Beratungsmarkt: Wachstum von 7 Prozent

BDU Marktstudie

Die Digitalisierung sorgt für Wachstum im Consulting. Die Kunden erwarten von den Beratern eine Führungsrolle, um den digitalen Wandel erfolgreich umsetzen zu können. Dafür verstärken sich die Consultants auch mit Zukäufen, Übernahmen und Partnerschaften.

Die deutsche Consultingbranche blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. (Bild: rawpixel.com - fotolia.com)
Die deutsche Consultingbranche blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. (Bild: rawpixel.com - fotolia.com)

Erneut blickt die deutsche Consultingbranche auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das legen die Ergebnisse der BDU-Marktstudie nahe, die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater am heutigen Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlichte. Der Umsatz der Branche stieg 2016 demnach auf 29 Milliarden Euro, ein Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (27 Milliarden Euro).

Für Kundenunternehmen sind die Consultants gefragte Experten wenn es darum geht, den digitalen Wandel erfolgreich umzusetzen. Die hohe Nachfrage wirkt sich auch auf den Nachwuchsbedarf aus: Bereits in 2016 entstanden in der Branche 5.000 neue Jobs auf Beraterebene. Und die Zahlen des BDU für 2017 lassen den Schluss zu, dass sich die Entwicklung 2017 ähnlich positiv fortsetzen wird – in Hinblick auf Umsatz und Mitarbeiterbedarf.

Erwartungen für 2017: weiteres Wachstum, weitere Einstellungen

BDU-Präsident Ralf Strehlau (Bild: BDU)
BDU-Präsident Ralf Strehlau (Bild: BDU)
Die Erwartungen der Consultants für das laufende Jahr sind optimistisch: Sie rechnen mit einem Umsatzplus von 8,3 Prozent. Drei von vier großen Unternehmensberatungen planen, zusätzliche Junior- und Senior-Consultants einzustellen, und auch zwei Drittel der mittelgroßen Consultingfirmen wollen einstellen. Daher planen viele Beratungsfirmen, ihre Recruitingaktivitäten weiter auszubauen.

Für Wachstum in 2016 sorgten besonders viele Projekte aus den Branchen Chemie/Pharma, Konsumgüterindustrie und Handel. Für 2017 erwarten die Consultants aus ebenjenen Bereichen ebenfalls eine starke Nachfrage. Außerdem gibt es nach Einschätzung der Berater Bedarf bei Unternehmen aus der Finanzdienstleistungsbranche und dem Fahrzeugbau. Die Beratungsfelder mit dem stärksten Wachstum waren 2016 Prozessoptimierung und Performance Management (+ 9 Prozent), IT Governance & Compliance (+ 8,5 Prozent) und Marketing- & Vertriebsstrategie (+ 8,4 Prozent). Für 2017 sehen die Berater großen Bedarf in den Beratungsfeldern Change-Management (+ 9,9 Prozent), Business Development & Innovation (+ 9,8 Prozent) sowie CRM und Vertrieb (+ 9,7 Prozent).

Bewegung im Markt: mehr Übernahmen und Partnerschaften

Der BDU befragte die Teilnehmer der Studie ebenfalls zu ihren Einschätzungen in Bezug auf Thesen zur Entwicklung des Marktgeschehens, zu Beratungsinhalten und Kundenbeziehungen. Die Thesen mit der höchsten Zustimmung identifizierte der BDU als Trendthesen. Durch sie wird ersichtlich, in welchen Bereichen die Consultants Anpassungen vornehmen müssen, etwa beim Beratungs-Portfolio oder in Bezug auf ihre Geschäftsmodelle und -prozesse.

BDU-Präsident Ralf Strehlau betonte im Rahmen der Pressekonferenz: „Die Digitalisierung sorgt für einen veränderten Informations- und Kaufentscheidungsprozess der Konsumenten. Klassische Consulting- und IT-Themen müssen daher mit kommunikativen Aufgabenstellungen stärker zusammenspielen.“ Um für die spezifischen Fragestellungen der Kunden entsprechend aufgestellt zu sein, verstärkten sich 2016 und 2017 viele Unternehmensberatungen: etwa durch Zukäufe oder Kooperationen mit entsprechenden Partnern. Attraktive Kandidaten sind zum Beispiel Tech-Unternehmen, Digital- und Werbeagenturen. Aktuelle Beispiele: Die Übernahme der Digitalagentur Sinner Schrader durch Accenture und die Übernahme des Software-Spezialisten LShift durch Oliver Wyman. In 2017 erwartet Strehlau noch weitere Deals.

Weitere Trendthemen in der Beratungsbranche

Neben dem Trend zu mehr Kooperationen, Partnerschaften und Übernahmen kristallisierten sich anhand der Ergebnisse weitere Tendenzen heraus. Diese betreffen etwa die Rolle des Unternehmensberaters: Dieser avanciert immer mehr vom Informationsbeschaffer zum Bereitsteller von Erfahrungswissen. Informationen können die Unternehmen zunehmend selbst beschaffen oder über einen Dienstleister generieren. „Erfahrungswissen“, so Strehlau „ist nicht so leicht kopierbar und gerade bei Veränderungsprozessen kaum ersetzbar.“

Das bedeutet ebenfalls Veränderungen für die Nachwuchsberater. Standardisierte Leistungen, die sie insbesondere am Anfang übernehmen, werden zunehmend austauschbar. „Diese Leistungen wird es weiter geben“, so Strehlau, „jedoch geraten sie zunehmend unter Kosten- bzw. Margendruck. Das bedeutet, dass junge Berater tendenziell schneller ausgebildet werden müssen und es dadurch anspruchsvoller wird, sie in das Beratungsgeschäft einzubinden.“

Eine weitere Trendthese, die breite Zustimmung unter den Befragten fand, bezieht sich auf die Arbeitsweise der Berater. In den kommenden Jahren erwarten die Consultants eine Zunahme von agilen Formen der Zusammenarbeit zwischen Klienten und Consultants, bspw. Scrum. Begründet liegt dies laut BDU-Vizepräsident Matthias Loebich darin, dass Unternehmen flexibler am Markt agieren müssen. In diesem Zusammenhang ist eine iterative Entwicklung nötig, in der schneller greifbare Resultate produziert werden. Langläufer-Projekte treten eher in den Hintergrund, so Loebich.

Grundlage der Studie "Facts & Figures zum Beratermarkt 2016/2017" ist eine Marktbefragung des BDU im Januar und Februar 2017, an der sich rund 500 Unternehmensberatungen beteiligt haben. Befragt wurden ausschließlich Beratungsgesellschaften mit einem substanziellen Anteil in der klassischen Management- und IT-Beratung.

io

Veröffentlicht am: 08.03.2017

 

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