Banking: Europäische Institute in der Krise

Bain & Company Studie

Ein Viertel der europäischen Kreditinstitute kämpft mit großen Problemen, so eine Studie. Häufig fehlt es an Entschlossenheit. Was die Banken auf der Gewinnerseite richtig machen, wurde in der Studie ebenfalls analysiert.

Deutsche Institute müssen Schwächen in ihren Geschäftsmodellen ausmerzen. (Bild: HendoBe - pixabay.com)
Deutsche Institute müssen Schwächen in ihren Geschäftsmodellen ausmerzen. (Bild: HendoBe - pixabay.com)

 

Nach Einschätzung der Studienautoren ist der Zustand von 28 Prozent der analysierten Banken kritisch. Die deutschen Institute haben besonders mit Schwächen in ihren Geschäftsmodellen zu kämpfen. Damit zählen sie zu den rund 17 Prozent, die zwar ihre Bilanz weitgehend in Ordnung gebracht haben, aber deren Profitabilität und Effizienz sich auf niedrigem Niveau bewegt. Weitere 17 Prozent haben Schwächen bei den Bilanzkennzahlen. Zur Kategorie der “Sorgenkinder“ zählen laut Bain 28 Prozent der analysierten Institute, häufig aus Griechenland, Italien, Spanien und Portugal.

Stellhebel zur Gesundung

38 Prozent der größeren Institute in Europa müssen sich jedoch keine Sorgen machen; sie stehen laut Studie auf der Gewinnerseite. Hier sind besonders Banken aus Belgien, den Niederlanden und Skandinavien vertreten. Doch auch Banken in kritischem Zustand können das Blatt nach Analyse von Bain & Company innerhalb von drei bis fünf Jahren wenden. Nötig seien dafür eine klare Strategie und mutige Entscheidungen.

Orientieren können sich die Institute an Banken, die in den vergangenen Jahren den Aufstieg in die Gewinnerkategorie geschafft haben. Aus deren Vorgehen haben die Studienautoren vier Stellhebeln abgeleitet, die bei der Gesundung unterstützen können. Dazu zählen zum Beispiel drastische Bilanzkürzungen. Außerdem können sich Banken die Loyalität der Privat- und Geschäftskunden sichern, indem sie sich auf zukunftsträchtige Geschäftsfelder und konsequente Digitalisierung fokussieren. Die Studie empfiehlt außerdem, einen radikalen Neuanfang bei den Kosten zu machen. Diese sollten Jahr für Jahr von Grund auf neu geplant werden, um Einsparpotenziale zu identifizieren und Investitionsmöglichkeiten in neue Geschäftsfelder zu erschließen. Schließlich solle eine veränderte Finanzierung etabliert werden. Der Hintergrund: Die Passivseite von Banken, die in die Gewinnerkategorie aufgestiegen sind, veränderte sich grundlegend. Die Spareinlagen stiegen um 20 bis 25 Prozent, der Anteil der Wholesale-Finanzierung sank um 70 bis 80 Prozent.

Für die Studie ”Battle of the Banks: The Fight for Profitable Business Models in Europe” hat Bain & Company 111 Kreditinstitute analysiert. Die Analyse wurde zum vierten Mal durchgeführt. Die Experten von Bain haben zur Beurteilung ein Scoring-Modell mit vier Kategorien entwickelt: Profitabilität, Effizienz, Bilanz und Finanzierung. Dazu werteten die Consultants die Abschlüsse der Institute ebenso aus wie Daten von Anbietern wie SNL Financial und Moody’s.

io

Veröffentlicht am: 20.09.2017

 

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