Freiberufler: Tipps für eine solide Umschuldung

Karrieretipps

Freiberufler haben es generell nicht leicht, ein Vorhaben durch Fremdkapitalgeber finanzieren zu lassen. Oftmals scheitert es daran, dass Banken das Kreditausfallrisiko als überdurchschnittlich hoch einschätzen.

Office Cafe (Bild: picture alliance / Zoonar | Dasha Petrenko)

Freiberufler haben es nicht immer einfach (Bild: picture alliance / Zoonar | Dasha Petrenko)

Risikostatus Freiberufler

Insbesondere Freiberufler ohne festen Mitarbeiterstamm, die als Solo-Selbstständige lediglich auf ihre eigene Arbeitskraft setzen, haben kaum eine Chance auf einen Kredit. Fallen sie beispielsweise krankheitsbedingt aus, brechen die Einnahmen weg – so ist die Sichtweise der Bank. Was können Berater vorbereitend tun, um die Kreditchancen von Freiberuflern zu erhöhen? Der Beitrag liefert Tipps und Hinweise.

Geeignete Kontakte aktivieren

Der Wert eines Beraters ergibt sich nicht nur aus der Fachexpertise. Auch seine Kontakte sind für die Klienten bares Geld wert. Insbesondere im Rahmen von Finanzierungen ist eine gute Vernetzung zu seriösen Finanzierungspartnern wichtig.

Stehen Beratern neben den klassischen Bankpartnern weitere Optionen zur Verfügung stehen, lässt das die Chancen auf eine erfolgreiche Finanzierung steigen. Der Finanzdienstleister Younited Credit arbeitet mit Investoren zusammen und ist ein wertvoller Kontakt, der neben den klassischen Angeboten der Kreditinstitute weitere Finanzierungsmöglichkeiten offeriert. Der Finanzdienstleister geht transparent mit den Kosten um und erklärt genau, wie das Preismodell aufgebaut ist. Er  bietet schnelle, günstige und einfache Kleinkredite bis zu 50.000 Euro an. Das Angebot richtet sich unter anderem an Freiberufler wie beispielsweise Ärzte, Heilpraktiker, Rechtsanwälte, Journalisten oder Ingenieure. Voraussetzung ist, dass sie bereits seit zwei Jahren freiberuflich tätig sind. 

Ist-Zustand prüfen

Bevor jedoch eine Finanzierung angefragt wird, können Berater im Vorfeld einiges tun, um die Kreditchancen zu verbessern. Natürlich ist es unverzichtbar, die Ist-Situation im Betrieb zu überprüfen. Hier hat jeder Unternehmensberater sein eigenes Instrumentarium zur Hand, um in kurzer Zeit die relevanten Informationen zu beschaffen:

  • Wie ist die Liquidität? Sie stellt für viele Firmen eine große Herausforderung dar.
  • Wie ist die Auftragslage?
  • Welche Außenstände existieren?
  • In welcher Höhe bestehen Verbindlichkeiten?
  • Passt der Kostenapparat zur Umsatzsituation?
  • Wie hoch sind die Rücklagen?
  • Hat der Freiberufler den Cash-Flow im Griff?

Diese und andere Fragen ermöglichen einen ersten Blick auf die allgemeine Lage. Gibt es „Red Flags“, sind diese zuerst zu klären, bevor es an ein weiteres Finanzierungsvorhaben geht, das weitere finanzielle Belastungen für den Freiberufler mit sich bringt.

Cash-Flow-Ströme trennen: Eine Hilfestellung für Freiberufler

Ein häufiges Problem bei Freiberuflern ist, dass sie ein einziges Konto für ihre privaten und ihre betrieblichen Ausgaben nutzen. Sie haben weder einen Überblick über ihre monatlichen Entnahmen, noch wissen sie, welche Ausgaben – betrieblich wie privat - bei Ihnen anstehen. Insbesondere turnusmäßige Abbuchungen wie Versicherungsbeiträge, Beiträge zu berufsständigen Organisationen oder Steuerzahlungen sorgen immer wieder für Überraschungen in Form von überzogenen Konten. Die ersten beiden dringenden Empfehlungen lauten:

  • Geschäftliches und Privates sollte sauber getrennt werden. Das heißt, Freiberufler sollten für ihr Business ein eigenes Girokonto führen, von dem keine privaten Kosten beglichen werden.
  • Einmal im Monat wird ein fester Betrag auf das Privatkonto überwiesen. Dieser Betrag fungiert sinngemäß wie ein monatliches Gehalt, mit dem der Freiberufler die privaten Ausgaben bestreitet.

Vorsicht Fiskus!

Die Vermischung von privaten und geschäftlichen Ausgaben ist für Betriebsprüfer der Finanzbehörden stets ein Diskussionspunkt. Werden private Ausgaben über ein Firmenkonto getätigt, veranlasst dieses Verflechtung Prüfer häufig dazu, sehr genau ins Detail zu gehen. Zudem kann es passieren, dass sie in diesem Zusammenhang Einsicht in das Privatkonto des Freiberuflers verlangen und ihre Prüfungsaktivitäten ausdehnen. Der Gesetzgeber steht hinter ihnen, so dass die privaten Konten in aller Regel für den Prüfer frei gegeben werden müssen.

Sollten sich bei der Betriebsprüfung Ungereimtheiten ergeben, tendieren Betriebsprüfer nicht dazu, ihre Zuschätzungen im Sinne der Steuerpflichtigen vorzunehmen – im Gegenteil. Sie arbeiten für die Finanzbehörden und argumentieren im Rahmen der Begründungen für ihre Nachforderungen im Sinne des Finanzamts. Das kann unterm Strich sehr teuer werden. Bei sauber getrennten finanziellen Sphären sinkt dieses Risiko deutlich.

Kontokorrentkredit zu teuer

Der Kontokorrentkredit ist der teuerste Kredit, den Freiberufler aufnehmen können. Hohe einstellige bis niedrige zweistellige Zinsbelastungen sind üblich. Abhängig vom Überziehungsbetrag kommen Monat für Monat erheblich Summen zusammen. Der Ausgleich des Kontokorrentkredits mit einem Umschuldungskredit ist deshalb aus kaufmännischer Sicht sehr sinnvoll.

Zwei- oder Dreikontenmodell für Freiberufler

Zur Trennung der Zahlungsströme haben sich das Zwei- und das Dreikontenmodell bewährt. Sie helfen auch unerfahrenen Freiberuflern dabei, ihre Finanzen aktiv in die Hand zu nehmen und proaktiv zu handeln. Beide funktionieren auch bei anderen Rechtsformen. Voraussetzung ist, wie oben bereits erwähnt, dass keine privaten Kosten von den Geschäftskonten bestritten werden. Lediglich die regelmäßige monatliche Privatentnahme in angemessener Höhe sollte als Umbuchung von dem Firmenkonto auf das Privatkonto erfolgen.

Das Zweikontenmodell

Die Basis der Trennung der Geldströme ist das Zweikontenmodell. Auf Konto 1 gehen Zahlungen ein. Ein fester Betrag wird monatlich von Konto 1 auf Konto 2 überwiesen. Von Konto 2 werden alle wiederkehrenden Kosten bezahlt. Zu den wiederkehrenden Kosten in einem Betrieb gehören zum Beispiel diese:

  • Pacht und Miete
  • Versicherungsbeiträge
  • Leasingraten
  • Abokosten
  • Kfz-Kosten (TÜV, Jahreschecks, Reifenwechsel)
  • Kreditraten

Zunächst geht darum, die bestehenden Zahlungsverpflichtungen aufzulisten. Dabei ist es nötig, die jährliche Gesamtbelastung und die dazugehörigen Zahlungstermine zu notieren. Am einfachsten geht das anhand der Kontoauszüge der letzten zwölf Monate. Zusätzlich helfen Vertragsunterlagen dabei, mögliche Staffelpreise und geplanten Preiserhöhungen für die Zukunft mit zu berücksichtigen. Sind die Daten erfasst, werden die Jahresgesamtkosten auf den Monat heruntergerechnet. Dieser Betrag wird monatlich von Konto 1 auf Konto 2 überwiesen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Freiberufler nicht unbedacht zu viel Geld ausgibt und einen guten Überblick über seine Zahlungsverpflichtungen gewinnt. Dies funktioniert allerdings nur, wenn in regelmäßigen Abständen Planung und tatsächliche Abbuchungen geprüft und ggf. angepasst werden.

Das Dreikontenmodell

Im Dreikontenmodell kommt zu den beiden ersten Konten ein Sparkonto dazu. Auf dieses Konto werden die überschüssigen Beträge überwiesen, die monatlich nicht verbraucht werden. So können Freiberufler Monat für Monat eine Rücklage bilden, auf die sie für ungeplante Anschaffungen oder bei ausbleibenden Umsätzen vorübergehend zurückgreifen können.

Erst das Mehrkontenmodell einführen, dann Kredit beantragen

Die Installation eines Mehrkontenmodells hat den Vorteil, dass Freiberufler ihre Zahlungsströme detailliert überprüfen und sich aktiv einen Überblick über ihre Zahlungsverpflichtungen verschaffen. Es wird für sie nun viel leichter möglich, sich in einem individuell vorgegebenen finanziellen Rahmen zu bewegen und die Überziehung des Girokontos zu vermeiden. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die Aufstellung der Zahlungsverpflichtungen bei der Beantragung des Umschuldungskredits sehr nützlich ist. Die Selbstauskunft ist im Handumdrehen ausgefüllt.

Zudem lässt sich damit rasch eine stimmige Liquiditätsplanung aufstellen, die für eine Kreditanfrage unter Umständen notwendig ist. Die Kostenpositionen sind zum größten Teil bereits bekannt, es müssen lediglich zusätzlich Pauschalen für nicht planbare Extraausgaben sowie die Umsätze mit in die Planungen aufgenommen werden.

Kredit für neue Projekte

Sollen zukünftig neue Projekte mit Fremdfinanzierungen realisiert werden, ist das Dreikontenmodell ebenfalls sehr hilfreich. Es lässt bereits erkennen, wie viel freie Liquidität für eine mögliche Kreditrate zur Verfügung steht. Das allein allerdings garantiert noch keine Zusage, denn das neue Vorhaben muss selbstverständlich langfristig tragfähig sein und die Finanzierungspartner überzeugen.

Veröffentlicht am: 08.11.2021

 

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