Pflichtveranstaltung: Diesen 4 digitalen Trends können Unternehmen sich kaum noch entziehen

Mitmachen unumgänglich

Nicht bei jedem Trend ist es nötig, sofort auf den losfahrenden Zug aufzuspringen. Doch gibt es auch Dinge in der digitalen Welt, die bei aller verständlichen Vorsicht niemand mehr ignorieren sollte, weil sie längst allgegenwärtig sind.

Kompass (Bild: stock.adobe.com - Olivier Le Moal)
Digitale Trends könne auch für Unternehmen wichtig sein (Bild: stock.adobe.com - Olivier Le Moal)

Was ist ein Trend? Nach der lexikalischen Definition handelt es sich um eine deutlich erkennbare Stoßrichtung einer Entwicklung; eine starke Tendenz. Damit sollte Aufmerksamen bereits klar sein, dass es zwei Sorten von Trends gibt –eigentlich sogar noch mehr:

  1. Ein Trend, der gerade erst im Beginn ist, zu einer mächtigen Tendenz zu werden.
  2. Ein Trend, der sämtliche Stufen bereits hinter sich hat und auf dem besten Wege ist, zu etwas Allgemeingültigem zu werden.

Das Internet selbst ist ein Paradebeispiel für diese Dualität mit ihren zahlreichen Zwischenstufen: Anfang der 1990er war es ganz klar ein Trend der ersten Kategorie. Spannend zwar, aber es war nicht für jedes Unternehmen nötig, dabei zu sein. Zehn Jahre später jedoch wäre es geradezu fahrlässig gewesen, keine Internetpräsenz zu pflegen, die wenigstens den Status eines Feigenblattes hatte.

Auch heute gibt es vergleichbare Situationen. Die digitale Welt ist weit fortgeschritten, hat viele Trends hervorgebracht, die längst den Status des Novus verlassen haben. Auf den folgenden Zeilen fokussieren wir uns auf vier Beispiele dieser Art: Trends, die nur noch demjenigen vernachlässigbar erscheinen, der der großen Gefahr unterliegt, die Zeichen der Zeit falsch zu deuten – ähnlich wie jemand, der noch Mitte der 90er Jahre glaubte, das Internet sei nur ein Hype.

1. Social Media

2004 wurde Facebook gegründet. Doch bevor die Idee des Herrn Zuckerberg in den darauffolgenden Jahren zu einem globalen Monolith wurde, hatte bereits das ein Jahr zuvor gegründete Myspace diese Rolle inne. 

Heute ist es nicht einmal mehr nötig, Facebooks Zahlen von derzeit rund 1,8 Milliarden täglichen und knapp drei Milliarden monatlichen Nutzern heranzuziehen, um zu zeigen, wie unsagbar bedeutsam soziale Netzwerke sind.

Auch ist es nicht nötig, Instagram, TikTok und all die weiteren Namen zu nennen, die ebenfalls in diesem Umfeld zu den großen Playern gehören. Es genügt bereits, die immer gleiche und bereits vielfach exerzierte Wirkungsverkettung zu kennen:

  1. Ein soziales Netzwerk beginnt seine Etablierung. Selbst, wenn es einen thematisch starken Fokus hat (wie etwa Facebook, das sich anfangs nur an US-Studenten richtete), so ist es doch bereits jetzt für Unternehmen bedeutsam, die in dieser Nutzergruppe einen Teil ihrer Zielgruppe finden.
  2. Das Netzwerk verlässt mit steigendem Erfolg diesen eingeschränkten Kreis. Es wird für immer mehr User interessant, mitunter sogar für manche Gruppen zu einer regelrechten Pflicht durch sozialen Druck.
  3. Das Netzwerk wird immer erfolgreicher, zieht auch Menschen an, die nur aus bloßem Interesse mitmachen.

Facebook, Twitter, Instagram und YouTube erfüllen alle diese Bedingungen. Sie sind heute für einen erheblichen Teil der digitalen Menschheit Teil ihrer regelmäßigen Routinen. TikTok ist auf dem besten Weg, dieser Gruppe beizutreten.

Damit handelt es sich um Spielfelder, auf denen ein Großteil aller für ein Unternehmen relevanter Zielgruppenmitglieder vertreten ist und interagiert – ganz gleich, wie groß und unspezifisch die Zielgruppe sein mag. Lebensmittelhersteller pflegen ebenfalls ihre sozialmedialen Präsenzen wie es Buchmacher tun – letztere lassen sich sogar in ein Ranking der erfolgreichsten Social-Media-Präsenzen unterteilen. Immer aus demselben Grund: Hier ist der Ort, an dem sich fast alle ihre Zielgruppenmitglieder häufig, vielleicht sogar täglich, befinden, informieren, austauschen.

Daraus ergehen folgende Schlussfolgerungen:

  1. Es ist Pflicht, bei jedem derart etablierten Netzwerk präsent zu sein.
  2. Es ist nötig, Trends zu beobachten. Facebook beispielsweise büßte in den vergangenen Jahren bei jungen Zielgruppen enorm an Boden ein.
  3. Es ist nötig, Präsenzen zu pflegen. Reine Anwesenheit genügt auch bei erst aufstrebenden Netzwerken nicht. 

Es ist vielleicht nicht nötig, sein Unternehmen auf jedem neu auftauchenden Netzwerk anzumelden. Wenn jedoch bereits die Tagesnachrichten darüber berichten, ist es fast zu spät.

Videokonferenz (Bild: stock.adobe.com - Jacob Lund)
Heimarbeit ist gekommen, um zu bleiben. Sie trotz praktischer Machbarkeit nicht anzubieten, entkoppelt Unternehmen nur von einem Großteil möglicher Bewerber (Bild: stock.adobe.com - Jacob Lund)

2. Home-Office

Derzeit arbeitet ein Großteil aller deutschen Büroarbeiter zuhause. Wer allerdings glaubt, dass dies nur den Umständen der Zeit geschuldet wäre und sich nach dem Ende der Pandemie wieder abschwächen würde, irrt.

Die Fachwelt ist sich darüber einig, dass das Coronavirus für die digitale Heimarbeit nur eines ist: Beschleuniger eines sowieso starken Trends. Lange vor der Pandemie war Jahr für Jahr die Zahl derjenigen Unternehmen angestiegen, die diese Arbeitsform ermöglichten. Schon 2017 berichteten wir, dass es bereits 30 Prozent waren. 

Das Virus verkürzte nur den Zeitraum, den es brauchte, um die jetzigen hohen Zahlen zu erreichen. Selbst ohne diese Ausnahmesituation hätten sich in den kommenden Jahren ähnliche Zahlen entwickelt. Durch sie haben lediglich viele, zuvor unwillige, Unternehmer (und auch Arbeitnehmer) gleichzeitig erkannt, dass Home-Office im Alltag nicht nur doch funktioniert, sondern auch einige Vorteile bietet.

Natürlich, in den kommenden Monaten werden viele Menschen an ihren normalen Inhouse-Arbeitsplatz zurückkehren. Auf den Stand zum Jahreswechsel 2019/20 werden die Zahlen jedoch keineswegs mehr sinken.

Das bringt sämtliche Unternehmer in Zugzwang: Zumindest optionales Home-Office bzw. hybride Arbeitsmodelle werden sich in den Köpfen vieler Bewerber als Grundvoraussetzung etablieren oder haben es je nach Branche schon getan. Wer auch künftig nur stoisch Präsenzarbeit anbietet, wird sich deshalb damit konfrontiert sehen, nur für einen Bruchteil möglicher Kandidaten attraktiv zu sein.

3. Voice SEO

Dass ein Unternehmen viel tun muss, um auf Suchmaschinen vorne zu ranken, dürfte bekannt sein – auch hierbei handelt es sich um einen Trend, der längst die Gefilde des Optionalen verlassen hat.  

Was sich jedoch bei vielen Unternehmern noch nicht durchgesetzt hat, ist die Bedeutung digitaler Sprachassistenten. 39 Prozent aller Deutschen nutzen mittlerweile eine Variante dieser Möglichkeit. Dabei ist es gleich, dass nur ein Teil davon auf Smart Speaker setzt; die hinter den Sprachassistenten stehenden Systeme sind plattformübergreifend.

Damit hat Voice SEO, also die auf Sprachein- und -ausgabe ausgerichtete Form der Suchmaschinenoptimierung, aktuell den Charakter eines bereits fortgeschrittenen Trends – auch weil Sprachassistenten gerade wegen ihrer niedrigschwelligen Zugänglichkeit häufig von normalerweise wenig digitalaffinen Menschen genutzt werden. 

Zwar haben die wichtigsten Fragen an diese Assistenten nichts mit unternehmerischen Kernkompetenzen zu tun, da sie sich auf Abspiel- und Steuerungsfunktionen sowie simple Alltags- und Wissensfragen stützen. Gleich dahinter folgen jedoch suchmaschinenrelevante Fragen, wie die Adresse von Unternehmen, Informationen über diese sowie Shopping. 

Bei dieser Suchmaschinenoptimierung kommt es jedoch auf andere Faktoren an als bei den gewohnten Mustern. Vor allem:

  • Antworten auf direkte W-Fragen
  • Content im Fluss der gesprochenen Sprache – nicht der gelesenen
  • Die Tatsache, dass nicht alle Sprachassistenten auf Google zugreifen; für Alexa ist beispielsweise Bing die Vorgabe.

Das bedeutet, dass Unternehmen rasch ihre Optimierungsbestrebungen auf gesprochene Fragen und Antworten hin optimieren sollten. Und auch, dass sie dabei gewillt sein müssen, von Google als einziger relevanter Suchmaschine wegzukommen. 

Smart Speaker (Bild: stock.adobe.com - David Ferencik)
Egal ob per Handy oder Smart Speaker: Die digitale Welt wird immer stärker ausgesprochen statt geschrieben und gelesen. Allein für die Suchmaschinenoptimierung darf dies nicht ignoriert werden.  (stock.adobe.com - David Ferencik)

4. Mobiles Internet

Nach wie vor erleben tausende potenzielle Kunden jeden Tag eine Enttäuschung: Sie rufen die Website eines Unternehmens auf und müssen feststellen, dass diese auf dem von ihnen präferierten Endgerät kaum lesbar ist. 

Ungleich zu dem, was mancher vielleicht annimmt, handelt es sich dabei nicht um kaum marktrelevante Faltgeräte oder Bildschirme mit obskuren Formaten. Nein, es sind ganz normale Smartphones. 

2020 wurden 52,31 Prozent aller europäischen Seitenaufrufe durch Smartphones getätigt; weitere 3,43 Prozent entfielen auf die größeren, allerdings in ihrer Darstellungsform ähnlich aufgebauten Tablets.

Dennoch gibt es weiterhin, sowohl im B2B- wie B2C-Segment, unzählige Unternehmenswebsites, die diese Entwicklung völlig ignorieren. Sie sind nach wie vor optimiert, auf Desktop-Computern und Notebooks gut auszusehen. Angesichts der Tatsache, dass das Internet schon seit Jahren der primäre Weg zur Kontaktaufnahme und allen anderen relevanten Handlungen ist, handelt es sich hierbei um eine sträfliche Vernachlässigung – da es nur zu bestenfalls 44,26 Prozent aller Seitenaufrufe passt.

Im Klartext: Jede internetbasierte Dienstleistung eines Unternehmens muss auf mobilen Geräten genauso gut aussehen wie auf ortsfesten Computern. Dabei dürfen Unternehmer auch nicht den Fehler machen und auf Apps verweisen:

  • Erstens ermöglichen diese kaum ein Ansprechen von Neukunden. Der Erstkontakt findet praktisch ausschließlich über Websites statt, nicht über App-Shops.
  • Zweitens hat die Bedeutung von Apps durch die enorme Masse und ihre oft große Datenschutzproblematik längst einen Peak überschritten, sodass viele Personen sich auf den Browser zurückbesinnen.

Tatsächlich sollten Unternehmer ihren Traffic sehr genau analysieren (lassen) und den mobilen Aufrufen gegebenenfalls sogar Vorrang einräumen – das gilt nicht nur, aber auch bei typischen B2C-Angeboten.

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/pj

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