Wie Unternehmen auch bei Sommerhitze eine angenehme Büroatmosphäre schaffen

Klimawandel

Dass der Klimawandel mittlerweile für regelrechte Hitzewellen sorgt, ist keine Neuheit. So verwundert es auch nicht, dass die hohen Temperaturen auch in Büros zunehmend aufs Gemüt schlagen. Was können Büros also tun, um sich für warme Sommertage zu wappnen?

Bürogebäude, sonniger Tag (Bild: hallojulie – Adobe Stock) | CONSULTING.de
Um Mitarbeiter vor überhitzten Büros zu bewahren und auch an heißen Tagen für eine normale Arbeitsatmosphäre zu sorgen, sollten Unternehmen nun Maßnahmen ergreifen. (Bild: hallojulie – Adobe Stock)

Extreme Sommerhitze ist in diesem Jahrtausend mehr die Regel als die Ausnahme – Deutschland erlebte die heißesten Jahre seiner Messgeschichte seit 1767 alle nach 2003. Kein Wunder, dass gerade Büros in jüngster Zeit Probleme bekommen, ihren Mitarbeitern im Sommer angenehme Arbeitsbedingungen bereitzustellen. Was können Unternehmen jetzt tun, um die Hitzebelastung ihrer Teams zu lindern?

Klimawandel sorgt für häufigere Hitzesommer

2003, 2018 und 2019 brachten hierzulande die heißesten Sommer der vergangenen 250 Jahre – länger reichen die Wetteraufzeichnungen in Mitteleuropa nicht zurück. Gleichzeitig mit der Durchschnittstemperatur steigt auch die Anzahl der Tage, die jährlich die 30-Grad-Marke knacken. Die Ursache liegt für Wissenschaftler klar auf der Hand: Die menschengemachten Emissionen treiben den Klimawandel an. So untersucht etwa das Environmental Change Institut in Oxford in einem neuen Spezialgebiet „Weather Attribution“, wie sich das Verhältnis zwischen Treibhausgasen und mittlerer globaler Temperatur verhält.

Je mehr Treibhausgase in der Atmosphäre seien, desto mehr steige die Temperatur, klärt Instituts-Direktorin Friederike Otto – doch das wahre Problem liegt nicht im durchschnittlichen Anstieg von wenigen Grad, sondern in der höheren Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen. Sie erzeugen weltweit Ernteausfälle, fordern direkte Opfer wie die 2.500 Hitzetoten im Sommer 2015 im indischen Andra Pradesh und verschlechtern auch die Arbeitsbedingungen für Büroangestellte im mitteleuropäischen Sommerklima.

Welche Folgen kann dies im Büro haben?

Der menschliche Körper ist darauf angewiesen, seine Temperatur auf 37 Grad zu halten – zur Not durch Zittern oder Schwitzen. Bei optimalen Umgebungstemperaturen zwischen 20 und 27 Grad verbrauchen wir für die Temperaturregulation am wenigsten Energie, gleichzeitig fällt die Konzentration auf anderes, z.B. die Arbeit, dann besonders leicht. Steigen die Temperaturen, passen sich Schweißdrüse, Blutgefäße und Atmung zwar daran an, doch die Hitze bringt auch unangenehme körperliche Symptome mit. Unter Hitzebelastung klagen die Deutschen in erster Linie über

  • Abgeschlagenheit
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Muskelkrämpfe

Die Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld sind offensichtlich: Wer müde ist, Kopfschmerzen hat und schlecht schläft, ist deshalb unkonzentrierter, macht im Job mehr Fehler, ist weniger effektiv und höchstwahrscheinlich unkooperativer gegenüber Kollegen und Kunden. Das sind schwere Konsequenzen, wenn man bedenkt, dass sie allein durch überhitzte Räume erzeugt werden. Arbeitgeber müssen sich im Sommer vor Augen führen: Ein angenehmes Raumklima kann das körperliche Wohlbefinden der Mitarbeiter wiederherstellen und die Arbeitsleistung deutlich verbessern.

Maßnahmen gegen Sommerhitze

Auch wenn es schwerfällt und man nach Luft ringt: Die wichtigsten Helfer gegen Tropenhitze im Büro sind die geschlossenen Fenster. Der tägliche Luftaustausch geschieht im Idealfall durch Stoßlüften in den frühen Morgen- und späten Abendstunden und/oder durch eine Lüftung mit Klimaanlage.

Frau vor einem Ventilator (Bild: Pixel-Shot – Adobe Stock) | CONSULTING.de
Ventilatoren sind bei hohen Temperaturen willkommene Hilfsmittel. (Bild: Pixel-Shot – Adobe Stock)

Darüber hinaus sollten Arbeitgeber in heißen Sommern folgendes berücksichtigen:

  1. Den Mitarbeitern ausreichend Getränke zur Verfügung stellen
    Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Müdigkeit an heißen Tagen können die Folge von Dehydrierung sein. Kein Wunder, denn bei hohen Temperaturen verlieren wir über das Schwitzen und Atmen zwei- bis dreimal so viel Flüssigkeit wie in mildem Klima. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, täglich mindestens 1,5 Liter zu trinken, sollten Schreibtischarbeiter im Sommer deshalb einhalten und bei großer Hitze nach oben hin anpassen. Ideal sind hier kohlensäurearme Mineralwässer, Früchte- und Kräutertees sowie Saftschorlen mit hohem Wasseranteil. Zuckerreiche Limonaden und Kaffee belasten hingegen den Kreislauf zusätzlich. Wenn Arbeitgeber also dafür sorgen, dass die Mitarbeiter stets auf einen Vorrat an passenden Getränken zurückgreifen können, steigert dies das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit an heißen Tagen.
     
  2. Auf leichtes Essen in der Kantine hinwirken
    Pasta-Berge, Fastfood und andere Kalorienbomben lassen den Kreislauf nach der Mittagspause ins sprichwörtliche „Schnitzelkoma“ abgleiten: Weil die Verdauungsorgane stark durchblutet werden, bleibt weniger Sauerstoff für Kopfarbeit und Konzentration. Hohe Außentemperaturen quälen erschöpfte Büromenschen dann um so mehr und die Leistungskurve fällt unweigerlich ab. Für einen Energieschub ohne Mittagstief sollten Berufstätige bei Hitze lieber auf mehrere, kleinere Snacks zurückgreifen, anstatt beim Mittagessen groß zuzuschlagen.

    Obst und Salate versorgen den Körper zusätzlich mit wertvoller Flüssigkeit – magere Proteinlieferanten wie Joghurt, Quark, Tofu, Fisch und Hähnchen sättigen gut und halten den Blutzuckerspiegel konstant. Wer zwischendurch eine leichte Gemüsesuppe löffelt, nutzt den Kühl-Effekt warmer Speisen und gibt dem Kreislauf ausgeschwitzte Salze und Mineralien wieder zurück.

    Sollte es eine Kantine für Mitarbeiter geben, ist es sinnvoll, wenn Arbeitgeber dahingehend den Speiseplan beeinflussen, dass eher leichte Gerichte auf den Tellern landen.
     
  3. Gleitzeiten zur Umgehung der Hitze anbieten
    Frühaufsteher können sich im Sommer über ein besseres Arbeitsklima freuen: Nicht nur, dass ihre Produktivität in den Morgenstunden höher ausfällt, weil sie von Kollegen und Kunden ungestört bleiben, sondern auch, weil die Temperaturen zwischen 6 und 9 Uhr morgens auch im Hochsommer meist angenehm sind. Ein Recht auf Gleitzeitregelungen besteht hierzulande generell nicht für Arbeitnehmer, jedoch lohnt es sich, wenn Arbeitgeber diese Möglichkeit zur Verfügung stellen. Zum einen steigert es die Produktivität in der Sommerhitze und zum anderen auch die Mitarbeiterzufriedenheit.

    Wichtig: Büros mit Kundenverkehr und verschiedene Abteilungen sind darauf ausgerichtet, dass die Mitarbeiter zu definierten Kern- bzw. Funktionszeiten anwesend und ansprechbar sind.
     
  4. Büroräume abdunkeln
    In südlichen Ländern schützt Verdunklung seit Jahrhunderten gegen Hitze: Hier öffnet man die Fensterläden erst nach der Siesta, um nicht zu viel Sonnenwärme in die Wohnräume zu lassen. Hierzulande schätzen Büros und Unternehmen meist die geschlossene Optik nach außen dagegen wenig – besonders, wenn sie auf Laufkundschaft ausgerichtet sind. Die Lösung bieten passende Rollos, elegante Markisen und schützende Plissees, die durch große Material- und Farbauswahl den Look des Unternehmens gut unterstützen können.

Plissee (Bild: Kuka - Adobe Stock) | CONSULTING.de
Plisees dienen zur Verdunkelung und schirmen die Hitze ab. (Bild: Kuka – Adobe Stock)

Verbunden mit geöffneten Türen und Ventilatoren schrecken die Verdunklungs-Techniken Kunden nicht ab, sondern überzeugen die Eintretenden eher durch das angenehme Raumklima.

Ganz wichtig: Plissees und Markisen schon früh am Morgen herunterlassen, wenn es innen noch kühl ist, damit die Sonne keine Chance bekommt, die Raumluft aufzuheizen.

  1. Klimaanlage und Ventilatoren zur Verfügung stellen
    Darüber hinaus ist es sehr sinnvoll, eine Klimaanlage in die Räumlichkeiten einbauen zu lassen. Leider hat nicht jedes Unternehmen die Möglichkeit, hier tätig zu werden, weil dies als Mieter mit dem Vermieter abgesprochen werden muss. Sollte also der Einbau einer Klimaanlage nicht möglich sein, helfen auch Ventilatoren in den Büros, die Hitze während der Arbeit zumindest leicht abzumildern.
     
  2. Individuelle Lösungen für Mitarbeiter finden
    Rechtlich sind Arbeitgeber erst ab einer Raumtemperatur von 30 Grad verpflichtet, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wie diese aussehen (Ventilator, Klimaanlage, Fensterverdunklung o.Ä.) ist dem Unternehmen dabei selbst überlassen. Gerade im Hochsommer kann deshalb eine flexible Home-Office-Vereinbarung Sinn machen und Stress reduzieren. Hier ist es sinnvoll, mit den Mitarbeitern zu sprechen und auch auf deren individuelle Befindlichkeit einzugehen.

Das können Mitarbeiter tun

Natürlich können die Mitarbeiter wie auch die Arbeitgeber selbst etwas tun, um sich die Arbeit in einer Hitzesituation so angenehm wie möglich zu machen:

  1. Kleine Kühl-Helfer testen
    Im Winter leisten Wärmesohlen gute Dienste beim Weihnachtsmarktspaziergang – im Sommer wählen Kluge dünne Gelsohlen, die sie vor dem Tragen in den Kühlschrank legen. Gegen geschwollene und heiße Füße hilft auch eine Wärmflasche, die mit eiskaltem Wasser gefüllt und unter den Schreibtisch gelegt wird. Ist der Fußraum für Kollegen und Kundenverkehr nicht einsehbar, darf man zwischendurch Slipper und Pumps abstreifen und die Füße darauf kühlen. Gekühlte Gel-Pads unter den Handgelenken bzw. Unterarmen entlasten nicht nur die Fingerhaltung auf der Tastatur, sondern regeln auch die Temperatur des Körpers herunter.
     
  2. Kleidung anpassen
    Hot-Pants und Muskelshirts lassen zwar auf der Strandpromenade ausreichend Luft an die Haut – dieser Sommerlook gilt aber laut Dresscode in den meisten Büros als absolutes No-Go. Dennoch können sich Arbeitnehmer stilvoll an hohe Temperaturen anpassen, indem sie beispielsweise eine leichte Leinen-Version des üblichen Anzugs bzw. Kostüms wählen. Naturmaterialien wie Baumwolle, Seide und Leinen verhindern das Schwitzen wesentlich effektiver als viele Kunstgewebe und luftige Schnitte verschaffen mehr Abkühlung als körpernahe.

    Tipp: Im Idealfall halten sich Vorgesetzte selbst an einen elegant-lässigen Sommer-Dresscode, an dem sich ihre Mitarbeiter gut orientieren können.

Fazit: Sommerhitze muss den Büroalltag nicht zur Hölle machen

Kein Zweifel – um den Klimawandel abzuwenden, sind alle Menschen gefordert, ihren Lebensstil in den kommenden Jahrzehnten nachhaltig zu gestalten. Doch so lange können geplagte Mitarbeiter in überhitzten Büros nicht warten: Hier können Unternehmen durch Verdunklungsplissees, Gleitzeitregelungen und eine gelockerte Kleiderordnung für den Sommer eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen. Selbst fördern Arbeitnehmer ihr sommerliches Wohlbefinden durch kleine Schreibtisch-Tricks und einen gesunden Lebensstil.

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