Sich in Szene setzen, ohne sich in Szene zu setzen: Authentizität für Consultants

Michael Rossié

Mit dem eigenen Auftritt bei Kunden oder Kollegen überzeugen: Wie geht das? Authentizität ist das Gebot der Stunde! Denn nichts wirkt so überzeugend wie Echtheit. Was zunächst einfach klingt, hat jedoch durchaus seine Tücken.

Wahre Schönheit kommt von innen! – Wirklich? Bevor Sie jetzt protestieren, dass solche Allgemeinplätze ja mit der Realität nur sehr entfernt zu tun haben, gebe ich Ihnen freiwillig Recht. Ich wollte Sie provozieren. Das sind Lieblingssätze von Männern, die einen aus der Mode gekommenen Anzug tragen, seit Monaten keine Zeit für den Friseur hatten und deren Körpercreme seit Jahren unbenutzt im Spiegelschrank steht.

Unser Aussehen, unsere Körpersprache, ja all das, was wir unter dem Begriff Ausstrahlung zusammenfassen, entsteht zu einem großen Teil durch die „äußere Schönheit“. Die Erscheinung spielt beim ersten Kontakt mit fremden Menschen eine wichtige Rolle. Da können eben fettige Haut, unangenehmer Körpergeruch, Pickel und eine ungewaschene Bluse eine weitere Kommunikation sehr erschweren.

Aber nehmen wir an, Sie haben Wert auf Ihr Äußeres gelegt. Sie sind in jeder Hinsicht gepflegt und geschmackvoll angezogen. Sie duften wie eine geheimnisvolle Königin oder wie ein frischer Herbstmorgen. Und doch kann es immer noch sein, dass es kaum jemandem auffällt, wenn Sie einen Raum betreten.

Wann nehmen wir denn einen Menschen als schön oder interessant oder spannend wahr? Gutes Aussehen allein reicht ja nicht. Im Gegenteil, es wird in Ihrem Leben auch viele Menschen geben, die körperlich nicht so gut ausgestattet sind, die Sie aber trotzdem als faszinierend bezeichnen würden. In meinen Augen empfinden wir jemanden als schön, der ganz er selbst ist. Jemand, der offen und ehrlich ist, gefällt uns. Jemand, der fest auf zwei Beinen im Leben steht und sagt, was er denkt.

Sie müssen nicht alles sagen. Ihr Gegenüber will unter Umständen gar nicht mitgeteilt bekommen, wie scheußlich seine neue Krawatte ist und dass der Rock nicht sitzt. Aber was Sie sagen, das sollte ehrlich sein. Ob Sie das wirklich wollen, ob das in Ihrem Umfeld wirklich möglich ist, die Entscheidung muss ich Ihnen überlassen. Aber in der Theorie, wenn Sie den Mut haben, gibt es nichts Schöneres als etwas Echtes. Das ist bei Menschen genauso wie bei Teppichen.

Lügen ist für durchschnittlich begabte Mitteleuropäer wie uns viel zu kompliziert

Der Politiker, der uns in einer Fernsehsendung, für alle erkennbar, etwas vorlügt, gefällt nur seiner Frau. Wissen imponiert uns, Erfahrung, ein gesundes Selbstbewusstsein. Wir mögen Menschen, die es zu etwas gebracht haben oder die bewundert werden, Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten oder Menschen, die sich für uns interessieren. Aber was uns wirklich beeindruckt, ist, wenn jemand natürlich ist.

Mit ein bisschen Übung merken Sie sehr gut, wann Sie im Alltag ganz bei sich sind. Dann fühlen Sie sich sicher, und das Leben ist kein verschlungener Waldweg, sondern eine sechsspurige Autobahn. Sie können auch ein Seminar besuchen und an Ihrer Körpersprache, an Ihrer Kommunikationsfähigkeit und an Ihrer Selbstdarstellung arbeiten. Wenn Sie auf völlig fremde Menschen treffen, bekommen Sie eine verhältnismäßig objektive Rückmeldung über Ihre Wirkung auf andere.

Vielleicht wundern Sie sich ja manchmal, warum der Chef immer dieselben Mitarbeiter fragt, ob sie abends länger arbeiten können, oder warum der Kunde ausgerechnet Ihnen immer ins Wort fällt? Ihre Gesprächspartner bekommen von Ihnen eine Unzahl von Botschaften, die sie interpretieren. Aber was senden denn Sie für Botschaften? Wissen Sie das? Vor lauter Rollen, die wir spielen und Masken, die wir aufsetzen, wissen wir doch gar nicht mehr, wann wir offen und natürlich sind. Und der Partner oder die Arbeitskollegin kann einem das auch oft nicht sagen, weil die ja in dem Spiel mitspielen, die kennen einen ja.

Kann man denn so etwas lernen? Ja, man kann lernen, man selbst zu sein. Man kann in der Gruppe überprüfen, wie man ankommt, wie man wirkt und was man daran verbessern kann. Wenn Sie sich auf einen Weg machen, der von Ihnen wegführt, werden Sie immer schlechter. Aber wenn Sie sich bemühen, immer so weit wie möglich Sie selbst zu sein, werden Sie sicherer, selbstbewusster und im wahrsten Sinne des Wortes „schöner“.

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So ein Seminar sollten Sie also nicht besuchen, um etwas beigebracht zu bekommen. Um noch mehr Dinge zu lernen, die man zu beachten hat, damit man ganz groß rauskommt. In einem guten Seminar geht es nicht darum, neue Handhaltungen zu lernen, zu üben, wie man die Füße beim Reden elegant nebeneinanderstellt oder wie man lächelt, auch wenn einem anders zumute ist.

Jedes Training, in dem jemand an Ihnen herumschnitzt, macht Sie klein. Sobald wir das Lügen oder Verstellen anfangen, merkt das doch ohnehin jeder. Ist es nicht albern, wenn die selbstbewusste Beraterin sich in einer Standbein/Spielbein-Haltung aufbaut, weil man ihr gesagt hat, das wirke weiblich? Sieht es nicht komisch aus, wenn Sie die Hände bei der Präsentation nie unter die Gürtellinie fallen lassen (und dauernd daran denken, es nur ja nicht zu tun)? Meinen Sie nicht, dass die Zuschauer über Sie lächeln, wenn Sie versuchen, tiefer zu sprechen, weil das angeblich Vertrauen weckt? Macht es wirklich Sinn, die Haltung eines anderen zu imitieren, um sein Vertrauen zu gewinnen, weil Sie gelesen haben, dass Menschen, die sich verstehen, synchrone Bewegungen machen? Stellen Sie sich vor, Ihr Gegenüber hat dasselbe Buch gelesen wie Sie?

Besonders beim Sprechen vor der Gruppe fällt jede Lüge unangenehm auf. Wenn Sie ihren Blackout zu verbergen versuchen, wenn Sie Ihre Unsicherheit durch angelernte Bewegungen ausgleichen wollen oder wenn Sie mangelnde Vorbereitung mit schönen Phrasen kaschieren. Das geht daneben.

Das Ziel, dem Sie sich nähern sollten, liegt in ihnen selbst. Wieso sollte Hella von Sinnen werden wie Heidi Klum? Barbara Schöneberger wie Regina Halmich oder Thomas Gottschalk wie Olaf Scholz? Ihre große Chance liegt in ihrer eigenen Einzigartigkeit. Zeigen Sie den anderen das Wunder Ihrer eigenen Person. Das wäre das Ziel. Der Erfolg wird Ihnen sicher sein.

Über den Autor

Michael Rossié steht seit fast 30 Jahren auf der Bühne. Der bekannte Keynote-Speaker, Buchautor und Coach gibt seit vielen Jahren auch als Sprecher- und Kommunikationstrainer sein Wissen weiter. In Köln geboren, besuchte er nach dem Abitur zunächst die Schauspielschule Ruth v. Zerboni in München, war anschließend als freier Schauspieler und Regisseur tätig und startete parallel mit dem Training von Radiosprechern und Moderatoren. Heute arbeitet er an über 200 Terminen jährlich für Filmproduktionen, Wirtschaftsunternehmen, Parteien, Akademien, Schulen und Hochschulen sowie mit Moderatoren, Verkäufern, Politikern, und allen, die viel reden müssen. 

Michael Rossié ist einer der namhaften Dozenten beim diesjährigen Zertifikatslehrgang der Akademie der German Speakers Association (GSA): „Professional Speaking“. Der Lehrgang beginnt am 13. November. Bewerbungen sind noch möglich. Hier erhalten Sie noch mehr Informationen.

cb

Veröffentlicht am: 03.09.2020

 

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