Tipps und Tricks für eine gute (online) Rede

Barbara Liebermeister

Die Zeit um den Jahreswechsel ist die Hoch-Zeit der Reden. Dies wird auch in diesem Jahr so sein – auch wenn corona-bedingt so manch übliches Event nur online oder in kleinem Kreis stattfindet. Die Managementberaterin und Vortragsrednerin Barbara Liebermeister erklärt, auf was es beim halten von (online) Reden ankommt!

Barbara Liebermeister 2020

In der Zeit um den Jahreswechsel müssen Führungskräfte normalerweise oft Reden halten - nicht nur bei Weihnachtsfeiern und Neujahrsempfängen, sondern auch im Rahmen von Kick-offs, Verbands- oder Händlertagungen oder Vertriebsmeetings. 

Dies wird auch in den kommenden Monaten so sein - obwohl in diesem Jahr corona-bedingt viele Präsenzveranstaltungen entfallen, ins Netz verlagert oder in einem kleineren Kreis stattfinden werden. Deshalb hier einige Tipps, wie Sie Ihre Reden so gestalten, dass nicht nach wenigen Minuten das Interesse Ihrer Zuhörer erlischt und Ihre Botschaften beim Gegenüber ankommen. Nachdem im ersten Teil des Artikels zunächst allgemeine Tipps zum Halten stimulierender Reden gegeben werden, werden im zweiten Teil die Besonderheiten für Online-Reden aufgezeigt.

12 Tipps um stimulierende Reden zu halten

Tipp 1: Authentisch sein.

Der Erfolg einer Rede hängt stark davon ab, ob die vortragende Person auf die Zuhörer*innen glaubwürdig und authentisch wirkt. Also sollte die Rede ihnen auf den Leib geschneidert sein. Unglaubwürdig wirkt es, wenn eine Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert. Oder wenn sich ein/e Einzelkämpfer/in verbal mit den Zuhörer*innen verbrüdert. Das wirkt "gekünstelt". Also gehen die Zuhörenden auf Distanz. 

Tipp 2: Die Zuhörer auf eine "Gedankenreise" mitnehmen.

Ein/e Redner*in gleicht einem/r Reiseführer*in. Sie nehmen Ihre Zuhörer mit auf eine Gedankenreise - zum Beispiel durch das kommende Geschäftsjahr. Überlegen Sie also vorab: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Reise teil? Erst danach sollten Sie das Reiseprogramm, also den Inhalt und Ablauf der Rede, planen.

Tipp 3: Vorab überlegen: Was verbindet die Zuhörer (und mich)?

Vor dem Planen Ihrer Rede sollten Sie reflektieren: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörer*innen, und was verbindet sie mit mir? Kennen sich die Zuhörenden zum Beispiel persönlich gut oder sehen sie sich nur einmal jährlich? Gehören sie derselben Organisation an oder nicht? Denn wenn Ihre Zuhörer*innen Tag für Tag zusammenarbeiten, haben sie gemeinsame Erfahrungen: Auf diese können Sie sich als Redner*in beziehen. Sehen sich hingegen nur einmal pro Jahr, müssen sie auf andere Elemente zurückgreifen, um ihr Ohr zu finden. Zum Beispiel die Entwicklung der Branche. Oder branchenübergreifende Themen wie die Digitalisierung oder die Corona-Pandemie. 

Tipp 4: Mit den Zuhörern kommunizieren.

Ein guter Redner bzw. eine gute Rednerin kommuniziert mit seinen/ihren Zuhörer*innen - selbst wenn nur er/sie spricht. Zum Beispiel bei Präsenzveranstaltungen auch mit den Augen. Tragen Sie deshalb Ihre Rede so frei wie möglich vor. Und sprechen Sie das Publikum immer wieder persönlich an. Das ist gerade bei Online-Reden extrem wichtig! Jedoch nicht, indem Sie alle zwei, drei Minuten die Floskel "Meine sehr verehrten Damen und Herren" verwenden. Stellen Sie den Zuhörer*innen vielmehr zum Beispiel rhetorische Fragen wie "Als Unternehmer kennen Sie folgende Situation, ...?" oder "Als Vertriebler*in geht es gewiss auch Ihnen so, dass ...?". Integrieren Sie zudem Beispiele aus der Erfahrungswelt der Zuhörer*innen in Ihre Rede. Auch ein Schuss Humor und Selbstironie schadet nie.

Tipp 5: Sich kurz fassen.

Je kürzer eine Rede ist, umso besser ist sie meist. Eine Festrede zur Weihnachtsfeier sollte nicht länger als zehn, maximal fünfzehn Minuten dauern. Denn bei einer Weihnachtsfeier steht das gemeinsame Feiern zentral - auch wenn diese virtuell stattfindet. Anders ist dies bei einer Rede zum Beispiel bei einem Vertriebs-Kick-off zu Jahresbeginn. Sie soll die Zuhörenden auf die Herausforderungen im neuen Jahr einstimmen. Also kann die Rede mehr Information enthalten und einen appellativeren Charakter haben. 

Tipp 6: Auf Kernbotschaften fokussieren.

Eine Rede sollte höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Zum Beispiel: Die Arbeitsplätze sind sicher. Unser Unternehmen sieht trotz Corona einer rosigen Zukunft entgegen. Und: Dass unserer Betrieb die aktuellen Probleme so gut meistert, verdanken wir dem Einsatz aller Mitarbeitenden.

Tipp 7: Die "Gedankenreise" planen.

Für das inhaltliche Planen Ihrer Rede können Sie die Mindmapping-Methode benutzen. Sie funktioniert wie folgt: Schreiben Sie in die Mitte eines Blatt Papiers das Thema oder den Anlass der Rede. Zum Beispiel: "Unternehmensstrategie 2021". Notieren Sie dann entlang von Linien, die von diesem Zentrum ausgehen, alles, was Ihnen zum Thema einfällt. Zum Beispiel: "Corona", "Innovation", "Digitalisierung", "Vertrieb". So bekommen Sie schnell einen Überblick über die möglichen Inhalte der Rede. Und wenn Sie merken, es wird zu viel? Dann streichen Sie einfach einige (Seiten-)Arme. 

Tipp 8: Knackig einsteigen, feurig enden.

Planen Sie den Beginn und den Schluss Ihrer Rede besonders sorgfältig. Wie aufmerksam das Publikum Ihnen zuhört, hängt weitgehend vom Einstieg ab. Gute Einstiege sind Anekdoten. Generell gilt: Gute Storys faszinieren in der Regel Menschen mehr als Zahlen, Daten und Fakten und detaillierte Analysen. Bauen Sie Ihre Rede dramaturgisch auf. Alles sollte auf ein großes Finale hinstreben, das dafür sorgt, dass Ihre Rede dem Publikum im Gedächtnis bleibt - ähnlich wie bei einem Feuerwerk.

Tipp 9: Kurze, knackige Sätze.

Eine Rede sollte aus möglichst kurzen Sätzen bestehen. Schachtelsätze sind schnell unverständlich. Sie beinhalten zudem die Gefahr, dass der Redner sich verheddert. Dann ist bei ungeübten Rednern oft der Rest der Rede gelaufen. Denn sie werden nervös und verhaspeln sich immer häufiger. Und irgendwann wartet das Publikum nur noch auf Versprecher.

Tipp 10: Eine aktive, bildhafte Sprache.

Wichtig ist eine aktive Sprache. Also zum Beispiel "Wir planen ..." statt "Unsere Planung sieht vor ..." Durchforsten Sie Ihr Manuskript nach substantivierten Verben wie "Durchführung" und "Neuorientierung". Wenn ein solches Wort auftaucht, können Sie davon ausgehen: Diese Aussage kann man plastischer und aktiver formulieren. 

Tipp 11: Die Rede und den Umgang mit der Technik üben.

Sicherheit gewinnen Sie vor allem durch Routine und eine gute Vorbereitung. Hierzu zählt auch das laute Üben der Rede; ebenso bei Online-Reden der Umgang mit der Technik. Insbesondere den Einstieg, das Ende und die Übergänge zwischen den Redepassagen sollten Sie so lange üben, bis Sie diese sozusagen auswendig kennen. Stoppen Sie beim Üben auch die Dauer der Rede, damit Sie die vorgesehene Zeit nicht überschreiten.

Tipp 12: Gelassenheit bewahren

Geraten Sie nicht in Panik, wenn Sie bei Ihrer Rede - trotz Ihrer guten Vorbereitung - sich mal versprechen oder den roten Faden verlieren. Denn das Reden-halten ist nicht Ihr Haupt-Job. Deshalb tragen kleine Patzer eher dazu bei, dass Sie authentisch wirken.

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10 Tipps für eine souveräne Online-Rede

Corona-bedingt werden dieses Jahr viele Veranstaltungen online durchgeführt. Hierbei sollten einige zusätzlich Dinge beachtet werden, um die Souveränität Ihrer Rede zu wahren. Folgende Tipps sollten Sie als Führungskraft u.a. beherzigen, wenn Sie online eine Rede halten:

Sitzen Sie nicht und agieren Sie so aktiv wie bei Präsenz-Vorträgen

Wenn wir sitzen, gestikulieren wir kaum und unterstreichen somit auch die Bedeutung unserer Worte weniger. Wenn Sie als Redner*in stehen und sich bewegen, senden Sie an Ihrem Publikum auch mehr körpersprachliche Signale. Das erhöht Ihre Wirkung und die Ihrer Aussagen. Auch der Punkt, dass wir in der Regel weniger Mimik zeigen, wenn wir mit einem nicht sichtbaren Publikum kommunizieren, ist zu berücksichtigen. Puschen Sie sich vor Ihrem Auftritt also energetisch - ähnlich wie ein/e Schauspieler*in, dann wirken Ihre Worte weniger fad! 

Achten Sie auf das Setting

Neben dem eigentlichen Vortragsstil sind auch einige Randbedingungen zu beachten. Achten Sie auf eine gute Ausleuchtung des Raums. Insbesondere auf Ihr Gesicht sollten keine Schatten fallen, damit man auch Ihre Mimik und Augensprache gut sieht. Auch auf Ihre Internetverbindung sollten Sie Acht geben. Je instabiler die Verbindung ist, umso unprofessioneller wirkt Ihr Vortrag. Je stärker Sie während Ihrer Rede mit der Technik beschäftigt sind, umso unpersönlicher kommen Sie rüber. Sorgen Sie vor und bei wichtigen Reden - mit einem grösseren Auditorium - für eine personelle, technische Unterstützung. Darüber hinaus sollten Sie auch auf Ihre Umgebung achten. Es ist zwar menschlich, wenn zum Beispiel die Unordnung in Ihrem Arbeitszimmer auch einen persönlichen Eindruck von Ihnen vermittelt. Doch entspricht dies der Botschaft, die Sie vermitteln möchten? Checken Sie dies vor Ihrem Online-Auftritt. Dasselbe gilt für Ihr Aussehen. Achten Sie auf ein gepflegtes Äußeres. Es wirkt zwar lässig, wenn man den Chef mit Dreitage-Bart oder die Chefin im Schlapper-T-Shirt sieht. Doch geht davon die gewünschte Wirkung aus?

Passen Sie Ihre Rede an die online Gegebenheiten an

Online ist es schwieriger, Botschaften glaubhaft und eindrücklich zu vermitteln als in Präsenz-Veranstaltungen. Heben Sie deshalb Ihre Kernbotschaften heraus - zum Beispiel mit Grafiken oder kurzen Videos. Probieren Sie auch mal neue Dinge aus, wie Musik im Hintergrund oder Comics. Sorgen Sie für Abwechslung. alles was für eine spannende Dramaturgie sorgt, ist erlaubt. Arbeiten Sie darüber hinaus mir Storytelling und nehmen Sie Ihre Zuhörer*innen mit auf eine Gedankenreise. 

Bei Online-Reden sehen die Vortragenden in der Regel die Gesichter der Zuhörer*innen nicht. Zumindest können Sie mit ihnen nicht per Blickkontakt kommunizieren. Sprechen Sie deshalb regelmäßig einzelne Personen persönlich oder Personengruppen wie die Techniker*innen, die Auszubildenden oder die Mitarbeiter*innen im Homeoffice oder in Kurzarbeit direkt an.

Und noch ein Tipp: Bleiben Sie bei Pannen gelassen, denn Ihr Haupt-Job als Führungskraft ist es nicht, Reden zu halten. Deshalb lassen Sie kleine Pannen eher authentisch wirken. Und auch über größere Pannen sehen Ihre Zuhörer großzügig hinweg, sofern ihre Beziehung zu Ihnen stimmt.

Ihre Barbara Liebermeister

Über die Person

Barbara Liebermeister
Barbara Liebermeister
Barbara Liebermeister leitet das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) in Frankfurt. Die Managementberaterin und Vortragsrednerin ist u.a. Autorin des Buchs "Digital ist egal: Mensch bleibt Mensch - Führung entscheidet."

 

 

/sh

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