6 Monate Entgelttransparenzgesetz: Nur wenig Anfragen

Kienbaum-Studie

Wie viele Angestellte haben bisher vom Entgelttransparenzgesetz Gebrauch gemacht - und bei wie vielen wurde tatsächlich eine Entgeltlücke identifiziert? Eine Studie von Kienbaum gibt darüber Auskunft.

In gut einem Fünftel der befragten Unternehmen ist das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Antragstellern ausgeglichen. (Bild: Fleren - thinkstock)

In gut einem Fünftel der befragten Unternehmen ist das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Antragstellern ausgeglichen. (Bild: Fleren - thinkstock)

Seit dem 6. Januar diesen Jahres haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, auf Basis einer Anfrage beim Arbeitgeber Transparenz über ihr Gehalt anzufordern. Zum ersten Halbjahr dieser neuen Auskunftspflicht führte die  Personal- und Managementberatung Kienbaum daher eine Studie unter mehr als 100 Unternehmen durch, um zu hinterfragen, wie die Lage in den Personalabteilungen aussieht:

Arbeitnehmer noch zurückhaltend bei der Anfragestellung

"Die Anfragen in deutschen Unternehmen halten sich derzeit noch in Grenzen: Bisher haben nur wenige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vom Auskunftsanspruch Gebrauch gemacht. In denjenigen Organisationen, in denen jedoch Anfragen gestellt wurden, sind etwa zwei pro Monat eingegangen", berichtet Neele Siemer, Vergütungsexpertin bei Kienbaum aus ihrer Studie, und ergänzt: "In gut einem Fünftel der befragten Unternehmen ist das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Antragstellern ausgeglichen. Rund 46 Prozent der Studienteilnehmer berichten von weniger Eingängen als erwartet, und nur sehr wenige Organisationen bekamen tatsächlich mehr Anfragen als erwartet. Diese liegen bei durchschnittlich 20 Anfragen pro Unternehmen."

In 65 Prozent der Fälle keine Entgeltlücke identifiziert

Mehr als 65 Prozent der Befragten gaben an, dass keine Entgeltlücke identifiziert wurde. Vierzehn Prozent derjenigen Unternehmen, die gestellte Anfragen schon beantwortet haben, stellten fest, dass die Auskunftsersuchenden in der Regel unter dem Median ihrer Vergleichsgruppe liegen.

Grundsätzlich liegt die Verantwortung zur Beantwortung des Auskunftsersuchens beim Betriebsrat, jedoch kann der Arbeitgeber das Verfahren an sich ziehen. Dazu Neele Siemer: "In unserer Stichprobe haben 18 Prozent die Verantwortung beim Betriebsrat belassen, ist aber der Betriebsrat für die Beantwortung des Auskunftsersuchens zuständig, erhält das Unternehmen weniger Anfragen. In diesen Organisationen sind im Durchschnitt nur vier Anfragen eingegangen, wohingegen doppelt so viele Anfragen gestellt wurden, wenn die Arbeitgeber selbst dafür verantwortlich sind, oder es noch vorhaben."

Studienteilnehmer skeptisch, ob sich Vergütungshöhe von Frauen ändern wird

Die größten Herausforderungen in der Beantwortung des Auskunftsersuchens liegen laut der Studie bei der Berechnung des Vergleichsentgelts sowie in der Bewertung der Vergleichsgruppe. Auch wenn 80 Prozent der Befragten angeben, dass sie Herausforderungen bei der Rechtfertigung der Entgeltlücke sehen, geben 55 Prozent zusätzlich zu ihrer Antwort auch eine Begründung für die Abweichung der Entgeltlücke. Lediglich dreizehn Prozent sahen sich bei der Beantwortung keinerlei Problematiken gegenüberstehend.
Neele Siemer dazu: "Außerdem ist es fraglich, ob das Entgelttransparenzgesetz tatsächlich auf die ursprüngliche Absicht – die Verkleinerung der Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen – hinwirkt, da 85 Prozent unserer Studienteilnehmer nicht glauben, dass das Entgelttransparenzgesetz Implikationen auf die Vergütungshöhe von Frauen haben wird."

Veröffentlicht am: 07.06.2018

 

Weitere Nachrichten
McKinsey

Özdemir fordert: Bundesregierung soll alle Aufträge für McKinsey stoppen

Cem Özdemir (Bild: Harry Weber)

22.10.2018 - Die Berater von McKinsey sollen das saudische Königshaus mit einer Studie beim Kampf gegen Kritiker unterstützt haben. Der grüne Politker Cem Özdemir fordert daher, dass der Bund fürs erste keine Aufträge an die amerikanische Beratungsfirma vergibt. weiterlesen

 
McKinsey

Saudi-Arabien nutzte McKinsey-Bericht, um gegen Kritiker vorzugehen

Saudi Arabien nutzte McKinsey-Bericht um an Informationen von Regierungskritikern zu gelangen. (Bild: 12019 - Pixabay)

22.10.2018 - Das saudi-arabische Königreich soll einen Bericht von McKinsey genutzt haben, um gegen Kritiker vorzugehen. Ein Kritiker, der bei Twitter aufgefallen war, soll daraufhin festgenommen worden sein. weiterlesen

 
Strafanzeige

Berater-Affäre im Bundesverteidigungsministerium

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat sich eingeschaltet und ermittelt gegen das Bundesverteidigungsministerium und Ursula von der Leyen. (Bild: bearinthenorth - Pixabay)

19.10.2018 - Beschäftigt das Bundesverteidigungsministerium scheinselbstständige Berater? Aus diesem Grund wurde gegen das Ministerium jetzt Strafanzeige erstattet. weiterlesen

 
Deloitte-Studie zu erneuerbaren Energien

Abschied von Öl, Gas und Kohle unumkehrbar

Aufstrebende Windenergie vor untergehender Sonne (Bild: Pexels - pixabay)

18.10.2018 - Es sei nicht mehr die Frage, ob erneuerbare Energiequellen integriert werden, sondern nur, wann die konventionellen nicht mehr benötigt werden. Das sagen die Energie-Experten bei Deloitte, die dazu jetzt eine Studie veröffentlicht haben. Ein bemerkenswerter Hinweis... weiterlesen

 
Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.