Drittel geben lt. Studie an sich im Vorfeld über die CSR eines potenziellen Arbeitgebers im Rahmen ihrer Jobsuche zu informieren. Sogar mehr als drei Viertel geben an, die CSR-Politik bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber zu berücksichtigen.

Um die für uns überraschenden Ergebnisse - z.B. bzgl. den hohen Erwartungen an die Einstiegsgehälter - besser einordnen zu können, haben wir Prof. Dr. Julia Klier, McKinsey-Partnerin und Universitätsdozentin in Regensburg, die die Studie verantwortet hat, einige Fragen gestellt.

Uns erscheinen die Erwartungen an das Einstiegsgehalt für Absolventen enorm hoch zu sein: Welche Fachrichtungen wurden einbezogen?

Prof. Dr. Julia Klier: Einbezogen wurden Studierende, Promovierende, Absolventen der Fachrichtungen: Geistes- und Sozialwissenschaften, Mathematik, Informatik, Physik, Chemie, Medizin, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.

Wenn die Befragten e-fellows Stipendiaten waren, warum schreiben Sie dann "repräsentative Studie"? Für wen genau sollen die Ergebnisse repräsentativ sein?

Prof. Dr. Julia Klier: Die Studie ist repräsentativ für High Potentials (Toptalente, die zu den besten zehn Prozent ihres Jahrgangs gehören).

Welche Besonderheiten zeigen Stipendiaten, die in die Unternehmensberatung möchten?

Prof. Dr. Julia Klier: Die Stipendiaten, die in die Unternehmensberatung möchten, sind leistungsbereit und karriereorientiert.

Wie erklären Sie sich die großen Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Gehaltserwartung? Woher kommt das? Sind Absolventinnen nicht einfach deutlich realistischer? Oder erklärt sich das Ergebnis dadurch, dass männerdominierte Studiengänge wie Ingenieure höhere Einstiegsgehälter haben?

Prof. Dr. Julia Klier: Frauen tendieren tatsächlich mehr als Männer zu Studiengängen mit niedrigeren Einstiegsgehältern wie beispielsweise Sozialwissenschaften. Jedoch lassen sich die Erwartungen an das Einstiegsgehalt nicht völlig damit erklären. Es scheint, als würden noch systemische Gründe für diese Unterschiede bei den Gehältern vorliegen.

"Zwei Drittel informieren sich über die CSR eines potenziellen Arbeitgebers im Rahmen ihrer Jobsuche; mehr als drei Viertel geben an, die CSR-Politik bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber zu berücksichtigen." Wie erklären Sie sich das überraschende Ergebnis? Haben Sie Anhaltspunkte, wie genau danach gesucht wird und was die Stipendiaten überhaupt damit meinen?

Prof. Dr. Julia Klier: Das Interesse an sozialen und ökologischen Themen in den jüngeren Generationen ist in den letzten Jahren offensichtlich erstarkt, wie Bewegungen wie "Friday for Future" eindrucksvoll zeigen. Das spiegelt sich nun auch in unserer Umfrage. Als wichtigste CSR-Bestandteile nennen Stipendiaten: gesunde und sichere Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer, ökologische Auswirkung des Unternehmens sowie die Unternehmensführung nach ethischen Standards.

Zur Person:

Prof. Julia Klier ist seit April 2018 als Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik insbesondere Internet Business & Digitale soziale Medien tätig. Sie studierte Finance & Information Management an der Universität Augsburg und an der Technischen Universität München. Im Anschluss promovierte sie an der Universität Augsburg zum Thema "Wertorientierte Gestaltung von Kundenbeziehungen". Sie ist Partnerin bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company und Expertin für Bildung- und Arbeitsmarkt-Themen.

sh

Methodik

Erhebungsmethode Online-Befragung per Mail
Stichprobengröße 6.500 Stipendiaten (von 30.000) des e-fellows.net Stipendium
Befragungszeitraum März bis April 2020
Länder Deutschland
Veröffentlicht am: 20.10.2020

 

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