Berufsspezifische Ausbildung kann sich zum Nachteil entwickeln

ifo Institut untersucht duales Ausbildungssystem

Die berufsspezifische Ausbildung in einem dualen Ausbildungssystem ermöglicht in Deutschland vielen Schulabsolventen einen fließenden Übergang zwischen der Schul- und der Arbeitswelt. Allerdings kann sich diese Ausbildung zum Bumerang entwickeln.


So stellte das ifo Zentrum für Bildungsökonomik zwar in einer Studie fest, dass Menschen, die eine berufsspezifische Ausbildung genossen haben, zu Beginn ihrer Berufslaufbahn höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt besitzen als Personen, die allgemeinbildende Programme absolviert haben. Jedoch erhöht sich durch die spezialisierende Ausbildung auch das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt, an dem die erworbenen Fähigkeiten eventuell nicht mehr nachgefragt werden, den Arbeitsplatz zu verlieren. "Um unser duales System zukunftsfähig zu halten, sollten wir die frühe Spezialisierung der Auszubildenden verringern, indem wir die Zahl der spezifischen Berufe senken, den allgemeinbildenden Anteil an den Inhalten ausweiten, Ausbildungsbestandteile modularisieren und die lebenslange Weiterbildung stärken", fordert daher Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik.

Problematik ist in Ländern wie Deutschland besonders ausgeprägt

Laut den Erkenntnissen des ifo Zentrums sind insbesondere Länder von diesem Konflikt betroffen, in denen wie in Deutschland ein duales Ausbildungssystem vorherrscht. Demnach wandelt sich der Beschäftigungsvorteil in diesen Staaten im Schnitt bereits zu einem Nachteil, sobald der jeweilige Beschäftigte sein 44. Lebensjahr vollendet hat. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Befunde, die in den 90er Jahren eine ähnliche Problematik identifiziert hatten. Die Veränderungen des Arbeitsmarkts, die in den vergangenen Jahren insbesondere durch die Globalisierung, die Digitalisierung und die Rentenreformen ausgelöst wurden, haben somit nichts daran geändert, dass der Übergang zwischen Schul- und Arbeitswelt durch die Berufsausbildung zwar erleichtert wird, die Anpassungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer an eine sich verändernde Wirtschaft durch diese jedoch fällt.

Zur Studie:
Für die Studie analysierte das ifo Zentrum für Bildungsökonomik die Daten des Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC), das von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2011/12 durchgeführte sogenannte "Erwachsenen-PISA".

tt

Veröffentlicht am: 13.10.2016

 

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