Banken suchen richtige Balance zwischen Auslagerung und Automatisierung

Branchenkompass Banking 2016

Der wachsende Kosten- und Compliance-Druck lässt in der Kreditwirtschaft wenig Spielraum für individuelle Ablaufgestaltungen: An Auslagerung und Automatisierung von Prozessen abseits des Kerngeschäfts führt künftig kein Weg mehr vorbei, so eine Studie von Sopra Steria.

Banken suchen richtige Balance zwischen Auslagerung und Automatisierung. (Bild: JFL-Photography - fotolia.com)
Banken suchen richtige Balance zwischen Auslagerung und Automatisierung. (Bild: JFL-Photography - fotolia.com)

Die meisten der an der Studie teilnehmenden großen Geldhäuser in Deutschland gehen noch sehr zögerlich mit dem Thema Outsourcing um. Derzeit liege eine der größten Herausforderungen für die etablierte Bankenbranche in der richtigen Balance zwischen Auslagerung und Automation. Dabei gelte es, die zunehmend komplexen aufsichtsrechtlichen Vorgaben umfassend zu erfüllen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich die traditionell hohe Beratungskompetenz von Banken als Wettbewerbsvorteil gegenüber neuen Marktplayern voll entfalten kann.

Regulatorische Anforderungen forcieren IT- und Prozessstandardisierung

Individuelle Prozesse sind in der Finanzwirtschaft ein Auslaufmodell, so die Studienautoren. Denn nur, wenn Abläufe und Verfahren branchenweit standardisiert sind, lassen sie sich in einer gemeinschaftlich genutzten Softwareumgebung eines externen Outsourcing-Providers abbilden. Auch für den Einsatz algorithmischer Lösungen seien digitale Standardprozesse eine Grundbedingung. Hinzu komme die anhaltende Compliance-Problematik: Laut der Studie von Sopra Steria gehen 97 Prozent aller deutschen und österreichischen Kreditinstitute davon aus, dass die wachsenden regulatorischen Anforderungen zu einer verstärkten IT- und Prozessstandardisierung führen werden. Das sind vier Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren – entsprechend günstiger gestalten sich heute die Voraussetzungen für künftige Outsourcing-Projekte.

Neue Outsourcing-Modelle oder Robot-Automatisierung?

Noch halte sich die Zahl der ausgelagerten Prozesse allerdings in Grenzen. Doch planen derzeit 63 Prozent der befragten Häuser neue Outsourcing-Initiativen – ein satter Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Branchenkompass Banking 2014. Inhaltlich teilen sich der Zahlungsverkehr sowie das Postmanagement und die Dokumentenlogistik mit jeweils 29 Prozent die Spitzenposition in der aktuellen Auslagerungsagenda der Finanzwirtschaft. Auf Platz Zwei und Drei folgen der Einkauf und das Wertpapiergeschäft mit 18 beziehungsweise 16 Prozent; beide Werte haben sich seit 2014 fast vervierfacht.

Nach Einschätzung von Sopra Steria werden organisatorische Strukturen immer wichtiger, die eine stringente Providerkontrolle ermöglichen. Bei zukünftigen Make-or-Buy-Entscheidungen stehe zudem immer die Frage im Raum, ob sich eine Robot-Automatisierung gegebenenfalls besser eignet als ein klassisches Outsourcing-Modell. Der Vorteil algorithmisch gesteuerter Robot-Anwendungen liege in der Automatisierungsmöglichkeit auch solcher Prozesse, die man gemeinhin zum Kerngeschäft von Banken zählt – zum Beispiel die weitgehend standardisierte Vermögensberatung im Privatkundengeschäft. Hier wäre durchaus auch ein digitaler Bankberater denkbar, so Sopra Steria.

Zur Studie:
Im Juli 2016 befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa insgesamt 120 Vorstandsmitglieder und Führungskräfte der bedeutendsten Banken Deutschlands und Österreichs – davon 100 Institute aus der Bundesrepublik und 20 aus Österreich. In den computergestützten Telefoninterviews (CATI) ging es insbesondere um die Einschätzung wichtiger Branchentrends sowie um Investitionsziele der Teilnehmer bis 2019.

mr

Veröffentlicht am: 23.12.2016

 

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