Schwanger im Homeoffice: Darauf sollten Sie achten

Arbeiten im Consulting

Die Arbeit im Homeoffice gehört für viele Deutsche mittlerweile zum ganz normalen Alltag, sei es ganz oder nur zeitweise. Das bringt zahlreiche Vorteile mit sich, aber auch das eine oder andere Risiko. Vor allem schwangere Frauen müssen sich dieser Risiken bewusst sein und diese präventiv umgehen – dann können sie von der Heimarbeit besonders profitieren. Wir helfen Ihnen dabei und verraten, worauf Sie achten sollten.

Eine schwangere Frau im Home Office (Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose)

Arbeiteten Sie bisher hingegen ausschließlich oder hauptsächlich vor Ort im Büro, kann es durchaus eine Überlegung wert sein, während der Schwangerschaft mehr im Homeoffice zu arbeiten – oder den Arbeitsort sogar vollständig nach Hause zu verlegen. (Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose)

Überblick: Schwangerschaft im Bürojob

Wenn Sie schwanger sind, gelten für Sie aufgrund der Mutterschutzgesetzes einige Besonderheiten. Welche genau, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Es gibt Fälle, in denen für Sie ab Beginn der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot gilt, beispielsweise in Berufen mit einem erhöhten Infektionsrisiko. Wenn Sie einem Bürojob nachgehen, dürfen Sie im Regelfall weiterarbeiten – außer Ihr Arzt oder Ihre Ärztin spricht aus individuellen Gründen ein Beschäftigungsverbot aus. Das bedeutet auch, dass Sie den Arbeitgeber nicht unmittelbar über die Schwangerschaft informieren müssen. Viele Frauen möchten zumindest die ersten zwölf Wochen abwarten, bevor sie ihre Schwangerschaft publik machen, auch im beruflichen Umfeld. Im Bürojob können Sie somit selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um den Chef zu informieren. Zu lange sollten Sie aber nicht warten, denn der Arbeitgeber kann selbstverständlich erst geeignete Maßnahmen gemäß Mutterschutzgesetz ergreifen, wenn er von der Schwangerschaft weiß.

Wegen Schwangerschaft ins Homeoffice?

Arbeiten aus dem Homeofice ist beliebter denn je. In den meisten Fällen können Sie einen Bürojob also trotz Schwangerschaft wie gewohnt ausführen, bis Sie in den Mutterschutz gehen. Wenn Sie bislang im Homeoffice gearbeitet haben, wird sich daran nichts ändern. Arbeiteten Sie bisher hingegen ausschließlich oder hauptsächlich vor Ort im Büro, kann es durchaus eine Überlegung wert sein, während der Schwangerschaft mehr im Homeoffice zu arbeiten – oder den Arbeitsort sogar vollständig nach Hause zu verlegen. Einen gesetzlichen Anspruch haben Sie darauf nicht, es sei denn, dass Sie oder Ihr Kind bei der Arbeit im Büro gewissen Gefahren ausgesetzt wären. So kann beispielsweise eine gesundheitliche Gefährdung wie durch die Corona-Pandemie durchaus einen Anspruch auf die Arbeit im Homeoffice erwirken, den es im Einzelfall zu prüfen gilt. Sinnvoller als der Rechtsweg ist aber stets, zuerst das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber zu suchen. Falls Sie gerne mehr im Homeoffice arbeiten würden und dafür nachvollziehbare Argumente haben, suchen Sie also das Vieraugengespräch, sobald der Chef von Ihrer Schwangerschaft weiß.

Vorteile der Heimarbeit für Schwangere

Argumente dafür, während der Schwangerschaft lieber zu Hause als im Büro arbeiten zu wollen, gibt es viele. Schließlich bringt sie zahlreiche Vorteile mit sich:

  • Stress ist dabei eines der wichtigsten Themen, denn wenn Sie durch das Pendeln zum Büro oder die Arbeit vor Ort übermäßig gestresst sind, steigt das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft. Das wiederum kann zu einem Beschäftigungsverbot führen und sicherlich ist auch Ihr Arbeitgeber daran interessiert, diesen Fall zu verhindern. Das Homeoffice kann daher ein stressfreieres Arbeiten bedeuten.
  • Die zeitliche Flexibilität ist bei der Heimarbeit größer, was in der Schwangerschaft ein Vorteil ist. So können Sie die Arbeit langsamer angehen und sich bei Bedarf zwischendurch kurz ausruhen. Ob Sie die Arbeit also zwischen acht und 17 Uhr erledigen, wie im Büro üblich, oder schon am Morgen, weil Sie seit fünf Uhr wachliegen, oder erst am Abend, weil Sie zwischendurch einen Mittagschlaf brauchten, ist im Homeoffice oft irrelevant. Sie können dadurch mit weniger Zeit- und Leistungsdruck dieselbe Produktivität aufrechterhalten – oder diese sogar steigern.
  • Die richtige Ernährung ist in der Schwangerschaft ebenfalls ein wichtiges Thema. Sie müssen unter anderem darauf achten, regelmäßig zu essen, was im hektischen Büroalltag manchmal schwierig ist. Wenn Sie zu Hause arbeiten, können Sie hingegen frei einteilen, wann Sie was essen und haben die Möglichkeit, sich in der eigenen Küche gesunde Mahlzeiten zuzubereiten.
  • Bewegung zwischendurch ist für alle Arbeitnehmer wichtig. Schwangere Frauen sollten aber vermehrt darauf achten, nicht zu lange zu sitzen. Sie sollten sich deshalb regelmäßig bewegen. Dafür eignet sich zum Beispiel ein kurzer Spaziergang in der Pause oder eine schnelle Stretching- beziehungsweise Schwangeren-Yoga- Session. Im Homeoffice ist es deutlich leichter, diese Bewegung im Arbeitsalltag umzusetzen als vor Ort im Büro. Stichwort: Pausen-Management.
  • Kleidung mag eher unwichtig erscheinen, spielt für Schwangere aber durchaus eine Rolle. Im Homeoffice können Sie sich komfortabler anziehen, was das Wohlbefinden steigert. Zudem müssen Sie weniger business-taugliche Umstandsmode kaufen, was zugleich finanzielle Einsparungen bedeutet.
  • Auch beim Arbeitsplatz ist Komfort ein wichtiges Thema. Das Sitzen an einem standardmäßigen Büroarbeitsplatz kann in der fortgeschrittenen Schwangerschaft ungemütlich werden. Viele Frauen empfinden dann beispielsweise das Arbeiten im Stehen oder einen Sitzball als angenehmer. Das Homeoffice können Sie sich flexibel nach dem eigenen Bedarf einrichten oder je nach Phase, welche Sie gerade in der Schwangerschaft erleben, umgestalten.

Es gibt somit viele Vorteile, wenn Sie als Schwangere zumindest zeitweise im Homeoffice arbeiten können und einige davon taugen als Argument, wenn Sie den Arbeitgeber um diese Möglichkeit bitten. Die Heimarbeit kann also Ihre Gesundheit und jene des Babys fördern, sofern Sie diese richtig umsetzen. Aber es lauern auch Risiken, die Sie kennen und berücksichtigen müssen.

Mögliche Risiken bei der Arbeit zu Hause

Vor allem, wenn Sie bislang keine oder kaum Erfahrungen mit der Arbeit im Homeoffice haben, ist es wichtig, sich die Risiken bewusst zu machen:

1. Die Arbeitszeit ist hierbei das größte Risiko, denn viele Menschen verlieren im Homeoffice eine gesunde Arbeitsstruktur. Sie arbeiten zu viel, ohne feste Zeiten oder ohne Pausen. Überstunden und die Arbeit an Sonn- sowie Feiertagen sind aber für Schwangere nicht nur ein Risiko, sondern sogar laut Mutterschutzgesetz verboten. Es ist deshalb wichtig, dass Sie die Arbeit strukturieren und nicht über die vertragliche Arbeitszeit kommen. Sie müssen dabei nicht die klassischen Arbeitszeiten wählen, wenn Sie diese flexibel gestalten können. Sie sollten aber einen eigenen sowie gesunden Rhythmus finden. Wichtig ist, dabei ausreichend Pausen einzuplanen sowie einen fixen Feierabend und arbeitsfreie Tage.

2. Das Stresslevel kann im Homeoffice geringer sein, aber auch höher als im Büro. Das hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Sie sollten daher prüfen, ob ein stressfreies Arbeiten zu Hause möglich ist. Schwierig kann es zum Beispiel werden, wenn Sie ältere Kinder haben, die nebenbei spielen, oder wenn die Internetbandbreite zu gering ist, sodass Sie mit der Arbeit nur langsam vorankommen und in Rückstand geraten. Die Gründe, weshalb das Homeoffice Sie stresst, können vielfältig sein. Versuchen Sie im Einzelfall die Stressoren zu identifizieren und eine Lösung zu finden. Eine Lösung kann auch die Rückkehr ins Büro sein, falls das von Ihrer Seite erwünscht und von Seiten des Arbeitgebers möglich ist.

3. Ständige Erreichbarkeit kann ebenfalls zum Problem werden. Wenn Sie nicht vor Ort sind und gegebenenfalls keine klassischen Arbeitszeiten mehr haben, kann es passieren, dass ständig neue E-Mails ins Postfach flattern und das Telefon klingelt – selbst, wenn Sie gerade arbeitsfreie Zeit haben. Auch diese ständige Erreichbarkeit kann ein unterschwelliger Stressor sein. Es ist deshalb wichtig, dass Sie mit dem Arbeitgeber genaue Zeiten absprechen, in denen Sie erreichbar sein müssen. Abseits dieser Zeiten schalten Sie das Geschäftshandy am besten aus und checken keine E-Mails. Auch mit Kollegen, Kunden & Co gilt es, die Zeiten klar zu kommunizieren, in denen Sie erreichbar sind.

4. Zuletzt ist es wichtig, den Arbeitsplatz ergonomisch einzurichten. Auch hier kann ein Vorteil also zum Nachteil werden, wenn Sie stattdessen auf dem Sofa arbeiten, in schlechter Haltung auf einem ungeeigneten Stuhl oder in weiteren Positionen, die für Sie selbst und das Baby ungesund sind. Wenn es also nicht möglich ist, sich einen gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden einzurichten, weil es beispielsweise am Platz oder am Geld fehlt, kann ebenfalls die Arbeit im Büro die bessere Alternative sein.

Schlussendlich kann das Homeoffice für schwangere Frauen zahlreiche Vorteile bieten, muss es aber nicht. Es handelt sich stattdessen um eine höchst individuelle Entscheidung und je nachdem, welchen persönlichen Risiken Sie bei der Arbeit zu Hause ausgesetzt wären, kann die Arbeit im Büro die bessere Wahl sein. Auch dann ist es aber wichtig, den Arbeitsalltag so zu gestalten, dass Sie ihn in der Schwangerschaft problemlos stemmen können.

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