Bergbau erlebt spürbaren Aufschwung

München -  Die Bergbaubranche steht weltweit vor einer Wende: 2014 konnten die fünf führenden Bergbauunternehmen erstmals wieder einen positiven Cashflow erwirtschaften, und der Rest der Branche wird in diesem Jahr folgen. Die Kostensenkungsmaßnahmen im Bergbau in den vergangenen zwei Jahren zeigen langsam Wirkung. Die Unternehmen müssten jetzt entscheiden, welche Rolle sie in einem eher verhaltenen, aber stabileren Marktumfeld spielen wollen. Diese Herausforderungen behandelt die neue Studie von Roland Berger mit dem Titel "Mining rebound: why 2015 is the perfect year to prepare your mining operations for the next cycle".

Wie jede andere Prozessindustrie erfordert auch der Bergbau ein langfristiges Investitions- und Kapazitätsmanagement mit besonderem Blick auf langfristige Renditen und eine entsprechende Vergütung für die Investoren. Laut Studie verfolge alle Unternehmen in der Chemie-, Metall- oder der Erdöl- und Erdgasindustrie ähnliche Strategien und versuchen, ihre Positionierung in der Wertschöpfungskette zu optimieren. Dagegen konnten die Unternehmen im Bergbau - dank sehr guter Wachstumsprognosen der BRIC-Staaten - aus dem Vollen schöpfen. Nach einer dreijährigen Restrukturierungsphase ist es der Studie zufolge jetzt an der Zeit zu prüfen, wie gut man nach dieser Wende für die nächste Phase aufgestellt ist und welche Herausforderungen noch auf die Unternehmen aus dem Bergbau warten.

Bergbau: Beginn einer neuen Ära

Seit dem Verfall der Rohstoffpreise 2011 waren vorausschauende Bergbauunternehmen darauf bedacht, ihre liquiden Mittel zusammenzuhalten, so die Studie. Die neue Preisrealität und das Umdenken weg vom Volumenwachstum hin zu mehr Effizienz verlangten nach einer schnellen Anpassung der Kostenstrukturen. Die dann aufgelegten Programme zur Kosten-, Working-Capital- und CAPEX-Optimierung der Bergbauunternehmen zeigen mittlerweile Wirkung. 2015 wird die Branche der Studie zufolge wieder einen positiven Cashflow erwirtschaften.

Die Rohstoffpreise haben die Talsohle durchschritten und selbst operativ sehr gut aufgestellte Unternehmen haben mehrere Kostensenkungsprogramme hinter sich gebracht. Diejenigen, die im Effizienzwettlauf vorne dabei sind, dürfen sich laut Studie jetzt fragen: "Was kommt als nächstes?" Zwar könnten die Unternehmen weiter sparen, doch mit wenigen Ausnahmen stoßen selbst die besten Unternehmen an die Grenzen der Kostenoptimierung. Ist aber keine weitere Kostenreduktion möglich, was soll dann mit angehäuften Liquiditätsreserven und möglichen künftigen Cashflows passieren?

Die Studie unterteilt die Bergbauunternehmen in vier Kategorien, je nachdem, wie gut sie in der Lage sind, Free Cashflow zu erwirtschaften und langfristiges Vermögen aufzubauen. Für jede Kategorie analysiert die Studie die jeweiligen Chancen, Herausforderungen und Auswirkungen.7

Herausforderungen je nach Unternehmen verschieden

Frühzyklische Entwickler haben ihre finanzielle Basis während der vergangenen zehn Jahre durch den Bau neuer Anlagen, die Erweiterung ihrer Grubenkapazität, die Stärkung logistischer Netzwerke oder durch Zukäufe ausgebaut. Bergbauunternehmen dieser Kategorie verfügen über große Vermögenswerte, die jedoch wenig Liquidität generieren. Deshalb müssen sie nach Möglichkeiten suchen, das Leistungspotenzial ihrer Betriebe zu steigern. Investoren und Management müssen sich der Studie zufolge auf eine neue Vision für die vorhandenen Anlagen einigen, um Fragen der Turnaround-Möglichkeiten und potenziellen Exit-Strategien anzugehen.

Effiziente und konservative Bergbauunternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren im Wettbewerbsvergleich einen größeren Free Cashflow erwirtschaftet und damit bewiesen, dass sie in der Lage sind, ihre Investitionen und ihre Kapazitäten optimal an die Bedingungen der Rohstoffmärkte anzupassen. Diese Unternehmen müssen laut Studie für eine optimale Investitionsstrategie sorgen. Konservative Bergbauunternehmen sollten aktuell nach Möglichkeiten suchen, ihren Anlagenbestand auszuweiten, ohne ihre Fähigkeit einzubüßen Cashflow zu erwirtschaften. Auch die Rendite für Aktionäre und Investoren müssen sie im Blick behalten – besonders langfristig.

Bergbau-Champions mit hohen Cashflows und einer hohen Kapitalbildung sind in einer seltenen, günstigen Lage. Ihnen ist es der Studie zufolge geglückt, die profitabelsten Minen und Lagerstätten zu identifizieren und dabei ihre operativen Kosten im Rahmen zu halten. Bergbauunternehmen dieser Kategorie können der Studie zufolge die aktuellen Branchenbedingungen dazu nutzen, ihren Bergbaubetrieb kostengünstig weiter auszubauen und gleichzeitig die Renditerisiken für ihre Aktionäre zu minimieren. Dazu sollten die Bergbauunternehmen ihr Geschäftsportfolio weiterhin effizient managen - auf Basis einer belastbaren Szenario-Planung - und sich außerdem dafür vorbereiten, wenn sich erfolgversprechende Möglichkeiten für Unternehmenszukäufe ergeben.

Underperformer im Bergbau tun sich schwer, einen ausreichenden Free Cashflow zu erwirtschaften und ihr Anlagevermögen auszubauen. Kurzfristig sollten diese Bergbauunternehmen der Studie zufolge ihre operative Performance gründlich unter die Lupe nehmen und analysieren, warum es ihnen nicht gelingt, Fehler zu beheben. Sie sollten sich die Frage stellen, ob nicht ein anderer Eigentümer ihr Geschäft effektiver betreiben könnte. Dabei sollten sie auch nach möglichen Synergien mit anderen Unternehmen Ausschau halten.

Die Investoren waren laut Studie sehr zurückhaltend, was den Bergbau anbelangt. Die steigende Nachfrage hat in der Vergangenheit die Preise nach oben getrieben, die Entwicklungsfehler der Branche wurden dadurch nicht erkannt. Das hat sich der Studie zufolge nun geändert. Um attraktiv zu bleiben, müssen Bergbauunternehmen besser sein als ihre Wettbewerber. Das heißt, ihre Topmanager müssen jetzt schon für die nächste Dekade planen, schließt die Studie.

nwi

Veröffentlicht am: 15.06.2015

 

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