Chance auf Wirtschaftswachstum: Bürger in Europa sind zu Reformen bereit

Düsseldorf/Washington - Trotz der weit verbreiteten Krisenstimmung hat Europa aktuell beste Aussichten auf ein langfristiges Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent. Voraussetzung dafür sind konsequente Reformen, gezielte staatliche Investitionen sowie maßvolle Lohnerhöhungen und Anpassungen im Steuerrecht. Bis 2025 könnten dadurch in der EU bis zu 20 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Dies sind die Ergebnisse einer Studie des McKinsey Global Instituts (MGI) mit dem Titel "A window of opportunity for Europe".

Europas Wirtschaft habe weit mehr Wachstumspotenzial, als man ihr gegenwärtig zutraue, so McKinsey. Die Analyse zeigt: Die EU-Länder können das Wachstum wesentlich beschleunigen und Arbeitsplätze schaffen, wenn sie voneinander lernen. Konzepte, Ideen und "Best Practices" innerhalb der EU zu übernehmen, würde drei Viertel der möglichen Dynamisierung freisetzen. Für die Studie hat das MGI die wirtschaftliche Entwicklung in den EU-28-Ländern, der Schweiz und Norwegen untersucht.

Gründe für die insgesamt positive Ausgangslage in Europa sind der McKinsey-Studie zufolge der stark gesunkene Ölpreis, die extrem niedrigen Zinsen und der schwache Euro, der europäische Produkte im Ausland billiger gemacht hat. Die Dynamik müsse jetzt genutzt werden, um mit Reformen die Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Regierungen sollten darüber hinaus gezielte Anreize setzen und Investitionen vornehmen.

Konkret untersucht und in ihrer Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum bewertet hat das MGI elf bereits in einigen EU-Ländern erfolgreich durchgeführte Reformen. Den größten positiven Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben danach Maßnahmen, die den grenzüberschreitenden Markt von Dienstleistungen und Digitalangeboten fördern. Fast ebenso wirksam sei es, den Zugang von älteren Menschen, Frauen und Zuwanderern zu den nationalen Arbeitsmärkten zu verbessern. Weitere Punkte auf der Reformagenda: eine bessere Abstimmung von Bildung und Ausbildung auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes, eine flankierend zugeschnittene Zuwanderungspolitik sowie gezielte Investitionen in Infrastruktur, Wissenschaft und Forschung. Darüber hinaus müsse in jedem Land individuell geprüft werden, ob Veränderungen in der Tarifpolitik und damit in der Regel höhere Löhne und niedrigere Steuern helfen, die Nachfrage zu stärken und so das Wachstum anzukurbeln.

Eine ergänzende Umfrage des MGI zeigt: Auch die Bürger sind bereit, für mehr Wachstum und die Chance auf persönlichen Wohlstand Reformen in Kauf zu nehmen. Das MGI hatte 16.000 Europäer in acht Ländern, darunter auch Deutschland, befragt.

Deutschland schneidet der Studie zufolge im EU-Vergleich sehr gut ab. Als vorbildlich werden u.a. die Höhe der Investitionen in Forschung und Entwicklung genannt sowie das gute Ausbildungssystem und die damit einhergehende geringe Jugendarbeitslosigkeit. Deutschland sei optimal in den EU-Binnenmarkt integriert und gleichzeitig stark als Exportnation. Doch die Studie benennt auch deutsche Schwächen: Die Investitionen in Infrastruktur sind im EU-Vergleich zu gering, der Arbeitsmarkt ist wenig flexibel, mit immer noch zu wenig Zugang von älteren Menschen, Frauen und Zuwanderern. Hohe Energiekosten wirken sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus, ebenso die vergleichsweise ungünstigen Finanzierungs- und Rahmenbedingungen für Firmengründer.

ah

Veröffentlicht am: 19.06.2015

 

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