Was tun mit dem Handschlag? Begrüßung in Corona-Zeiten

Knigge-Wissen für Consultants

Geht es Ihnen auch so? An das Tragen der Mund-Nasen-Maske hat man sich ja schon mehr oder weniger beim Einkaufen gewöhnt, doch wie gehe ich im Business bei der Begrüßung mit der Maske und dem fehlenden Handschlag um?

Lansing-Was tun mit dem Handschlag? Begrüßung in Corona-Zeiten (Bild: SNFV GmbH)

Warum nutzt man eigentlich den Handschlag?

Man begrüßt und verabschiedet sich nicht nur damit, man besiegelt auch Verträge oder Vereinbarungen gerne mit einem Handschlag. Er ist so alt, dass sich nicht mehr herleiten lässt, wie er entstand. Aber in kriegerischen Zeiten galt der Handschlag als "Seht her, ich bin unbewaffnet!" Bei einem Handschlag muss man aus der gesellschaftlichen in die persönliche Distanzzone treten. Und genau dies gilt als Vertrauensbeweis. In unserer Kultur wird kein Unterschied zwischen Frau oder Mann gemacht. Zu einer formellen Begrüßung gehörte immer ein Handschlag. Doch schon vor Corona wurde in manchen Bereichen davon abgerückt, besonders im medizinischen Umfeld. Ob Grippe oder Schmierinfektionen, in vielen Arztpraxen las man den Hinweis, dass man aus hygienischen Gründen auf den Handschlag verzichte. Also, so neu ist der Verzicht nicht.

Der eine oder andere wird froh darüber sein, jemanden nicht mehr die Hand geben zu müssen. Entweder weil man es nicht mag, man selbst feuchte Hände hat oder jeder Handschlag eine Herausforderung ist.

Welche Alternativen zum Handschlag gibt es?

Beobachtet man heute die Begrüßungen im Business oder in den Medien, so sieht man viele Varianten: die Ghetto-Faust, den Ellenbogencheck, das Füßeln, der Beckenboogie oder die förmliche Verbeugung wie in Japan. Sind das die neuen Rituale der Begrüßung? Das Füßeln passt eher in ein privates Umfeld, genauso die Ghetto-Faust, der Ellenbogencheck und der Beckenboogie. Bei diesen kann ich noch nicht einmal selbst die Abstandsregeln einhalten. Eine Verbeugung wirkt sehr "gewollt" und erinnert an unterwürfiges Verbeugen wie im Mittelalter. Nichts davon überzeugt mich bislang.

Ein Lächeln sieht man auch in den Augen

Doch nicht nur der Handschlag stellt uns vor neue Herausforderungen, auch der Mund-Nasen-Schutz gesellt sich dazu. Mit einer Maske lässt sich eine Mimik eher erahnen, als dass man sie wirklich wahrnehmen kann. Besonders, wenn man nicht viel Zeit hat, um das Gesicht des Gegenübers zu studieren. Das Lächeln sieht man in den Augen, doch nicht jeder Businesskontakt bringt meine Augen zum Leuchten. Außerdem ist uns der Anblick von Menschen mit Mundschutz noch nicht vertraut.

Noch sind wir viel zu sehr damit beschäftigt, den Menschen dahinter zu erkennen, um dabei noch festzustellen, ob sich auch ein Lächeln hinter der Maske verbirgt.

Doch das Lächeln ist in der Abfolge der formalen Begrüßung ein wichtiges Signal. Wenn ich mein Gegenüber begrüßen möchte, folgt dies bisher einer festgelegten Reihenfolge:

  1. Erkennen
  2. Lächeln
  3. Aufeinander zugehen
  4. In die Augen schauen
  5. Nennung des Tagesgrußes, möglichst mit Nennung des Namens
  6. Beim Handschlag die Distanzzone unterschreiten
  7. Zurücktreten
  8. Smalltalk

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Wie sieht aktuell die richtige Begrüßung aus?

Begrüßungsrituale wurden immer schon neu erfunden. Besonders bei jungen Männern oder in Gruppen wurden eigene Formen der Begrüßung durchgeführt, die die Gruppenzugehörigkeit symbolisieren sollten. Manche dieser Rituale erinnern an Balztänze. Doch dieser Stil hat bisher keinen Einzug ins Business gefunden.

Darüber hinaus sah man in der Politik hin und wieder den Begrüßungskuss, den sogenannten Diplomatenkuss. Doch auch er droht durch Corona in die Bedeutungslosigkeit abzudriften. Besonders den Menschen im Norden wird dies erfreuen, denn je nördlicher man sich bewegt, desto mehr gehen und gingen die Menschen auf Distanz bei der Begrüßung. Sah man in München schon mal Geschäftspartner sich bei der Begrüßung umarmen oder Wangenküsse austauschen, ist das in Hamburg nur im engsten Familien- und Freundeskreis üblich.

Aber auch in der heutigen Welt müssen wir neue Formen finden. Berührungen fallen weg, neue Rituale müssen her. Verbeugungen sind zu steif, also bleibt uns wieder einmal mehr nur die Kommunikation. Da sind wir Frauen hin und wieder im Vorteil, so sagt man zumindest. Ich habe mir angewöhnt den Menschen das zu sagen, was ich mit dem Handschlag und einem Lächeln vermitteln möchte. "Ich freue mich, Sie zu sehen." oder "Schön, dass Sie da sind." Wenn Sie das mit einer offenen Geste begleiten, dann wird sich ihr Gegenüber genauso gut begrüßt fühlen, wie früher mit einem Handschlag.

Welche offenen Gesten eigenen sich?

Offener Handschlag bei der Begrüßung (Bild: Sabine Lansing)

Offene Handflächen bei der Begrüßung werden empfohlen (Bild: Sabine Lansing).

Wenn Sie die Hände so halten, dass ihr Gegenüber ihre Handfläche sieht. Damit zeigen Sie, sie sind unbewaffnet, also die gleiche Botschaft die der Handschlag in früheren Zeiten vermitteln sollte.

Als Beispiel möchte ich Ihnen folgenden Ablauf vorstellen:

Legen Sie die beiden Handflächen aneinander und öffnen sie dann. Dabei sehen Sie Ihr Gegenüber an und begrüßen es mit einem Tagesgruß, dem Namen und einer freundlichen Ergänzung. Damit haben sie die Maske und den fehlenden Handschlag sogar mehr als ausgeglichen. Durch diese neue Form werden Sie Ihrem Gesprächspartner ein Gefühl von Wertschätzung entgegenbringen.

  1. Erkennen
  2. Lächeln
  3. Aufeinanderzugehen, 1,5 m Abstand einhalten
  4. In die Augen schauen
  5. Nennung des Tagesgrußes, möglichst mit Nennung des Namens
  6. Zusatz, z.B. "Schön, Sie wiederzusehen", "Es freut mich, dass wir uns heute mal wieder persönlich treffen."
  7. Smalltalk

Sie werden merken, wie sehr wir in den alten Abläufen verhaftet sind und wie schwer es uns fällt, neue Wege in der Begrüßung zu finden. Doch je öfter Sie diese neuen Abläufe proben, desto schneller wird es sich normal anfühlen.

Was Sie auf jeden Fall damit erreichen ist, dass sich Ihr Gesprächspartner willkommen fühlt und Sie sicher und souverän auftreten können. Ist es nicht genau das, was wir erreichen wollen?

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag!

Sabine-Lansing-Knigge-Wissen (Bild: snfv GmbH)
Zur Person: Sabine Lansing ist Gründerin von Knigge-Wissen. Es gibt einen Lebenslauf davor und einen danach. Der danach resultierte aus einer Gefahrensituationen, die Sabine Lansing im Vertrieb einer deutschen Schmuckmanufaktur im Ausland erlebte, die sie dazu brachte ihre berufliche Situation zu ändern. Dazu bildete sie sich zur Karriereberaterin weiter, ergänzte das mit einer Weiterbildung zur Personalreferentin und arbeitete im Bereich Outplacement für Konzerne, wie z.B. Siemens, Thyssen, Adobe, Vodafone aber auch KMUs. Doch ihre Leidenschaft war schon immer der Umgang miteinander, weshalb sie seit 2004 als Trainerin für Umgangsformen arbeitet, also Knigge. Und dabei geht es ihr nicht um veraltete Regeln, sondern darum, mit Knigge Sicherheit zu gewinnen und sich mit Menschen in der eigenen Gegenwart wohlzufühlen.

mvw

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