Alte Bekannte auf den ersten Plätzen – CIOs erhalten mehr Budget für Transformation

Lünendonk-Listen 2022: Führende IT-Unternehmen

Welche IT-Unternehmen machten im Jahr 2021 den meisten Umsatz? Wie schätzen die Marktteilnehmer die Aussichten der Branche ein? Und auf welche Trends und Herausforderungen müssen sie sich einstellen? Antworten auf diese Fragen lieferte kürzlich Lünendonk & Hossenfelder mit der Veröffentlichung der zentralen Ergebnisse seiner „Lünendonk-Studie und -Listen 2022: Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“.

IT-Sicherheit ist das Thema, dem CIOs in Deutschland aktuell die meiste Bedeutung beimessen. Hierfür werden in Anwenderunternehmen auch die größten Budgetposten vorgehalten. (Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com | La Nacion)

Accenture, Capgemini und IBM belegen in der aktuellen „Lünendonk-Liste 2022: Führende IT- Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen in Deutschland“ die ersten Plätze. Alle drei Unternehmen konnten ihren Umsatz im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern: Accenture kam auf 2,65 Milliarden Euro (2020: 2,2 Mrd.), Capgemini auf 1,7 Milliarden Euro (2020: 1,45 Mrd.) und IBM auf 1,65 Milliarden Euro (2020: 1,5 Mrd.), womit die beiden letztgenannten im Ranking ihre Plätze tauschen.

Accenture führt die Liste der umsatzstärksten IT-Beratungen an

„Die Zuwächse bei Accenture kamen auch in Teilen anorganisch zustande, weil das Unternehmen seinen M&A-Kurs fortgesetzt hat, gerade mit Umlaut aus dem Bereich Engineering/IT-Sicherheit, die einen dreistelligen Umsatz erzielen“, erläutert Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder und verantwortlich für die Erstellung der Umsatzlisten und die Durchführung der begleitenden Studie. Ähnliche Sondereffekte beobachtet er bei Wipro (Sprung von Platz 22 auf 13): Hier schlage die Übernahme von Capco und ein großes Transformationsprojekt mit Metro zu Buche, das sich nun erstmals in den Zahlen widergespiegelt habe.

Zillmann erkennt in den Zahlen und Platzierungen auch allgemeine Entwicklungen innerhalb der Branche: „Wir sehen in gewissem Maße eine Verschiebung der Kräfte und der Anbietertypologien. Zum Beispiel Accenture als eine sehr breit aufgestellte Management- und IT-Beratung plus IT-Service-Dienstleistungen – es gibt wirklich wenig, was die nicht anbieten. Und da ist Capgemini mit einer fast identischen Ausrichtung, vielleicht mit etwas größerem Fokus auf den europäischen Markt und auf vergleichsweise wenige Großkunden.“ Weiterhin interessant: Auf den Plätzen 22 bis 25 landen mit Senacor, Jinit, Nagarro und Convista vier Unternehmen, die in den Vorjahren nicht gelistet waren.

Jinit beispielsweise ist ausschließlich im Public Sector aktiv, was den Bedeutungszuwachs dieses Kundensegments verdeutlicht.

T-Systems landet bei den IT-Service-Dienstleistern vorne

Andere Unternehmen wie Tata Consultancy Services seien aufgrund eines gewandelten Leistungsportfolios in die „Lünendonk-Liste 2022: Führende IT-Service-Unternehmen in Deutschland“ gewechselt, so Zillmann. Dort landen T-Systems, Atos und Tata auf den ersten drei Rängen. T-Systems kam auf zwei Milliarden Euro (2020: 2,2 Mrd.) Umsatz, Atos auf 1,9 Milliarden Euro (2020: 2,1 Mrd.) und die u.a. nach der Übernahme von Postbank Systems inzwischen mehr auf Managed Services und Outsourcing ausgerichtete Tata auf 843 Millionen Euro (2020: 657 Millionen). Aus vergleichbaren Gründen ebenfalls in die IT-Service-Liste gewechselt ist Allgeier (Platz 7; 377 Mio. Umsatz). Auch Atos – vorher in beiden Listen aufgeführt – erscheint nur noch hier.

„ESG, aus dem Bereich Automotive und Verteidigung kommend, wird nicht mehr in der Liste geführt, da sich das Leistungsspektrum nach dem Verkauf der ESG Mobility-Sparte in den Bereich Engineering verschoben hat“, erläutert Mario Zillmann eine weitere Veränderung. Bemerkenswert ist zudem der Neueinstieg von Tech Mahindra in die Top Ten mit einem rasanten Zuwachs von 115 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2020 auf 270 Millionen in 2021 – hierfür sieht Lünendonk insbesondere die Zusammenarbeit mit 2-3 Großkunden verantwortlich.

Bei den IT-Service-Unternehmen machten im Jahr 2021 T-Systems, Atos und Tata die meisten Umsätze. (Quelle: Lünendonk-Studie und -Listen 2022: Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland)

Die Branche der IT-Dienstleister wuchs 2021 um 13,1 Prozent

Über deutliche Umsatzsteigerungen konnte sich die Branche auch insgesamt freuen. Im Schnitt aller IT-Dienstleister stiegen die inländischen Einnahmen im Jahr 2021 gegenüber 2020 um 13,1 Prozent ­­– bei ausschließlicher Betrachtung der IT-Beratungen und Systemintegratoren sogar um 16,1 Prozent. Was sind die Gründe, warum der IT-Markt so stark angezogen ist? Mario Zillmann: „Dahinter liegen auf der einen Seite Nachholeffekte bei der Digitalisierung in den Bereichen Prozessoptimierung, Kundenschnittstellen, Backoffice-Prozesse. Auf der anderen Seite beobachten wir, dass viele Unternehmen, die bereits vor Corona Front Runner in Sachen Digitalisierung waren, jetzt verstärkt in die Skalierung investieren und transformatorische Projekte auf der Ebene der Geschäftsmodelle angehen.“ Insgesamt gelte:

„Die Tatsache, dass wir 2021 eine Umsatzentwicklung so stark wie seit 2007 nicht mehr hatten, zeigt das Potenzial und die Robustheit des IT-Marktes.“

Das Wachstum der IT-Dienstleister bewegt sich wieder auf Vor-Corona-Niveau. (Quelle: Lünendonk-Studie und -Listen 2022: Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland)

Allerdings erfuhren nicht alle Sparten der IT-Dienstleistung gegenüber 2020 einen durchgängigen Aufschwung. Der durchschnittliche Inlandsumsatz bei den IT-Service-Unternehmen war 2021 sogar leicht rückläufig: minus 1,1 Prozent. „Das hängt ein Stück weit mit der besonderen Struktur der IT-Service-Markets zusammen. Wir haben einige Unternehmen dabei, die historisch seit den ersten Wellen des Outsourcings dabei sind und teilweise heute so ihre Herausforderungen damit haben, mit dem Trend zu Managed Cloud-Services mitzuhalten“, ordnet Mario Zillmann  ein. „Insgesamt ist in diesem Segment aber viel Dynamik und auch Potenzial zu beobachten. Unter anderem erwarten wir, dass hier die indischen Player noch stärker Fuß fassen.“ An den Beispielen Q.beyond und Audius zeige sich zudem die Möglichkeit lokaler, mittelständischer Anbieter sich mit den Themen „Standort Deutschland, Datenschutz, IT-Sicherheit“ erfolgreich zu positionieren.

Die wichtigsten Kundengruppen: Industrie und Finanzdienstleistung

Was sind laut der Lünendonk-Studie die wichtigsten Kunden für IT-Dienstleister? Die meisten der befragten Unternehmen sind im Bereich der produzierenden Industrie unterwegs (33,2 Prozent, davon Automotive: 15,7 Prozent), gefolgt von Finanzdienstleistungen mit 21,3 Prozent und Telekommunikation mit 9,2 Prozent. Als Wachstumsfaktor beginnt sich der öffentliche Dienst zu entwickeln. Der Anteil der IT-Unternehmen, die auf diesem Feld aktiv sind, stieg von 7,6 auf 8,1 Prozent. Dazu Mario Zillmann:

„Den Public Sector kann man durchaus als einen Motor der Nachfrage bezeichnen. Das Onlinezugangsgesetz ist hier sicherlich ein Treiber. Dazu kommt beispielsweise die Einrichtung remote-fähiger Arbeitsplätze.“

Ein weiterer Sektor mit Wachstumspotenzial: Der Handel – Themen mit Auftragspotenzial sind hier u.a. der weitere Aufbau von Onlineshops, der Ausbau von Cross-Selling-Kompetenzen und elektronische Preisschilder im Stationären Handel.

Die meisten IT-Dienstleister sind in der Industrie und bei Finanzdienstleistern aktiv. Der Public Sector entwickelt sich zum Wachstumstreiber. (Quelle: Lünendonk-Studie und -Listen 2022: Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland)

Die Zukunftserwartungen sind vorsichtig optimistisch

Wie blicken die befragten Unternehmen in die nahe Zukunft? Die Prognosen der befragten IT-Unternehmen zu ihrer Geschäftsentwicklung in den beiden kommenden Jahren ist immer noch positiv, wenn auch nicht euphorisch. Im Durchschnitt liegen die Erwartungen bei einem Wachstum von 12,9 Prozent für 2022 und 12,6 Prozent für 2023. „Das Thema Fachkräftemangel ist sicherlich ein dämpfender Faktor, wir sehen aber auch andere Themen wie Inflation, gerade in China weiterhin Corona mit Auswirkungen auf die Lieferketten, die Entwicklung neuer globale Machtblöcke, wobei der Ukraine-Krieg nur ein Baustein von ist“, beschreibt Mario Zillmann die Beobachtungen von Lünendonk.

Zum Optimismus dürfte sicherlich die Tatsache beitragen, dass CIOs in Deutschland in Zukunft mit wachsenden Budgets rechnen können. Das zumindest geht aus der Befragung von Anwenderunternehmen durch Lünendonk hervor. Von 2022 auf 2023 werden für „IT-Sicherheit“ bei 89 Prozent der teilnehmenden Firmen mehr Gelder eingeplant, für „Weiterentwicklung, Pflege und Automatisierung der IT-Landschaft“ und  „Prozessoptimierung“ bei jeweils 78 Prozent.

Anwenderunternehmen wollen mehr Geld für IT-Lösungen ausgeben. IT-Sicherheit, Weiterentwicklung der IT-Landschaften und Prozessoptimierung überstrahlen dabei aktuell andere Aufgaben. Die Transformation in Richtung Cloud bleibt dennoch ein bedeutendes strategisches Thema. (Quelle: Lünendonk-Studie und -Listen 2022: Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland)

„Man sieht: Der Großteil der Unternehmen gibt noch vorwiegend Geld aus für Basisaufgaben und interne Optimierungen. Wenn wir auf die Bereiche Anwendungsentwicklung und Cloud-Transformation schauen, dann sind einige Unternehmen noch nicht so weit“,

kommentiert Lünendonk-Partner Zillmann – auch wenn aus dem Markt durchaus eine wachsende Nachfrage nach Managed Services auf der Basis von Cloud-Architekturen zu verzeichnen sei. 

Das Trendthema Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Last not least bestätigt die Lünendonk-Befragung von IT-Unternehmen und ihren Kundenunternehmen einen weiteren Trend, der für die Consulting-Branche insgesamt an Bedeutung gewinnt: Die Environmental Social Responsibility. Acht von zehn CIOs haben bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie aufgebaut oder arbeiten daran, fast ebenso viele konstatieren einen wachsenden Einfluss des Themas bei der Auswahl eines Dienstleisters. Ökologische Nachhaltigkeitsziele betrachten 84 Prozent der IT-Unternehmen als wichtig oder sehr wichtig für ihr Employer Branding, 68 Prozent tun dies bezüglich ihres Geschäftserfolgs und 63 Prozent bezüglich der Erfüllung von Anforderungen bei Ausschreibungen.

Über die Studie

Für die Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ wurden neben rund 90 IT-Dienstleistern etwa 140 IT-Verantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie aus Großunternehmen und Konzernen befragt. Die ausführliche Version kann voraussichtlich ab Juli 2022 unter www.luenendonk.de heruntergeladen werden.

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